Elternvereine enttäuscht über grüne Schulpolitik in NRW
Anlässlich des bevorstehenden Parteitags der NRW-Grünen am kommenden Wochenende fordern die Elternvereine „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen“ die Partei auf, in Sachen Inklusion endlich Farbe zu bekennen.
„Obwohl die Landesregierung nun schon seit einem dreiviertel Jahr im Amt ist, liegt noch nicht einmal ein Gesetzentwurf vor, um Kindern mit Behinderung einen individuellen Rechtsanspruch auf gemeinsames Lernen zu sichern“, bemängelt Bernd Kochanek, Vorsitzender der LAG Gemeinsam leben – gemeinsam lernen. Immer noch müssen Eltern, die für ihr behindertes Kind die Integration wollen, um einen Platz an der Regelschule kämpfen – und darum, dass ihr Kind an der Regelschule auch die Förderung bekommt, die es braucht. Dabei sind sie weiterhin den Ermessensentscheidungen von Behörden und Schulleitern vor Ort ausgeliefert.
Insgesamt sind die Eltern enttäuscht von einer grünen Schulpolitik, die vor der Landtagswahl eine konsequente und zügige Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention versprochen hat, und den Aufbau eines inklusiven Bildungssystems jetzt in der Regierung so zögerlich angeht. Und das, obwohl schon seit Dezember ein gemeinsamer Beschluss aller Landtagsfraktionen vorliegt, der die Regierung zum Handelns auffordert.
Presseinformation von Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen Dorsten vom 16.02.2011
Nachdem der Vorsitzende der Dorstener FDP, Thomas Boos, auf dem Parteitag am vergangenen Samstag verlauten ließ, die "Integrierung Behinderter" sei "kein Pflicht, sondern nur eine Möglichkeit" (Papier-Version Dorstener Zeitung vom. 14.02.2011), konnte man am folgenden Tag schon etwas versöhnlichere Töne vernehmen, nachdem ihm offenbar vorgeworfen wurde, er gehe auf Distanz zu Bürgermeister Lütkenhorst.
"Wir sind natürlich der Meinung, dass jede Familie ein Recht auf Inklusion hat" sagte Thomas Boos der Dorstener Zeitung (Papier-Version vom. 15.02.2011). Er äußerte aber die Sorge, dass das Förderschulsystem zerschlagen werden könnte oder dass Eltern verpflichtet würden, ihre Kinder in inklusive Schulen zu schicken.
Schon bedrohlich, dieses Menschenrecht auf Inklusion.
Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen Dorsten hat zu der von Thomas Boos ins Gespräch gebrachten Frage, ob Inklusion nur eine Möglichkeit sei, gestern die folgende Presseinformation veröffentlicht.
Das klare Bekenntnis von Bürgermeister Lütkenhorst zum Ziel eines inklusiven Schulsystems haben Eltern behinderter Kinder bei der städtischen Veranstaltung am 10.02. aufmerksam zur Kenntnis genommen.
"Wir dürfen nicht zulassen, dass dieses Ziel jetzt zerredet und die Rechte unserer Kinder wieder relativiert werden." sagt Michael Baumeister von der Elterninitiative Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen. "Aus der UN-Konvention ergibt sich eindeutig das Recht behinderter Kinder auf diskriminierungsfreien Zugang zur inklusiven Schule und angemessene Vorkehrungen. Die Vertragsstaaten sind verpflichtet, Kindern mit Behinderungen den Zugang zu einem inklusiven, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen zu ermöglichen. Das ist mehr als nur eine Möglichkeit. Inklusion ist ein Menschenrecht."
Mitmachkonferenz des NRW-Bündnis Eine Schule für alle
Am 13. und 14.11. veranstalte wir vom NRW-Bündnis Eine Schule für alle in Essen eine Konferenz, die in Form einer Unkonferenz oder eines Barcamps stattfinden soll. Die Idee ist übrigens von mir.
Ich habe mit den beiden Socialcamps an zwei vergleichbaren Veranstaltungen teilgenommen und habe diese Form als sehr effektiv und kreativ erlebt. In der Elternbewegung und im NRW-Bündnis sind aber völlig andere Leute mit anderem Hintergrund. Ich bin wirklich mal gespannt, wie sich eine solche Veranstaltung dort realisieren läßt.
Konferenzen und Tagungen der Bündnispartner waren bisher immer gut organisiert und hatten kompetente Referenten.
Aber mich hat auch immer irgendwie gestört, dass über neues Lernen und über die Defizite des derzeitigen Schul- und Bildungssystems in Form von Frontalunterricht geredet wurde.
Eine Unkonferenz ist eine kooperative Mitmachveranstaltung. Bei der Unkonferenz gibt es keine vorgegebene Tagesordnung und keine Referentenliste. Jeder Teilnehmern kann auch Referent werden, kann Vorträge halten oder Themen präsentieren. Die Tagesplanung wird zu Beginn jeden Tages von den Teilnehmern gemeinsam aufgestellt. Die Themen werden in Gruppen bearbeitet.
Wir erhoffen uns von der Veranstaltung vor allem neue Impulse und neue Gesprächspartner.
Ich denke, diese Tagungsform ist ein guter Beitrag zur Kommunikation und Vernetzung zwichen den Unterstützern.
Übrigens: Die Lebenshilfe in Baden Würtemberg hat eine ähnliche Veranstaltung zum Thema Inklusion auch schon einmal durchgeführt. Die Veranstalter berichteten am Telefon sehr positiv davon. http://www.bridge-lebenshilfe.de/kongress/ .
Auch wenn ich inzwischen nicht nur in diesem Blog Texte veröffentliche, versuche ich wenigstens die Texte, an denen ich maßgeblich beteiligt bin, auch hier einzustellen:
Auf dem Weg zur Inklusiven Schule
Presseinformation 25.05.2010
Elterninitiative lädt zu einem Vortrag über die Rechte von Kindern mit Behinderung ein.
Seit dem 26.03.2009 ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung in Deutschland geltendes Recht. Vor allem die Schulen stellt die UN-Konvention vor große Herausforderungen, denn sie fordert für alle Kinder mit Behinderung den diskriminierungsfreien Zugang zu einem hochwertigen, inklusiven Bildungssystem.
In NRW besuchen 85% aller Kinder mit Behinderungen besondere Förderschulen. In Zukunft sollen behinderte Kinder im Normalfall gemeinsam mit anderen Kindern in der Regelschule lernen, so wie in den meisten anderen Ländern in Europa auch. Damit das funktioniert, verlangt die UN-Konvention wirksame, individuell angepasste Unterstützungsmaßnahmen für alle Kinder.
In Dorsten befasst sich zur Zeit eine Arbeitsgruppe des Schulausschusses damit, einen neuen Schulentwicklungsplan für die Grundschulen zu erstellen. Danach will man sich in einem weiteren Schritt den Förderschulen widmen. Die Dorstener Elterninitiative Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen fordert dagegen, dass die UN-Konvention bei den Planungen selbstverständlich berücksichtigt werden muß.
Die soll nach dem Willen der Verwaltung allerdings zur Zeit keine Rolle spielen.
