Mitmachkonferenz des NRW-Bündnis Eine Schule für alle
Am 13. und 14.11. veranstalte wir vom NRW-Bündnis Eine Schule für alle in Essen eine Konferenz, die in Form einer Unkonferenz oder eines Barcamps stattfinden soll. Die Idee ist übrigens von mir.
Ich habe mit den beiden Socialcamps an zwei vergleichbaren Veranstaltungen teilgenommen und habe diese Form als sehr effektiv und kreativ erlebt. In der Elternbewegung und im NRW-Bündnis sind aber völlig andere Leute mit anderem Hintergrund. Ich bin wirklich mal gespannt, wie sich eine solche Veranstaltung dort realisieren läßt.
Konferenzen und Tagungen der Bündnispartner waren bisher immer gut organisiert und hatten kompetente Referenten.
Aber mich hat auch immer irgendwie gestört, dass über neues Lernen und über die Defizite des derzeitigen Schul- und Bildungssystems in Form von Frontalunterricht geredet wurde.
Eine Unkonferenz ist eine kooperative Mitmachveranstaltung. Bei der Unkonferenz gibt es keine vorgegebene Tagesordnung und keine Referentenliste. Jeder Teilnehmern kann auch Referent werden, kann Vorträge halten oder Themen präsentieren. Die Tagesplanung wird zu Beginn jeden Tages von den Teilnehmern gemeinsam aufgestellt. Die Themen werden in Gruppen bearbeitet.
Wir erhoffen uns von der Veranstaltung vor allem neue Impulse und neue Gesprächspartner.
Ich denke, diese Tagungsform ist ein guter Beitrag zur Kommunikation und Vernetzung zwichen den Unterstützern.
Jeder, der Interesse hat, ist herzlich eingeladen, teilzunehmen. Teilnahmebeitrag 30 €, ermäßigt 10 €. Anmeldung unter http://www.nrw-eineschule.de/unkonferenz2010
Übrigens: Die Lebenshilfe in Baden Würtemberg hat eine ähnliche Veranstaltung zum Thema Inklusion auch schon einmal durchgeführt. Die Veranstalter berichteten am Telefon sehr positiv davon. http://www.bridge-lebenshilfe.de/kongress/ .
Am Wochenende war ich beim Socialcamp in Berlin und ich muss sagen, es hat mich ziemlich begeistert.
Ich habe ja schon darüber berichtet Beim Socialcamp handelte es sich um eine Veranstaltung
im Stil eines BarCamps. Zur Erklärung:
bei einem BarCamp gibt es keine feste Tagesordnung oder Rednerliste, sondern
das Programm wird von den Beteiligten spontan nach den anliegenden Bedürfnissen
festgelegt. Jeder und jede kann somit zum Referenten oder zum Teilnehmer
werden. Einige Session sind vorbereitet, andere ergeben sich ganz spontan
während des BarCamps.
Für mich war es das erste Mal, dass ich an einem BarCamp teilgenommen
habe. Ich hatte von BarCamps und von OpenSpace gehört und kenne auch
andere selbstbestimmte Methoden von Gruppeninteraktion. Aber es war
dann doch eine ganz besondere Form, die ich in dieser Art noch nicht
erlebt hatte.
Ich habe selten bei Veranstaltungen eine so kreative und freundliche
Arbeitsatmosphäre erlebt. Dafür ist sicher auch die hervorragende Location im
SelfHub in Kreuzberg
verantwortlich, die sich für so ein Barcamp ganz besonders eignet. Und auch das
Team, das das Camp vorbereitet hat, hat ganze Arbeit geleistet.
Und nicht zuletzt haben die Menschen, die teilgenommen haben,
sich sehr kreativ eingebracht.
Inhaltlich ging es um die Frage der Nutzung von Web2.0 durch NGOs.
Vertreter dieser Organisationen wie auch Internetaktivisten, Macher
von Social Communities und Geeeks saßen zwei Tagen zusammen und
tauschten sich darüber aus, wie das Internet und vor allem die neuen
Möglichkeiten für die oft nicht so webaffinen NGOs zu nutzen seien.
Wie ich gelernt habe, spielen die folgenden Aspekte dabei eine
wichtige Rolle:
- NGOs stehen, je größer sie sind, häufig in Konkurrenz zueinander,
vor allem, wenn es um Adressen und Spender geht. Das kann hinderlich
bei der Zusammenarbeit sein.
- Versuche von NGOs, eigene Communities im Rahmen ihres
Internetauftrittes zu schaffen, sind selten erfolgreich. Die
Zahl der InteressentInnen bleibt gering. NGOs tun sich
grundsätzlich schwer damit, User-Generated Content ungefiltert
zuzulassen, was aber ein wesentliches Erfolgskriterium für
funktionierende Web2.0-Angebote ist.
- Die Landschaft der Social-Communities wird größer. Auch hier
entsteht Konkurrenz.
- NGOs, die die Schwarmeffekte der Communities nutzen wollen, müssen
entweder auf vielen Plattformen aktiv sein, oder eine Auswahl
treffen. In jedem Fall ist eine solche Aktivität mit hohem Aufwand
verbunden, der häufig nicht zu leisten ist.
- Es sind dringend Schnittstellen erforderlich, die es ermöglichen,
über mehrere Netzwerke hinweg aktiv zu sein. Der heutige Zustand,
auf jeder Plattform mit eigenem Profil angemeldet sein zu müssen,
und in diesen jeweils eigene (und teilweise die gleichen)
Beziehungsstrukturen (Freunde) aufbauen zu müssen, ist wenig
effektiv. Spannende Entwicklungen in diesem Zusammenhang sind der Globale Partizipations Feed von OneAim.org und auch die plattformübergreifende API OpenSocial
- Sozial Communities und NGOs haben jeweils andere Schwerpunkte.
NGOs haben eine oft umfangreiches Wissen, der Schwerpunkt von Social
Communities liegt eher im Bereich Kommunikation und Vernetzung.
Web 2.0 ist in der Entwicklung. Versuche, das Web 2.0 für die Arbeit
von NGOs zu nutzen, sind in oft noch Experimente. Das liegt in der Natur
des sich entwickelnden Netzes.
Ich denke, niemand kennt Lösungen, die auf alle anstehenden Fragen passen.
Aber die Veranstaltung war ein Ansatz, der in die richtige Richtung
weist. Sie war ein Anfang, und so wurden auch bereits Nachtreffen
geplant. Auch über ein Socialcamp 2009 wurde schon geredet.
Mir hat es viele nette und interessante Kontakte vermittelt und
vielleicht lässt sich ja auch hier im Ruhrgebiet ein Prozess
initiieren, der die Anfänge auf dem Socialcamp fortsetzt. (Endlich
habe ich mal kapiert wtf immer alle so toll am Geotagging finden, hier
wäre es nämlich wirklich mal nützlich)
Weitere Berichte zum SocialCamp finden sich
hier