15.05.2009

»Eingewiesen wie in eine Anstalt«

Interview mit Hans Wocken

Ich bin gerade auf ein Interview mit dem Hamburger Lernbehindertenpädagogen Prof. Dr. Hans Wocken in der Frankfurter Rundschau aufmerksam geworden.

Kürzlich habe ich ja seinen Vortrag vom Fachtag des NRW-Bündnisses Eine Schule für Alle hier veröffentlicht.

Hans Wocken setzt sich für die Abschaffung der Sonderschulpflicht und für ein verbindliches Wahlrecht der Eltern beim Schulbesuch ihrer Kinder ein. Die derzeitige Situation sieht er trotz der Ratifizierung der UN-Konvention kritisch

Erstens müssen Eltern ein wirklich verbindliches Wahlrecht bekommen. Sie und nicht irgendeine Expertenkommission, wie jetzt in Baden-Württemberg geplant, sollen entscheiden, wo ihr Kind unterrichtet wird. Zweitens müssen die Bundesländer dann auch die Ressourcen für den gemeinsamen Unterricht zusichern. Es darf nicht sein, dass Eltern für ihr behindertes Kind zwar die allgemeine Schule wählen können, es dann aber keine Unterstützung durch Sonderpädagogen gibt.
[...]
Zwar wird in dieser Frage seit der Ratifizierung der UN-Konvention, die das gemeinsame Lernen von behinderten und nichtbehinderten Kindern vorsieht, in vielen Kultusministerien herumgedruckst und die Realität verharmlost und beschönigt. Aber Fakt ist: Kinder werden in Sonderschulen eingewiesen wie in eine Anstalt. Da gibt es einen förmlichen Beschluss einer Behörde, der den Eltern sagt: Ihr Kind hat sonderpädagogischen Förderbedarf und muss deshalb die Sonderschule besuchen. Das gilt in allen Bundesländern: Sonderschule ist nicht freiwillig, sondern Pflicht!

Unnötig zu betonen, dass er mir damit aus der Seele spricht.

Kommentare

Keine Kommentare

Feld Wert

* Pflichtfelder
Erlaubte Zeichen: a-z A-Z 0-9 ä ö ü ß è é ç . , ; ~ - _ : ? ! ' ( ) % § @ " # + /
Kommentarlänge max. 4000 Zeichen
Homepage mit http:// beginnen
Urls werden erst nach Freischaltung verlinkt.


Tags

Alle Tags

Impressum

RSS

Creative Commons License

Blogroll

Archiv

555 Einträge