Gerade ist der dritte Kinospot für "Eine Schule für alle" erschienen. Eine Kooperation der Kunsthochschule für Medien Köln, dem Verein mittendrin e.V und Eitelsonnenschein. Regie: Florian Michaelsen & Isabel Prahl
Streitgespräch zwischen Thomas Stöppler und Ulf Preuss-Lausitz in der Zeit
Die Vereinten Nationen garantieren behinderten Kindern die freie Wahl ihrer Schule. Profitieren sie von mehr Normalität, oder brauchen sie besonderen Schutz?
Ein Streitgespräch zwischen Thomas Stöppler und Ulf Preuss-Lausitz.
Thomas Stöppler leitete eine Sonderschule und ist Vorsitzender des Verbandes Sonderpädagogik e.V. in Baden-Württemberg.Ulf Preuss-Lausitz ist Professor für Erziehungswissenschaft und Sprecher des Arbeitskreises Gemeinsame Erziehung in Berlin.
Kinospot für "Eine Schule für Alle.". Zweiter von drei Spots! Eine Kooperation der Kunsthochschule für Medien Köln und dem Verein mittendrin e.V., Regie: Lyoudmila Milanova
Prof. Riedels Gutachten sollte klären, in wie weit subjektive Rechte von Kindern aus der UN-Behindertenrechtskonvention abgeleitet werden können.
Das Ergebnis ist aus meiner Sicht mehr als erfreulich:
Behinderte Kinder haben ab sofort das Recht, gemeinsam mit nicht behinderten Kindern eine allgemeine Schule zu besuchen. Nach der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) gilt dieser Anspruch für das einzelne Kind unabhängig von anders lautenden Schulgesetzen. Zudem müssen Bund und Länder zügig inklusive Bildung verwirklichen und dafür auch Qualitätsmaßstäbe festlegen.
(Presseerklärung GLGL-LAG NRW)
Ein Ergebnis, mit dem wir vermutlich einen großen Schritt weiter kommen, denn noch immer gehen viele Verantwortliche in Politik und Schulverwaltung davon aus, dass die UN-Konvention kein unmittelbares Recht für die Kinder begründet und die Länder sich durchaus Zeit lassen dürfen. Nachdem Prof. Hans Wocken im März im Landtag die benötigte Zeit zur vollständigen Umsetzung der Inklusion auf 10-Jahre schätzte, hat sich Schulministerin Sommer auf diese 10 Jahre eingeschossen und bringt sie seither bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ins Spiel, wobei die 10 Jahre aus ihrer Sicht wohl noch nicht einmal begonnen haben. Die "Wocken-Dekade" wird jetzt allerdings deutlich kürzer ausfallen müssen; Riedel hält zwei bis vier Jahre für eine vernünftige Frist, die allerdings den Länder für den Umbau des Schulsystem zu setzen ist. Das Recht für die Kinder, am gemeinsamen Unterricht teilzunehmen, gilt sofort.
Kinospot für "Eine Schule für Alle.". Erster von drei Spots! Eine Kooperation der Kunsthochschule für Medien Köln und dem Verein mittendrin e.V., Regie: Arved Lindau und Sarah Winkenstette
Mit dem Kindeswohl lässt sich die Beibehaltung des bestehenden Förderschulsystems nicht begünden.
Ich habe kürzlich hier auf die Position des NRW-Bündnisses "Eine Schule für alle" hingewiesen, dass mit der UN-Konvention die Diskussion beendet ist, ob Kinder mit Behinderungen besser in Förderschulen oder besser im allgemeinen Schulsystem lernen. Nach der Ratifizierung stellt sich diese Frage nicht mehr, denn die UN-Konvention gewährt Kindern das Recht auf Teilhabe an einem Inklusiven Schulsystem. Da kann es nur noch um das "Wie", nicht mehr um das "Ob" gehen.
In der Diskussion wird aber immer wieder gern auf Art. 7, Abs 2 der UN-Behindertenrechtskonvention (PDF) verwiesen, nach dem bei allen Maßnahmen, die Kinder mit Behinderungen betreffen, [...] das Wohl des
Kindes ein Gesichtspunkt (ist), der vorrangig zu berücksichtigen ist. so dem Vernehmen nach auch wieder bei der Diskussion im Schulausschuss des NRW-Landtags am 09.12.2009. Der Einwand lautet, neue wissenschaftliche Erkenntnisse könnten es doch notwendig machen, die Inklusion noch mal zu überdenken, wenn das Ergebnis sei, dass Kinder in Förderschulen vielleicht doch irgendwie besser lernen als im GU. Das will ja die BELLA-Studie herausgefunden haben.
Ich halte diesen Einwand für nicht stichhaltig, denn
das Kindeswohl kann nicht vom Anspruch auf Teilhabe an einem
inklusiven Schulsystem gem. Art 24 BRK getrennt werden.
Zum Kindeswohl gehört ja gerade die gesellschaftliche Teilhabe oder
- um die UN-Kinderrechtskonvention zu zitieren - die "möglichst
vollständige soziale Integration und individuelle Entfaltung des
Kindes einschließlich seiner kulturellen und geistigen Entwicklung"
Keine andere Zielsetzung verfolgt die
UN-Behindertenrechtskonvention, indem sie das Recht auf Teilhabe an
einem inklusiven Schulsystem formuliert. Auf die Frage, in welcher
Schule das Wohl von Kindern mit Behinderung grundsätzlich am
besten umgesetzt wird, kann die allgemeine Antwort dehalb nur
lauten: "In einer inklusiven Schule".
Bei der Ausgestaltung des Schulsystems kann das Kindeswohl also
nicht als Argument gegen Inklusion herangezogen werden. Hier stellt
sich die Frage nach dem "Ob" tatsächlich nicht mehr.
Mit dem Kindeswohl lässt sich die Beibehaltung des bestehenden
Förderschulsystems nicht begünden.
Selbst wenn das Erlernen "arbeitsrelevanter Basiskompetenzen" in
Förderschulen in höheren Klassen besser funktionieren würde, könnte
man wohl kaum argumentieren, das Kindeswohl sei in diesen Schulen
deshalb besser gewährleistet.
Nur im Einzelfall - und nur der ist ja bei der Frage des Kindeswohls
letztlich von Bedeutung - kann eine Abwägung darüber erforderlich
werden, ob das Wohl eines einzelnen Kindes besser gewährleistet ist,
wenn es nicht im allgemeinen Schulsystem lernt.
Aber selbst dabei kann es nicht allein um die Frage gehen, für
welche Schule in Studien die beste Lernleistung prognostiziert wird,
sondern auch bei dieser Abwägung muss dass individuelle Kind mit all
seinen kulturellen und sozialen Bedürfnissen im Mittelpunkt stehen.
Es geht beim Recht auf inklusive Schulbildung um mehr, als um den
Bildungsweg eines Kindes. Die Entscheidung über die Schule ist bei
Kindern mit Behinderung i.d.R. eine Entscheidung über den
Lebensweg. Die Einweisung von Kindern in Förderschulen gegen den
Elternwillen bedeutet einen Eingriff in das in Artikel 6 GG
garantierte Erziehungsrecht der Eltern, der sich sicher nicht allein
mit einzelnen Studien begründen lässt.
Es ist inzwischen auch weitgehend unbestritten, dass die Ausgrenzung
eines Kindes aus dem Allgemeinen Schulsystem gegen das
Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes und der UN-Konvention
verstößt.
