23.06.2007

Todsichere Methode zur Früherkennung des Down-Syndroms

Seit 2004 wird in Dänemark ein nichtinvasives Screening zur Früherkennung von Down-Syndrom durchgeführt. Seitdem hat sich die Zahl der Kinder, die mit Down-Syndrom geboren werden, halbiert

Wie eine medizinische Erfolgsstory liest sich der Artikel im Deutschen Ärzteblatt, auf den Tims Eltern in ihrem Blog Unser Leben mit Tim heute hinweisen.

Seit der Einführung des nicht invasiven Screenings auf eine Trisomie 21 hat sich in Dänemark die Zahl der Kinder, die mit einem Downsyndrom geboren werden, fast halbiert. Dies zeigt eine auf der Jahrestagung der European Society of Human Genetics in Nizza vorgestellte Studie.
(...)Statt wie vorher grundsätzlich allen Schwangeren über 35 Jahren zu einer invasiven Pränataldiagnostik (...) zu raten, wurde jetzt allen Frauen eine Ultraschalluntersuchung zur Nacken-Transparenz-Messung angeboten in Kombination mit einer Laboruntersuchung, die zwei serologische Risikofaktoren erfasste (Doppeltest).
(...) Häufigste Gründe für die Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom trotz Screening waren eine ablehnende Haltung der Mutter zum Screening, ein Versagen der Risikokalkulation (Wert über 1:300) oder eine späte Durchführung der Tests in der Schwangerschaft.

Da steigt in mir das kalte Grauen hoch. Eine ablehnende Haltung zum Screening ist in Dänemark also der Hauptgrund für die Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom. Für den, der so was schreibt, scheint es nicht vorstellbar zu sein, dass sich Eltern auch bewusst für ein behindertes Kind entscheiden können - Töten ist offensichtlich die Standard-Behandlung der Krankheit.

Tims Eltern bringen das treffend auf den Punkt:

Gibt es also neuerdings eine Impfung gegen Down Syndrom? Oder Medikamente? Nein, weit gefehlt! Es geht schlicht und einfach darum, dass man bei mehr Kindern das Down Syndrom bereits vor der Geburt entdeckt und sie dann tötet. Was nichts anderes bedeutet, als dass ein Kind mit Down Syndrom als unwertes Leben klassifiziert wird.

Das scheint allerdings nicht nur in Dänemark so zu sein. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ein Gynäkologe uns bei der Schwangerschaft mit dem zweiten Kind dringend alle möglichen Untersuchungen ans Herz legte, als er hörte, dass unser erstes Kind Down-Syndrom hat. Auch seine Vorstellungskraft reichte wohl nicht so weit, dass ein Kind mit einer Behinderung eine Bereicherung sein kann.

Was ist der nächste Schritt? Konsequenterweise müssten jetzt eigentlich Kassenleistungen für die Behandlung der Folgen des Down-Syndroms gestrichen werden, Eltern müssten z.B die Therapien selber zahlen - sie haben ja selbst die Schuld an der "Erkrankung". So ähnlich wie das beim Rauchen oder bei bestimmten Funsportarten diskutiert wird. Mal ehrlich, wen würde es wundern, wenn demnächst solche Ideen salonfähig würden?

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