Biotechlobby gegen Gentech-frei-Label
Beim Streit über die neuen Gentechnikregelungen sind die politischen Koordinaten auf den Kopf gestelltEinen interessanten Artikel bringt die TAZ am letzten Donnerstag:
Beim Streit über die neuen Gentechnikregelungen sind die politischen Koordinaten auf den Kopf gestellt. Der Deutsche Bauernverband, Tierfutterhersteller und die Lebensmittelwirtschaft blasen zum Sturm gegen das neue Gentechnikgesetz und das neue "Ohne Gentechnik"-Label, die unter der Regie von Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) noch diesen Monat im Bundestag verabschiedet werden sollen. Die "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung sei eine "klare Verbrauchertäuschung" (...). Verbraucher- und Umweltverbände dagegen loben Seehofer für seine Kennzeichnungsregelung.
Auch wenn die Motive der Lebensmittelverbände sicher andere sind, ich teile die Kritik an der Label-Kosmetik. Wo "Ohne Gentechnik" draufsteht darf auch keine Gentechnik drin sein.
Aber dazu brauchen wir kein neues Gesetz. Wir haben längst eine Regelung. Ich habe übrigens eben gesehen, das es selbst in der geltenden Regelung noch Einschränkungen gibt, die ich merkwürdig finde:
Einer Kennzeichnung im Sinne des Satzes 1 steht ebenfalls nicht entgegen, wenn ein in Satz 1 Nr. 3 bezeichnetes Arzneimittel wegen eines therapeutischen oder prophylaktischen Bedarfs verabreicht worden ist und ein in seiner therapeutischen Wirksamkeit oder auf Grund seiner besonderen Eigenschaften vergleichbares, ohne Hilfe gentechnischer Verfahren hergestelltes Arzneimittel nicht zur Verfügung gestanden hat.
Ich verstehe nicht, warum man bei solchen Kennzeichnungen immer so rumeiern muß. Arzneimittel werden doch nicht dadurch gentechnikfrei, dass es keine gentechnikfreien Alternativen gibt. Wer diese Arzneimittel verwendet, sollte das Label dann eben nicht kriegen. So what?
Mit der gleichen Begründung könnte man einen Leguan zum Dinosaurier erklären, weil es ja keine prähistorischen Alternativen mehr gibt.