Die Latte des Kindeswohls häng also ziemlich hoch. In der Abwägung
der Rechtsgüter kann die Argumentation, arbeitsrelevante
Basiskompetenzen könnten in Förderschulen vielleicht besser gelernt
werden, kaum massgeblich sein.
Die Debatte ist zu Ende, es gibt keinen Grund, dass Fass erneut
aufzumachen!
Offener Brief des NRW-Bündnisses »Eine Schule für Alle« an die Landtags-Fraktionen zur BELLA-Studie
Diesen offen Brief haben wir vom NRW-Bündnis Eine Schule für Alle heute an die Fraktionen im Landtag geschickt
An die Fraktionen der Parteien im
Landtag Nordrhein-Westfalen
z.H. Frau Hannelore Kraft, SPD . Herrn Helmut Stahl, CDU . Herrn Dr. Gerhard Papke, FDP . Frau Sylvia Löhrmann, Bündnis 90/Die GRÜNEN
Als Titelthema im aktuellen Amtsblatt Schule veröffentlichte das NRW-Schulministerium am 15.11.2009 einen Beitrag von Ellen Brodesser, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Humboldt-Universität Berlin, über die sog. BELLA-Studie.
Dabei handelt es sich um eine Erhebung, bei der im Mai 2006 die arbeitsrelevanten Basiskompetenzen von Jugendlichen mit Förderbedarf "Lernen" untersucht wurden. Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass das Lernen in speziellen Förderzentren in den höheren Klassen generell besser funktioniere als bei integrativer Beschulung.
Die genannte Studie ist in sonderpädagogischen Fachkreisen höchst umstritten (vgl.z.B. die Stellungnahme von Prof. Ulf Preuss-Lausitz im Anhang), im Amtsblatt kommen diese kritischen Stimmen jedoch nicht zu Wort.
Die aktuelle Veröffentlichung im Amtsblatt steht im Zusammenhang mit der derzeit intensiv geführten Debatte um die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die der deutsche Bundestag Ende 2008 ratifiziert hat. Nach der UN-Konvention haben alle Kinder, auch die mit Behinderung, das Recht auf Zugang zu einem inklusiven Schulsystem in der Primar- und Sekundarstufe. Mit der Ratifizierung ist dieser Anspruch in Deutschland geltendes Recht geworden. Das Recht auf Inklusion hat also den Charakter eines Menschenrechtes.
Nach unserer Pressemitteilung hat uns letzten Dienstag ein Journalist der WAZ Dorsten besucht. Heute kann man das Ergebniss des Gespräches bereits online lesen, ich gehe mal davon aus, morgen erscheint es auch in der gedruckten WAZ
„Förderschule” klingt eigentlich ganz freundlich. Dass Kinder mit Förderbedarf dorthin sortiert werden, nennen Antje und Michael Baumeister allerdings Ausgrenzung. Unter gleich benachteiligten Kindern aufzuwachsen, behindere die Integration in die Gesellschaft, urteilen sie. „Im Grunde dürfte es dieses ausgrenzende Schulsystem gar nicht geben.” Die Holsterhausener Familie will darum einen Elternkreis in Dorsten gründen, der sich für gemeinsames Lernen aller Kinder einsetzt.
DORSTEN Eine Gruppe von Eltern, deren Kinder aufgrund von Behinderung oder aus anderen Gründen sonderpädagogische Förderung benötigen, will sich in Dorsten verstärkt mit den Themen Inklusion und gemeinsamer Unterricht befassen.
Elterninitiative setzt sich für inklusive Schulbildung in Dorsten ein
Anders als in den meisten Ländern Europas werden Kinder
mit Behinderungen und besonderem Förderbedarf in Deutschland überwiegend in
speziellen Förderschulen unterrichtet, oft gegen den Willen ihrer
Eltern.
Viele Eltern verstehen die Zuweisung zur Förderschule als Ausgrenzung.
Kinder, die von anderen Kinder getrennt unter "ihresgleichen"
aufwachsen, werden in ihrer Integration in die Gesellschaft behindert.
Keine noch so gute Förderung kann das gemeinsame Lernen mit anderen
Kindern ersetzen. Vom gemeinsamen Lernen profitieren zudem auch die
Kinder, die keinen besonderen Förderbedarf haben.
Am Donnerstag, 17.09.2009 um 19:30 Uhr möchten wir uns mit anderen Eltern treffen, um Inklusion in Dorsten voranzutreiben. Die Dorstener Grünen stellen uns netterweise ihren Besprechungsraum im Grünen Büro zur Verfügung.
Hier die Einladung.
Guten Tag,
wir sind Eltern eines 8-jährigen Sohnes mit Down-Syndrom, der zur
Zeit den Gemeinsamen Unterricht der Antonius-Schule besucht.
In den vergangenen Monaten haben wir mit vielen anderen Eltern aus
Dorsten gesprochen, deren Kinder behindert sind oder aus anderen
Gründen sonderpädagogische Förderung brauchen.
Der größte Teil dieser Eltern möchte, dass ihre Kinder die
notwendige Förderung nicht in Förderschulen, sondern im Gemeinsamen
Unterricht mit anderen Kindern erhalten.
Für den Erhalt und die Fortentwicklung des gegliederten, begabungsgerechten Schulsystems in Dorsten. Nur dieses bietet allen Kindern und Jugendlichen die besten Chancen. Die Einrichtung einer weiteren Gesamtschule lehnt die CDU ab. http://www.cdudorsten.de/schule_und_bildung.php Hervorhebung von mir.
Auf mich wirkt das sehr ideologisch. Es geht nicht darum, die Schulen zu unterstützen, die die beste Förderung für unsere Kinder leisten können, sondern es geht vor alle darum, dass das bestehende dreigliedrige Schulsystem nicht in Frage gestellt wird und das bestehende Schulen nicht geschlossen werden, völlig egal wie sinnvoll ihr Erhalt auch ist.
Schon im vergangen Jahr lehnte die Dorstener Junge Union eine weitere Gesamtschule als rot-rot-grüne Einheitsschule ab.
Neulich kam in einem Blogkommentar schon mal die Frage auf, ob die Dorstener Montessori-Schule denn auch eine Gesamtschule werde. Durch einen Leserbrief in der Dorstener Zeitung bin ich heute nochmal darauf aufmerksam geworden und habe bei der Schule nachgefragt.
Von der Schulleitung wurde mir eben bestätigt, dass eine integrative Gesamtschule geplant ist. Die Genehmigung kommt von der Bezirksregierung, die Stadt ist dafür nicht zuständig.
Als Privatschule ist eine Gesamtschule in Dorsten bei den Mehrheitsparteien durchaus akzeptiert, als öffentliche Schule wird sie abgelehnt.
Ich habe nichts gegen die Montessori-Schule, im Gegenteil.
Ich fände es allerdings fatal, wenn Eltern, die in Dorsten qualitativ hochwertigen gemeinsamen Unterricht in der Sekundarstufe für ihre Kinder wollen, diesen über die wenigen integrativen Plätze in Wulfen hinaus nur an einer Privatschule bekommen könnten, mit deren Besuch Kosten verbunden sind.
Das ist ausdrücklich keine Kritik am Montessori-Konzept. Die können ja nichts dafür, wenn die öffentlichen Träger in der Schulpolitik versagen.
