12.05.2009

Und morgen verbieten sie Völkerball

Gerade lese ich, dass die Koalition und allen voran Herr Wiefelspütz planen, im Rahmen der Verschärfung des Waffenrechtes Paintball zu verbieten.

Mir ist völlig unbegreiflich, wie man auf die Idee kommen kann, ein Mannschaftsspiel, bei dem das Ziel ist, möglichst viele Mitglieder der gegnerischen Mannschaft mit Farbkugeln zu markieren, verbieten zu müssen, weil dazu Geräte verwendet werden, die Waffen ähneln.

Ich habe noch nie Paintball gespielt, bin mir aber ziemlich sicher, dass durch ein solches Spiel die Gewaltbereitschaft normaler Spieler nicht steigt. Im Gegenteil.

Paintball-Waffen sind keine echten Waffen, sie dienen nur zur Markierung des Mitspielers und nicht dazu, ihn zu verletzen. Damit lassen sie sich wohl eher mit Wasserpistolen vergleichen, allerdings auf einem deutlich höherem technischen Level. (Auf eine möglicherweise bestehende Verletzungsgefahr will ich nicht eingehen, sie spielt bei den Gründen für das Verbot auch keine Rolle.)

Wird man demnächst auf die Idee kommen, unseren Kindern die Wasserpistole zu verbieten, weil die Hemmschwelle sinkt, mit Waffen auf Menschen zu schießen?

Gewaltbereitschaft und die psychische Disposition zu Gewalttaten bis hin zu Amokläufen stehen meiner Meinung nach nicht im kausalen Zusammenhang mit Spielen oder Spielzeug. Was letztlich die Ursache für solche Taten ist, dazu habe ich noch keine schlüssiger Erklärung gehört, sicher ist aber wohl, dass dabei ein Bündel familiärer, sozialer und oft auch schulischer Problemfelder eine Rolle spielen.

Computerspiele mit hohem Gewaltanteil mögen im Zusammenhang mit diesen Problemfeldern und bei Personen mit einer entsprechenden Persönlichkeitsstruktur Gewaltbereitschaft fördern, sie dürfen aber nicht als Ursache verstanden werden und es ist auch eindeutig falsch, Spielern solcher Spiele grundsätzlich einen höheres Gewaltpotential oder mangelndes Unterscheidungsvermögen zwischen Realität und Spielwelt zu unterstellen.

Ich bin mir sicher, dass das ausgrenzende gegliederte Schulsystem in Deutschland eine größere ursächliche Bedeutung für Amokläufe und die Eskalation von Gewalt hat, als die so oft verteufelten Computerspiele mit gewalttätigen Inhalten, ganz zu schweigen von einem Spiel wie Paintball.

Mit der Forderung nach Verboten immer wieder den Eindruck zu erwecken, diese Spiele seien ursächlich für die Eskalation der Gewalt, halte ich deshalb für eine unzulässige Reduktion und auch für eine Ablenkung von wesentlich bedeutsameren Tätigkeitsfeldern.

Warum schreibe ich das? Ich bin Pazifist und Kriegsdienstverweigerer, habe weder eigene Erfahrungen mit Paintball noch habe ich je ein Computerspiel gespielt, das mehr Gewalt beinhaltete als ein Bejamin-Blümchen-Film.

Aber ich lehne es ab, wenn Politiker in blindem Aktionismus mit irgendwelchen Maßnahmen völlig unnötig Freiheiten einschränken, nur um sich nicht nachsagen lassen zu müssen, sie hätten nichts getan.

Es läßt sich eben viel einfacher nach dem Verbot solcher Spiele rufen, als eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den soziale Folgen von Armut unter den Rahmenbedingungen von Harz IV und den seelischen Verletzungenen durch Abschulung von Kindern und Jugendlichen zu führen, die den Leistungsanforderungen unserer Schulen nicht mehr gewachsen sind.

Aber genau diese Auseinandersetzung halte ich für erforderlich.


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