17.06.2008

Socialcamp in Berlin

Am Wochenende war ich beim Socialcamp in Berlin und ich muss sagen, es hat mich ziemlich begeistert.

Socialcamp Ich habe ja schon darüber berichtet Beim Socialcamp handelte es sich um eine Veranstaltung im Stil eines BarCamps. Zur Erklärung: bei einem BarCamp gibt es keine feste Tagesordnung oder Rednerliste, sondern das Programm wird von den Beteiligten spontan nach den anliegenden Bedürfnissen festgelegt. Jeder und jede kann somit zum Referenten oder zum Teilnehmer werden. Einige Session sind vorbereitet, andere ergeben sich ganz spontan während des BarCamps.

Für mich war es das erste Mal, dass ich an einem BarCamp teilgenommen habe. Ich hatte von BarCamps und von OpenSpace gehört und kenne auch andere selbstbestimmte Methoden von Gruppeninteraktion. Aber es war dann doch eine ganz besondere Form, die ich in dieser Art noch nicht erlebt hatte.

Ich habe selten bei Veranstaltungen eine so kreative und freundliche Arbeitsatmosphäre erlebt. Dafür ist sicher auch die hervorragende Location im SelfHub in Kreuzberg verantwortlich, die sich für so ein Barcamp ganz besonders eignet. Und auch das Team, das das Camp vorbereitet hat, hat ganze Arbeit geleistet.

Und nicht zuletzt haben die Menschen, die teilgenommen haben, sich sehr kreativ eingebracht.

Inhaltlich ging es um die Frage der Nutzung von Web2.0 durch NGOs. Vertreter dieser Organisationen wie auch Internetaktivisten, Macher von Social Communities und Geeeks saßen zwei Tagen zusammen und tauschten sich darüber aus, wie das Internet und vor allem die neuen Möglichkeiten für die oft nicht so webaffinen NGOs zu nutzen seien.

Wie ich gelernt habe, spielen die folgenden Aspekte dabei eine wichtige Rolle:

  • NGOs stehen, je größer sie sind, häufig in Konkurrenz zueinander, vor allem, wenn es um Adressen und Spender geht. Das kann hinderlich bei der Zusammenarbeit sein.
  • Versuche von NGOs, eigene Communities im Rahmen ihres Internetauftrittes zu schaffen, sind selten erfolgreich. Die Zahl der InteressentInnen bleibt gering. NGOs tun sich grundsätzlich schwer damit, User-Generated Content ungefiltert zuzulassen, was aber ein wesentliches Erfolgskriterium für funktionierende Web2.0-Angebote ist.
  • Die Landschaft der Social-Communities wird größer. Auch hier entsteht Konkurrenz.
  • NGOs, die die Schwarmeffekte der Communities nutzen wollen, müssen entweder auf vielen Plattformen aktiv sein, oder eine Auswahl treffen. In jedem Fall ist eine solche Aktivität mit hohem Aufwand verbunden, der häufig nicht zu leisten ist.
  • Es sind dringend Schnittstellen erforderlich, die es ermöglichen, über mehrere Netzwerke hinweg aktiv zu sein. Der heutige Zustand, auf jeder Plattform mit eigenem Profil angemeldet sein zu müssen, und in diesen jeweils eigene (und teilweise die gleichen) Beziehungsstrukturen (Freunde) aufbauen zu müssen, ist wenig effektiv. Spannende Entwicklungen in diesem Zusammenhang sind der Globale Partizipations Feed von OneAim.org und auch die plattformübergreifende API OpenSocial
  • Sozial Communities und NGOs haben jeweils andere Schwerpunkte. NGOs haben eine oft umfangreiches Wissen, der Schwerpunkt von Social Communities liegt eher im Bereich Kommunikation und Vernetzung.

Web 2.0 ist in der Entwicklung. Versuche, das Web 2.0 für die Arbeit von NGOs zu nutzen, sind in oft noch Experimente. Das liegt in der Natur des sich entwickelnden Netzes.

Ich denke, niemand kennt Lösungen, die auf alle anstehenden Fragen passen. Aber die Veranstaltung war ein Ansatz, der in die richtige Richtung weist. Sie war ein Anfang, und so wurden auch bereits Nachtreffen geplant. Auch über ein Socialcamp 2009 wurde schon geredet.

Mir hat es viele nette und interessante Kontakte vermittelt und vielleicht lässt sich ja auch hier im Ruhrgebiet ein Prozess initiieren, der die Anfänge auf dem Socialcamp fortsetzt. (Endlich habe ich mal kapiert wtf immer alle so toll am Geotagging finden, hier wäre es nämlich wirklich mal nützlich)

Weitere Berichte zum SocialCamp finden sich hier

Kommentare

1. InaMS schrieb am 19.07.2008:

#

Hallo, :-)
es war auch für mich das erste BarCamp-Feeling. Die "wichtigen Aspekte", die Du in deinem Beitrag nennst, sehe ich ähnlich. Wichtig finde ich, dass wir die vielen kleinen Einzel-Aktionen nicht unterschätzen, gut vernetzt können sie dennoch viel bewirken. Ich glaube, es kommt was in Gang.
Viele Grüße
Ina.

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