Ich sehe die Neugründung einer weiteren öffentlichen Gesamtschule in Dorsten als dringend geboten an.
Ich bin sicher, dass das Recht auf inklusive Schulbildung innerhalb des derzeitigen Schulsystems dort am besten realisiert werden kann. Hauptschulen halte ich für ungeeignet dafür und bei den anderen Schulen fehlt in der Regel die Bereitschaft. Eine echte Alternative sehe ich zur Zeit nicht. Gemeinsamer Unterricht an einem Gymnasium wäre vielleicht noch eine Option.
Ich warte übrigens noch auf die Antworten der Parteien auf meine Fragen vom 24.06.. Die Linkspartei hat inzwischen geantwortet. Von Bürgermeister Lütkenhost habe ich eine Eingangsbestätigung und den Hinweis erhalten, er werde Mitte Juli antworten. Von SPD, FDP und Grünen habe ich noch nichts gehört.
Brigitte Schumann, die ich durch das NRW-Bündniss Eine Schule für alle kenne, hat mir heute diesen interessanten Text geschickt.
Das Copyright für diesen Artikel liegt bei Brigitte Schumann. Die CC-Lizenz, die ansonsten für meine Beiträge gilt, findet hier also keine Anwendung.
Trotzdem darf natürlich zitiert und verlinkt werden.
Der Realschullehrerverband und seine ideologische Aufrüstung zum Erhalt des gegliederten Schulsystems
Die sich zuspitzende Hauptschulkrise, die schlechten PISA- Ergebnisse, das skandalöse Ausmaß der Bildungsungerechtigkeit und die kommunalen Nöte, ein attraktives, wohnortnahes Schulangebot aufrechtzuerhalten, haben die deutsche Schulphilosophie gehörig ins Wanken gebracht. Der unverrückbare Glaube an die leistungs- und begabungsgerechte Dreigliedrigkeit mit dem Gymnasium, der Realschule und der Hauptschule als eigenständige Schulformen findet immer weniger Anhänger.
Konkret schlägt sich das nieder in schulstrukturellen Veränderungen, die von einzelnen Bundesländern schon in Angriff genommen worden sind oder geplant werden. Dabei zeigt sich eine deutliche Präferenz für die Reduktion der Gliedrigkeit durch eine Zusammenführung der Hauptschule mit der Realschule und ggf. mit der Gesamtschule.
Das Sitzungsprotokoll der öffentlichen Anhörung »Die Regelschule ist der erste Förderort« ist online
Zum Nachlesen: Der Landtag NRW hat jetzt auf seiner Homepage das Protokoll der öffentlichen Anhörung zum Thema »Die Regelschule ist der erste Förderort - Gemeinsamen Unterricht gewährleisten« vom 20. Mai 2009 online gestellt (PDF).
Wer nicht alles lesen will, dem seien die Redebeiträge von Eva-Maria Thoms, Bernd Kochanek und Prof. Hans Wocken (Seite. 11 - 34) empfohlen, aber die Auswahl ist natürlich einseitig.
Warum ein Elternwahlrecht das Bildungssystem auf den Kopf stellen würde und warum es trotzdem notwendig ist
Die Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit
Behinderung hat der Debatte um den gemeinsamen Unterricht von Kindern
mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf neuen Schwung gegeben,
gleichzeitig wird aber immer deutlicher, dass die Umsetzung nicht
einfach mit einem geringfügigen Ausbau des gemeinsamen Unterrichts
getan ist.
Inklusive Schule
Die Konvention fordert ein inklusives Schulsystem und nicht umsonst
mauern konservative Bildungspolitker, ist doch inzwischen klar
geworden, dass die konsequente Umsetzung von Inklusion gleichbedeutend
mit der Auflösung des differenzierenden Schulsystems wäre.
Nicht ohne Grund sind die Reaktionen auf den
Bericht über das deutsche
Schulsystem von Vernor Muñoz, dem UN-Sonderbeauftragten für das Recht
auf Bildung so scharf,
ja teilweise diffamierend.
Im Gegensatz zu einer integrativen Schule, die Kinder eingliedert, die normalerweise aus den gesellschaftlichen Zusammenhängen ausgegrenzt sind und für die eigentlich der
Unterricht in Sondereinrichtungen vorgesehen ist, beschreibt Inklusion ein Schulsystem, in dem
Kinder mit Behinderung selbstverständlich in die örtliche Regelschule gehen, ohne Antrag,
ohne pädagogische Begutachtung und ohne Mittelvorbehalt. Ein Inklusives Schulsystem braucht kein Elternwahlrecht, weil keine Ausggrenzung in Sonderschulen erfolgt.
Der UN-Sonderberichterstatter für Das Menschenrecht auf Bildung, Vernor Munoz, hat sich erneut sehr kritisch über den Umgang mit behinderten Schülern in Deutschland geäußert. Munoz sagte der taz, "das Menschenrecht auf Bildung ist nicht für den Mond gemacht!"
[...]
Der Jurist und Menschenrechtsbeauftragte Munoz mahnte in einem Gespräch am Rande seines Besuchs in Oldenburg grundlegende Veränderungen der deutschen Schule an. "Mit dem Schulsystem kann es so nicht weiter gehen. Man kann nicht sagen, wir machen inklusive Schule - und ändert aber gar nichts", sagte Munoz.
Eben kam ein interessanter Hinweis über den Verteiler des NRW-Bündnisse Eine Schule für Alle:
Die Montessori-Gesamtschule Borken und Gemeinsam leben gemeinsam lernen Südlohn laden ein, zum Vortrag und Werkstattgespräch mit dem Pädagogen Otto Herz, am 25.06. in der Montessori-Gesamtschule, 46325 Borken, Röwekamp 14.
Die UN-Behindertenrechtskonvention gilt seit Beginn des Jahres auch in
Deutschland. Die Möglichkeit der Teilnahme aller Kinder am Unterricht in Regelschulen ist nun geltendes Völkerrecht.
Was bieten inklusive Schulen?
Wie profitieren alle Schüler von einer inklusiven Schule?
Wie kann Inklusion die Schule verändern?
Wie kann Inklusion in Schulen umgesetzt werden?
Was hindert Schulen daran, inklusive Schulen zu werden?
Ich habe Otto Herz schon mal bei einer anderen Veranstaltung gehört. Es lohnt sich auf jeden Fall, hin zu gehen.
Zur Zeit ist der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Prof. Dr. Vernor Muñoz, zu Besuch in Deutschland. 2006 hatte Muñoz mit seinem Bericht die Ausgrenzung und die Abschottung behinderter Kinder von den Regelschulen scharf kritisiert.
Die Taz hat ihn interviewt und das Gespräch mit ihm ist wirklich lesenswert.
Behinderte Kinder und ihre Eltern müssen frei wählen können, ob sie auf einer Regelschule oder auf einer Sonderschule lernen wollen.
[...]
Die ganze Schulumwelt muss sich verändern. Es geht um Fragen der Infrastruktur der Schulen. Es geht um eine Lehrerbildung, die behinderte Kinder mit einschließt, genau wie alle Aspekte der Pädagogik. Um der Konvention wirklich gerecht zu werden, braucht man zum Beispiel mehr Ressourcen und Helfer, damit die benachteiligten Schüler gleichberechtigt an der Regelschule teilhaben zu können. Es müssen auch alle Barrieren wegfallen, die den Zugang für Schüler mit körperlichen Behinderungen erschweren.
