Schule - ein unberechenbares System
Warum muss im Zusammenhang mit Schule eigentlich immer alles so problematisch laufen?Ich war gerade bei einem Elternabend in der Schule, in die unser Sohn Noah nach den Sommerferien gehen soll.
Im vergangenen Jahr, haben wir in einem scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Schulbürokratie doch noch eine Lösung im Sinne unseres Kindes erreicht. Eigentlich ist es in NRW nicht möglich, dass Kinder von der Schulpflicht zurück gestellt werden, es sei den, es liegen gesundheitliche Gründe vor.
Und diese gesundheitlichen Gründe müssen schon ziemlich gravierend sein. Der schulmedizinische Dienst ist zumindest hier eher auf Hardlinerkurs. Im Grunde würde man im Kreis Recklinghausen ein behindertes Kind, das wie unser Sohn nur mit wenigen Tagen noch in die Schulpflicht für das laufenden Jahr fällt, eher aus dem Kindergarten reißen und einer Sonderschule zuweisen, als es für ein Jahr von der Schulpflicht zurück zu stellen, damit im nächsten Jahr die sinnvolle Teilnahme am gemeinsamen Unterricht möglich ist. Und das gegen die Einschätzung der Eltern und aller Pädagogen, die mit dem Kind zu tun haben.
Nun gut, dieses Problem ließ sich im vergangen Jahr lösen. (Wer mehr wissen will, frage per Mail)
Noah darf also am gemeinsamen Unterricht in der nahe gelegenen Schule teilnehmen. Aber dort hat die Aufsichtsbehörde jetzt entschieden, dass nicht wie vorgesehen vier, sondern nur drei Klassen gebildet werden. Und eben teilte mir die Schulleiterin am Rande der Elternveranstaltung mit, man werden - wenn es bei drei Klassen bleibt - die Kinder mit Förderbedarf zunächst mal "zur Probe" aufnehmen um zu sehen, ob sie mit der großen Klasse überhaupt zurecht kommen.
Kann eigentlich im Zusammenhang mit Schule mal irgendwas normal und unproblematisch laufen? Warum muss man für alles kämpfen. Wann hören die Sorgen auf, die mit dem unberechenbaren System Schule zu tun haben.
Inklusive Bildung im Primar- und Sekundarbereich ist nach der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein Grundrecht.
Warum müssen Eltern eigentlich immer wieder voller Sorge darum bangen und kämpfen, dass ihren Kindern die Wahrnehmung dieses Grundrechts ermöglicht wird.
Ich will einfach nicht, dass mein Kind in eine Sonderschule muss.
Aber Entscheidungsträger halten noch immer viel zu häufig Sonderschulen für eine geeignete Option für Kinder mit Behinderungen. Und bei der Bewertung des "optimalen Förderortes" wird diesen Schulen immer noch sehr selbstverständlich ein hoher Rang eingeräumt, auch wenn sich Eltern und Experten heute eigentlich einig sind, dass eine inklusive Schule für fast alle Kinder der beste Förderort wäre.
Ich gebe gern zu, ich habe selbst ein Schultrauma. Meine eigene Schulzeit verlief alles andere als glücklich, bis ich irgendwann auf einer Schule gelandet bin, die zu mir passte (eine Gesamtschule, wen wundert es?)
Ich will für mein Kind eine unproblematischere Schulkarriere, in der er nicht in Sondereinrichtungen ausgegrenzt wird. Aber die ist für Kinder mit Behinderung in Deutschland scheinbar alles andere als selbstverständlich.
Ach übrigens: mir ist schon klar, dass man Sonderschulen heute Förderschulen nennt.