20.01.2008

Lidl und der faire Handel

Ein Deal mit Lidl bringt ein nationales Entwicklungsprojekt in Paraquay an die Existenzgrenze

Ende Dezember berichtet die Aktuelle Rundschau, eine deutschsprachige Zeitung aus Paraquay, über ein geplatztes Geschäft zwischen dem gemeinnützigen Unternehmen Loofah-Art in Paraquay, und dem Konzern Lidl. Es geht um einen Auftrag für 240.000 Tierspielzeuge mit Bio-Siegel und um ein Auftragsvolumen von 194.400 Euro. Offenbar hat sich die Geschäftsführerin des Unternehmens mit einem mündlichen Auftrag zunächst zufrieden gegeben, die schriftliche Auftragserteilung rückte dann schnell aufgrund anderer Verhandlungen in den Hintergrund - ein großes Geschäft für das kleine Unternehmen mit 144 Mitarbeitern. Die Produktion lief an.

Wenige Monate später will man bei Lidl von diesem Auftrag aber nichts mehr wissen.

Nachdem Herr Michael C. (von Lidl, W.) nicht erreichbar war, führt Frau Fuzellier (Geschäftsführerin Loofah, W.) mit dem Einkaufsleiter der LIDL-Importabteilung Herrn B. ein Telefongespräch, in dem er ihr erklärt, dass LIDL dieselben Loofah-Produkte in China viel billiger bekommt. Daraufhin erwidert Frau Fuzellier: „Unsere Loofah-Produkte sind ja ganz anders, wir haben ein anderes Design, mit Bio-Zertifikat." Herr B. antwortet: „Nein, es sind genau dieselben, und solche Zertifikate kauft man einfach." Als Frau Fuzellier die für sie brennende Frage stellt, was nun mit den 240.000 Tierspielzeugen wird, antwortet Herr B.: „Machen Sie mir einen besseren Preis, und alles weitere klären Sie bitte über unseren Importeur." Nach diesem Gespräch ist keiner der Ansprechpartner mehr für Frau Fuzellier erreichbar.

Eine solche Situation bringt das kleine Unternehmen an die Grenze seiner Existenz.

Vielleicht war ja alles ein Missverständniss. Vielleicht gehört Lidl ja zu den Guten und die Geschäftsführerin der gemeinnützigen Loofah-Art AG hat sich einfach geirrt. Bedauerlich, aber so läuft das Geschäft. Vermutlich wird man das bei Lidl so sehen. Glauben mag ich es nicht.

"Lidl unterstützt den fairen Handel mit Entwicklungsländern", so lautet die Schlagzeile auf der Internetseite http://www.lidl-fairglobe.de/. Das Beispiel macht deutlich, wohin es führt, wenn sich Großkonzerne wie Lidl auf den Markt des fairen Handels begeben. Für solche Konzerne zählt der Profit. Für soziale Verantwortung ist da wohl kein Platz.

Was ist denn eigentlich von der oben zitierten Aussage zu halten, man könne Bio-Zertifikate einfach so kaufen? Ist das vorstellbar? Nein! Nicht Lidl ...! Da könnte man ja auf die Idee kommen, dass auch die TransFair-Siegel für die FairGlobe-Produkte ... Nein! Bestimmt nicht!

Noch ein Lesetip, passend zum Thema Lidl: Die TAZ vom 28.12.2007 "Fairer Handel bei Lidl - das geht nicht"

Update 15.08.2008

Zur Fortsetzung s. http://www.mbauweb.de/blog/story/00408

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