Vernor Muñoz wird am Sonntag einen Vortrag in Oldenburg halten. Ich werde leider nicht hinfahren können, aber der Vortrag wird vermutlich anschließend auf der Seite http://www.munoz.uri-text.de zu finden sein.
Weil ich es gerade von der ersten Seite ins Archiv verschiebe, hier noch mal der Hinweis auf die öffentlich Anhörung zum Thema »Die Regelschule ist der erste Förderort - Gemeinsamen Unterricht gewährleisten« morgen um 15:00 Uhrdoch um 14:00 Uhr im Landtag NRW.
Es wäre gut, wenn möglichst viele Menschen anwesend wären, um dem Thema ein angemessenes Gewicht zu verleihen. Ich habe gerade noch mal im Landtag nachgefragt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich, man kann einfach kommen.
Wichtiges Update
Eben habe ich erfahren, dass die Veranstaltung doch schon um 14:00 Uhr beginnt. So ein Durcheinander.
Vortrags- und Podiumsveranstaltung mit dem UN-Sonderberichterstatter zum Menschenrecht auf Bildung, Vernor Muñoz, am Sonntag, 7. Juni 2009, von 11 bis 13 Uhr im PFL Oldenburg.
Öffentliche Anhörung am 20. Mai 2009 im Landtag NRW
Am 20. Mai 2009 findet (doch) um 14:00 Uhr verschoben auf 15:00 Uhr im Düsseldorfer Landtag eine öffentliche Anhörung zum Thema die Regelschule ist der erste Förderort - Gemeinsamen Unterricht gewährleisten statt
Die Anhörung erfolgt aufgrund eines Antrages der Fraktion Bündniss 90 / Die Grünen (Drucksache 14/4860)
Beim letzten Treffen der NRW-Bündnis Eine Schule für Alle waren wir uns einig, dass bei dieser öffentlichen Anhörung die Präsenz möglichst vieler Interessierter, besonders auch von Eltern mit ihren Kindern mit Behinderungen wichtig ist, auch wenn Zuschauer kein Rederecht haben.
Inhaltlich sind unsere Interessen ja gut vertreten, z.B. durch Gemeinsam leben - gemeinsam lernen e.V. und durch Mittendrin e.V.
Ich halte es aber auch für wichtig, dass die Landesregierung mitbekommt, dass Eltern Interesse an den politischen Prozessen zeigen, bei denen es um die Rechte ihrer Kinder geht. Und im Jahr vor der Landtagswahl können wir sicher sein, dass ein großes öffentliches Interesse an einem solchen Thema bemerkt wird.
Kommt also zahlreich!
Update 27.04.2009
Wegen der großen Zahl der Anmeldungen findet die Veranstaltung im Plenarsaal statt und kann deshalb erst um 15:00 Uhr beginnen.
Wichtiges Update 19.05.2009
Eben habe ich erfahren, dass die Veranstaltung doch schon um 14:00 Uhr beginnt. So ein Durcheinander.
Menschen mit Behinderungen werden in Deutschland ausgegrenzt und in Sonderschulen, Werkstätten und Heime abgeschoben. Nun tritt eine Uno-Konvention in Kraft, der ein radikales Umdenken folgen müsste. Doch die Bundesregierung signalisiert: Alles soll so bleiben, wie es ist.
Die Rechtsexperten Prof. Dr. Ralf Poscher, Dr. Thomas Langer und Dr. Johannes Rux haben in einem Gutachten für die Gewerkschaft GEW (PDF) untersucht, an welchen Punkten die Bildungspolitik und die Schulgesetze der Länder den Vorgaben der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung nicht entsprechen.
Dass die Dorstener Eltern die Gesamtschule wollen, liegt für Susanne Fraund (Fraktionsvorsitzende der Dorstener Grünen, W.) auf der Hand: "Mehr als 60 Kinder hat die Gesamtschule Wulfen abgelehnt, weitere 50 Kinder aus Dorsten hat die Gesamtschule Schermbeck nicht angenommen." Hinzu würden jene kommen, die aufgrund des Turbos-Abis den Druck der ersten Jahre auf den Gymnasien nicht aushielten. Zudem würde eine Gesamtschule in Dorsten Kosten sparen helfen, weil Schülertransporte wegfielen.
Ich begrüße diesen Vorschlag aufs Schärfste.
Für unsere Kinder wäre das ideal, schon wegen der Wohnortnähe.
Aber auch unabhängig von den eigenen Kindern bin ich immer schon ein Befürworter der Gesamtschule, war ich doch selbst auf einer.
Selbstverständlich muß einen solche Schule dann auch integrativ arbeiten.
Fraglich ist, ob die Grünen sich mit dieser Forderung durchsetzen. Mitglieder der Junge Union, denen Gesamtschulen ja schon immer höchst suspekt waren, warnen jedenfalls wie immer reflexhaft vor der rot-rot-grünen Einheitsschule.
Ich habe kürzlich ja schon über meine Ideen zum Eltennetz ungehindert, dem Netzwerk für Eltern von Kindern mit Behinderung geschrieben.
Ich habe mich in den letzten Wochen allerdings noch ein wenig schwer getan, über den Rahmen dieses Blogs hinaus Werbung für das Netzwerk zu machen, weil Kaioo noch diverse Bugs und unstimmigkeiten hatte. Zwar sind noch immer nicht alle Probleme behoben, das Team von Kaioo arbeitet aber intensiv daran.
Heute habe ich begonnen, einige Organisationen und Personen anzuschreiben, um auf das Netzwerk aufmerksam zu machen.
Ein Text, den ich verschickt habe, findet sich hier auf Scribd.
Also auch hier noch mal die herzliche Bitte, diese Information so breit wie möglich zu streuen und sich selbst unter http://www.ungehindert.kaioo.com zu registrieren.
Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Karin Evers-Meyer, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Übergehen behinderter Schülerinnen und Schüler vorgeworfen. Weder bei ihrer Bildungsreise noch beim Bildungsgipfel am 22. Oktober habe die Kanzlerin den gemeinsamen Schulbesuch von Kindern mit und ohne Behinderungen eingeplant, kritisierte Evers-Meyer.
"Das bedauere ich umso mehr, als der gemeinsame Schulbesuch aller Kinder in der zur Ratifikation im Parlament anstehenden UN-Behindertenkonvention einer der zentralen Punkte ist", sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete.
"...und morgen wieder Schule" strahlt Charlotte selig und räumt ihren Schulranzen auf. Die geistig behinderte 11- Jährige besucht seit fast 4 Jahren die Außenklasse der Grundschule Moosach. In dieser Klasse werden 8 Kinder mit geistiger Behinderung, in der Partnerklasse 16 Grundschulkinder unterrichtet. Nach einer ca. 6-monatigen Anlaufsphase haben sich Grundschullehrerin und Sonderpädagogin auf ein kooperatives Miteinander verständigt, das einen gemeinsamen Unterricht aller Kinder in Nebenfächern, wie Musik, Religion, Kunst, HSU und Sport vorsieht, sowie Raum gibt für gemeinsame Projekte, Wandertage, Ausflüge und Veranstaltungen.
[...]
Dank der Unterstützung des Sozialministeriums und des Kultusministeriums wird der integrative Weg am Gymnasium Kirchseeon fortgesetzt. Gabriele Söllheim wird das 1. Gymnasium in Bayern leiten, an dem eine Außenklasse angesiedelt ist. Sie erfreut sich der Unterstützung von Schulleiter Markus Schmidt, der seit einem Jahr die Korbinianschule Steinhöring leitet.
Einmal mehr zeigt sich, dass Integration kein theoretisches Thema bleiben muss. Wenn alle an einem Strang ziehen, Vorurteile abgebaut und Offenheit gelebt wird, profitieren alle - die Kinder haben es eindrucksvoll vorgemacht.
Gibt es noch mehr Beispiele? Ich habe den Eindruck, wenn überhaupt, läuft Integration in der Sekundarstufe an Gesamtschulen. Ich habe eigentlich nichts gegen Gesamtschulen, ich sehe aber keinen Grund, warum es auf diese beschränkt bleiben sollte.
Es ist dringend mehr Rechtssicherheit im gemeinsamen Unterricht erforderlich
Heute, am Tag vor dem Urlaub, war die Schulleiterin der Schule, auf
die Noah im kommenden Schuljahr gehen soll, auf unserem
Anrufbeantworter. Sie bat um Rückruf, wir konnten sie aber nicht mehr
erreichen. Also bis Montag warten und per Handy aus Borkum anrufen.
Seit dem gehen mir Phantasien durch den Kopf, die alle darauf hinaus
laufen, dass man unser Kind an dieser Schule nun doch nicht will. Weil
die Bedingungen anders sind, als vorgesehen. Ich habe ja bereits
darüber geschrieben.
"Eine Lehrkraft ist durch die Schulaufsicht abgezogen worden. Die
Kommune hat keine direkten Einflussmöglichkeiten."
Dies
bestätigte auch der Erste Beigeordnete Gerhard Baumeister: "Die
30er-Grenze wird eingehalten, außerdem gibt es keine Landesplanung für
integrative Klassen." Zwar werden Gespräche, auch mit dem Schulrat,
geführt, aber: "Wir werden für das kommende Schuljahr nichts mehr
ändern können."
In NRW gibt es die freie Schulwahl und sehr viele Eltern haben sich
für diese Schule entschieden. Und nun leidet die Qualität des
Unterrichts darunter, weil man nicht die entsprechende Anzahl von
Fachkräften finanziert.
Ein erneuter Beweis, dass die NRW-Schulpolitik von Barbara Sommer auf
der ganzen Linie versagt hat.
Müssen es jetzt die Kinder mit Behinderung ausbaden?
Ich habe keine Ahnung, ob das wirklich der Grund des Anrufes war.
Vermutlich hat sie nur eine Rückfrage.
Aber die Tatsache, dass mir diese Angst nicht mehr aus dem Kopf will,
zeigt, wie unerträgich der Zustand von Eltern ist, die wirkliche
Integration für ihre Kinder wollen.
In allem ist man vom good-will anderer abhängig. Schulen können selbst
entscheiden, ob und welche Kinder mit Behinderung sie aufnehmen und
es gibt noch immer kein garantiertes Recht auf gemeinsamen Unterricht,
obwohl Deutschland zu den Erstunterzeichnern der UN-Konvention für die
Rechte von Menschen mit Behinderung gehört, die inklusiven Unterricht
als Grundrecht formuliert.
Ein Recht auf gemeinsamen Unterricht besteht nur, soweit die
Bedingungen vorhanden sind.
Wenn die Schule nicht will, hilft nur noch der Gerichtsweg.
Schon der Kampf um die Rückstellung im vergangen Jahr hat uns viel
Kraft gekostet. Eine ganz ähnliche Situation hat es im vergangenen Jahr
auch gegeben: Mit dem Schulrat hatten wir eine Absprache
getroffen, die Noahs Zuweisung zu dieser Schule und seine Rückstellung
um ein Jahr vorsah.
Dann rief die Schulleiterin eines Sonntags bei uns an und teilte uns
mit, sie habe jetzt der Stadt mitgeteilt, die Schule könne Noah nicht
nehmen. Das ließ sich dann später noch klären, aber solche Situationen
gehen an die Substanz.
Ich habe keine Lust mehr, jetzt wieder mit wochenlanger Ungewissheit
leben zu müssen.
Wohl gemerkt: Das sind alles nur meine Phantasien, vermutlich gehen
sie mit mir durch. Trotzdem. Die Situation ist unerträglich.
Update 02.07.2008
Meldung von Borkum:
Meine Sorgen wurden nicht bestätigt, es handelte sich in der Tat nur um eine Rückfrage. Trotzdem, es ist schon bezeichnend, mit welch großer Sorge wir als Eltern auf das Thema Integration blicken.
Am 9. Oktober 2008 veranstaltet die Deutsche Vereinigung für Rehabilitation e.V. Heidelberg eine Fachtagung in Kassel mit dem Titel: "Welche Bordmittel braucht die inklusive Schule?"
"Um das Ziel "Eine Schule für Alle" zu erreichen, bedarf es umfassender Änderungen sowohl an unseren Schulen in struktureller Hinsicht, als auch in der Ausbildung von allen im System Schule arbeitenden Professionen. Es ist jetzt an der Zeit darüber nachzudenken, welcher Mittel die inklusive Schule bedarf, um der Individualität und den Bedürfnissen aller Kinder gerecht zu werden.
Ich erhoffe mir von dieser Tagung wichtige Impulse, um auch in Deutschland den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen gesellschaftliche Normalität werden zu lassen." so die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen Karin Evers-Meyer in ihrem Tagungsgrußwort.
Warum muss im Zusammenhang mit Schule eigentlich immer alles so problematisch laufen?
Ich war gerade bei einem Elternabend in der Schule, in die unser Sohn
Noah nach den Sommerferien gehen soll.
Im vergangenen Jahr, haben wir in einem scheinbar aussichtslosen Kampf
gegen die Schulbürokratie doch noch eine Lösung im Sinne unseres
Kindes erreicht. Eigentlich ist es in NRW nicht möglich, dass Kinder
von der Schulpflicht zurück gestellt werden, es sei den, es liegen
gesundheitliche Gründe vor.
Und diese gesundheitlichen Gründe müssen schon ziemlich gravierend
sein. Der schulmedizinische Dienst ist zumindest hier eher auf
Hardlinerkurs. Im Grunde würde man im Kreis Recklinghausen ein
behindertes Kind, das wie unser Sohn nur mit wenigen Tagen noch in die
Schulpflicht für das laufenden Jahr fällt, eher aus dem Kindergarten reißen und einer Sonderschule
zuweisen, als es für ein Jahr von der Schulpflicht zurück zu stellen,
damit im nächsten Jahr die sinnvolle Teilnahme am gemeinsamen Unterricht
möglich ist. Und das gegen die Einschätzung der Eltern und aller Pädagogen, die mit dem Kind zu tun haben.
Nun gut, dieses Problem ließ sich im vergangen Jahr lösen. (Wer mehr
wissen will, frage per Mail)
Noah darf also am gemeinsamen Unterricht in der nahe gelegenen Schule
teilnehmen.
Aber dort hat die Aufsichtsbehörde jetzt entschieden, dass nicht wie
vorgesehen vier, sondern nur drei Klassen gebildet werden.
Und eben teilte mir die Schulleiterin am Rande der Elternveranstaltung
mit, man werden - wenn es bei drei Klassen bleibt - die Kinder mit
Förderbedarf zunächst mal "zur Probe" aufnehmen um zu sehen, ob sie
mit der großen Klasse überhaupt zurecht kommen.
Kann eigentlich im Zusammenhang mit Schule mal irgendwas normal und
unproblematisch laufen?
Warum muss man für alles kämpfen. Wann hören die Sorgen auf, die mit
dem unberechenbaren System Schule zu tun haben.
Inklusive Bildung im Primar- und Sekundarbereich ist nach der
UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein
Grundrecht.
Warum müssen Eltern eigentlich immer wieder voller Sorge darum bangen
und kämpfen, dass ihren Kindern die Wahrnehmung dieses Grundrechts
ermöglicht wird.
Ich will einfach nicht, dass mein Kind in eine Sonderschule muss.
Aber Entscheidungsträger halten noch immer viel zu häufig
Sonderschulen für eine geeignete Option für Kinder mit
Behinderungen. Und bei der Bewertung des "optimalen Förderortes" wird
diesen Schulen immer noch sehr selbstverständlich ein hoher Rang
eingeräumt, auch wenn sich Eltern und Experten heute eigentlich einig
sind, dass eine inklusive Schule für fast alle Kinder der beste
Förderort wäre.
Ich gebe gern zu, ich habe selbst ein Schultrauma. Meine eigene
Schulzeit verlief alles andere als glücklich, bis ich irgendwann auf
einer Schule gelandet bin, die zu mir passte (eine Gesamtschule, wen
wundert es?)
Ich will für mein Kind eine unproblematischere Schulkarriere, in der er
nicht in Sondereinrichtungen ausgegrenzt wird.
Aber die ist für Kinder mit Behinderung in Deutschland scheinbar alles
andere als selbstverständlich.
Ach übrigens: mir ist schon klar, dass man Sonderschulen heute
Förderschulen nennt.
Durch eine fehlerhafte Übersetzung der UN-Konvention wird in Deutschland eine Chance vertan. Inklusion ist mehr als Integration.
In der vorletzten Woche traf sich die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Karin Evers-Meyer mit dem Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz.
In dem Gespräch ging es um die Umsetzung aber auch um die richtige Übersetzung der UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen.
Die Konvention fordert in Artikel 24 eine "inclusive education". In der mit anderen deutschsprachigen Ländern abgestimmten Übersetzung wurde dies mit "integrativer Bildung" übersetzt (kobinet 11.1.08). Nach Auffassung vieler Verbände und Politiker wird damit eine Chance verpasst, in Deutschland einen wichtigen Impuls für mehr gemeinsamen Unterricht zu setzen.
Integration überwindet nach Ansicht von Vernor Muñoz nicht die Grenzen zwischen zwei Gruppen, sondern manifestiert sie. Grenzen lassen sich nur mit einer inklusiven Bildungslandschaft überwinden.
Muñoz hatte im vergangenen Jahr das deutsche Bildungssystem scharf kritisiert.
Nach ihrem Treffen mit Vernor Muñoz betonte Karin Evers-Meyer, die Schule für alle müsse zum Standard werden.
Februar 2004. Luca, Marwin, Dennis, Johanna, Christian und 15 andere Kinder treffen sich zum Halbjahresbeginn in der Berliner Fläming-Schule. Sie gehören zur Klasse 5d, der Förderklasse der Schule, in der Schüler extrem unterschiedlicher Fähigkeiten zusammen lernen. Vier der Kinder sind als behindert eingestuft, von lernschwach bis Klassenlebenschwerbehindert, und werden nicht benotet. Die Klasse hat zwei Betreuerinnen, einige Fachlehrer und die Klassenlehrerin, Frau Haase. Sie gilt als streng, aber fair. Ihre große Liebe gilt dem Theater.
Auf Augenhöhe mit den Kindern nimmt der Regisseur Hubertus Siegert teil am Abenteuer eines Schulhalbjahrs. Erfolge und Konflikte, Spaß und Tränen, Witz und Mühsal, Rivalitäten und Freundschaften blitzen in den verschiedenen Geschichten auf, die zusammen das bewegende Bild eines vielschichtigen und spannenden, ganz eigenen Universums zeichnen: ein Klassenleben.
Beim Kongress Eine Schule für alle, der am letzten Wochenende in Köln stattfand, bin ich auf diesen Film aufmerksame geworden, hatte dort allerdings keinen Gelegenheit, ihn zu sehen.
Ich habe ihn deshalb bestellt und gestern abend konnten wir sehen, wie Schule sein kann.
Mit Schule hat ja wohl jeder seine ganz eigene Erfahrung und ein Film über eine Schulklasse, der aus der Perspektive der Schülerinnen und Schüler erzählt wird, weckt schon so manche Erinnerung und Emotion. Mein Fazit: hätte ich so lernen können, wie diese Berliner Schülerinnen und Schüler, dann wäre Schule für mich heute sicher mit weniger unangenehmen Gefühlen verbunden.
Das wichtigste Fazit lautet: Es geht doch! Schule für alle ist möglich. Das behaupten VertreterInnen der Integration zwar schon seit langem und berufen sich dabei auf Erfahrungen, die in Deutschland und in anderen Ländern längst täglich gemacht werden; hier ist es dem Betrachter aber möglich, es selbst mit zu erleben und dadurch erhält diese Erkenntniss Glaubwürdigkeit auf einer sehr persönlichen Ebene.
Der Film führt weg von den theoretischen Diskussionen, die Schüler selbst zeigen uns, dass gemeinsames Lernen für alle ein Weg ist, der sich lohnt.
Gemeinsamer Unterricht in der Sekundarstufe - man kann nicht früh genug anfangen, weiter zu denken
Unser Sohn hat das Down-Syndrom. Er wird ab Sommer 2008 in eine Grundschule gehen, die seit Jahren Erfahrung mit dem gemeinsamen Unterricht hat und außerdem nur 5 Minuten Fußweg von uns entfernt liegt. So weit, so gut.
Gemeinsamer Unterricht in der Grundschule ist in NRW verbreitet. Das größere Problem ist scheinbar die Integration in der Sekundarstufe.
Artikel 24 der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen (Arbeitsübersetzung Lebenshilfe) sieht ausdrücklich die Integration im Grundschul- und Sekundarschulbreich vor.
Faktisch sieht es jedoch so aus, dass nur wenige Schulen der Sekundarstufe gemeinsamen Unterricht anbieten. In unserem Umfeld gibt es - soweit wir das wissen - nur eine Schule und die ist recht weit weg von uns (10,7 km).
Ich kann mir nicht vorstellen, das eine Schule ausreicht, um langfristig den Bedarf zu decken. Gemeinsamer Unterricht muss auch im Sekundarstufenbereich flächendeckend angeboten werden.
Hier muss sich etwas ändern und dafür müssen wir vermutlich etwas tun:
Druck auf Politiker ausüben, den Artikel 24 der UN-Konvention schnell in geltendes Recht umsetzen
Schulen überzeugen, ebenfalls gemeinsamen Unterricht anzubieten
Andere Menschen davon überzeugen, dass Kinder mit Behinderungen nicht am Besten in der Sonderschule aufgehoben sind
Andere Eltern mobilisieren
Wir möchten in der nächsten Zeit beginnen, uns diesem Thema zu widmen - mit einer lokalen Orientierung in Dorsten und Umgebung. Wir wollen erreichen, dass sich die Situation in den nächsten 4 Jahren deutlich ändert.
Wir würden uns freuen, Kontakt zu weiteren Eltern zu bekommen, denen das Thema ebenso wichtig ist, wie uns. Schön (aber nicht Bedingung) wäre es, wenn diese Eltern aus unserer Region kämen.
Gemeinsam können wir etwas erreichen. Kontakt ist über die Kommentarfunktion oder über die im Impressum angegebene Adresse möglich.
Nach Ansicht des Vorsitzenden des Sprecherrates des Deutschen Behindertenrates, Horst Frehe, trifft die Kritik des UN-Sonderberichterstatters für das Recht auf Bildung, Vernor Munoz, im Hinblick auf die Benachteiligungen behinderter Kinder und Jugendlicher im deutschen Schulsystem genau den Nagel auf den Kopf. Das deutsche Schulsystem sondert nach Ansicht von Horst Frehe behinderte Kinder in hohem Maße und ohne Not aus dem allgemeinen Schulsystem aus. Damit werde ihnen in der Regel die Chancen auf eine echte Integration und Teilhabe verbaut. Die Länder praktizierten mit der Sonderbeschulung eine Ausgrenzungspolitik auf Kosten behinderter Kinder.
"Im Gegensatz zu anderen Ländern Europas erleben wir in Deutschland in den letzten Jahren eher sogar ein roll-back bei der schulischen Integration behinderter Kinder obwohl es mittlerweile auf so vielen Ebenen erwiesen ist, dass nicht nur die behinderten Kinder, sondern alle Schüler von der schulischen Integration profitieren. Es fehlt schlichtweg der politische Wille die schulische Integration umzusetzen und hierfür die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Wenn nur ca. 12 Prozent der behinderten Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Deutschland in der Regelschule unterrichtet werden, ist dies mehr als beschämend für unser Land und bietet keinen Grund, die Kritik von Vernor Munoz zurückzuweisen", kritisierte Horst Frehe. Die Kleinstaaterei und die Egoismen der einzelnen Länder auf Kosten behinderter Kinder zu sparen, verhindere eine längst überfällige Strategie für eine konsequente Integration behinderter Kinder in die Regelschule.
"Wir fordern ein konsequentes Umsteuern in der Schulpolitik und die Sicherstellung der Menschenrechte behinderter Menschen im Bildungswesen, so dass die schulische Integration zum Standard wird", erklärte Horst Frehe. Die Tatsache, dass eine Reihe von Eltern für eine Sonderbeschulung ihrer behinderten Kinder plädiere, sei letztendlich ein Hilferuf, der die eklatanten Mängel an vielen Regelschulen deutlich mache. "Wer dies als Rechtfertigung für die Sonderbeschulung nimmt, agiert in hohem Maße zynisch und drückt sich um die Schaffung der nötigen und eigentlich selbstverständlichen Rahmenbedingungen im Schulsystem, um allen Kindern gerecht zu werden", so Horst Frehe.
Was Schönes:
Wie die Dorstener Zeitung berichtet, hat der Montessori-Verein jetzt das Gebäude der ehemaligen Astrid-Lindgren-Schule gemietet.
Ab 01. August soll die Montessori-Schule starten.
Die Diskussion um das deutsche Schulsystem habe zu einem günstigen Zeitpunkt für alternative Ideen geführt. "Was uns an der Pädagogik Montessoris bis heute fasziniert, ist der unbedingte Respekt vor jedem einzelnen Kind als unverwechselbarem Individuum mit einem eigenen inneren Bauplan". Bei aller Euphorie bleibe viel zu tun, aber die Voraussetzungen seien gut: Ein langfristiger Mietvertrag für eine Schule mit guter Ausstattung.
"Vier Klassenräume auf einer Ebene, logistische Voraussetzungen für die geplante Übermittagbetreuung und ein Angebot an Sonderräumen sind ausreichend vorhanden: Atelier, Musikraum, Bewegungszentrum, Werkstatt, Lehrerzimmer und Büro", zählte Gödde (der Sprecher des Montessori-Vereins. W) die räumliche Struktur auf. Der Renovierungsbedarf halte sich in Grenzen und die Gestaltung des Schulhofes könne in Projektarbeit erfolgen und müsse ebenso wachsen wie der eigene Schulgarten. Wachsen wird auch die Schulgemeinschaft, denn der Start ist mit maximal 26 Schülern vorgesehen. Jeden Sommer kommen neue Klassen hinzu.
Der Standort der Schule wäre auch für unsere Kinder ganz gut erreichbar.
Die Bundesvereinigung der Lebenshilfe begrüßt den Schritt, betont aber in einer Pressemitteilung auch, dass nun in Deutschland dringend Taten folgen müssen.
Schulische Integration bezeichnet die Lebenshilfe als das Stiefkind deutscher Bildungspolitik.
Dabei sieht Artikel 24 der UN-Knvention die Integration im Grundschul- und Sekundarschulbreich eindeutig vor:
2. Bei der Verwirklichung dieses Rechts (auf Bildung, W.) stellen die Vertragsstaaten sicher, a) dass Menschen mit Behinderungen nicht auf Grund ihrer Behinderung vom
allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden und dass Kinder mit Behinderungen
nicht auf Grund ihrer Behinderung vom unentgeltlichen und obligatorischen Grundschul-
unterricht oder von der Sekundarschulbildung ausgeschlossen werden; b) dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben, Zugang zu einem integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Grundschulunterricht und einer entsprechenden Sekundarschulbildung haben; (zitiert nach der Arbeitsübersetzung der Lebenshilfe)
Die Lebenshilfe weist darauf hin, dass im Jahr 2003 über 97 Prozent der geistig behinderten Kinder eine Sonderschule besuchten und fordert ein Wahlrecht für Eltern behinderter Kinder:
"Wir Eltern wollen selbst entscheiden, ob unser Kind in die Sonderschule oder eine wohnortnahe allgemein bildende Schule gehen soll", sagt Tina Winter (Wetzlar), Mutter einer Tochter mit Down-Syndrom und Mitglied im Bundesvorstand der Lebenshilfe. Die Schulgesetze aller Bundesländer sollten dahingehend geändert werden, aber ohne den gern verwendeten Zusatz "unter Haushaltsvorbehalt". Der sonderpädagogische Förderbedarf, auf den ein Kind mit Behinderung einen Anspruch hat, müsste dann in der Schule umgesetzt werden, in die das Kind auf Elternwunsch hin aufgenommen wird. Im Kindergarten werde dies heute schon vielerorts mit Erfolg praktiziert.
Wie die Frankfurter Rundschau heute berichtet, legte Vernor Muñoz, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, seinen Bericht über das deutsche Bildungssystem vor.
Darin stellt er die Ausgrenzung und die Abschottung behinderter Kinder von den Regelschulen fest.
Es sei die Ausnahme, dass Behinderte mit Nicht-Behinderten gemeinsam unterrichtet würden. Zwar wolle der Staat die Integration, doch de facto herrsche eine Politik der Absonderung. Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen den von Muñoz kritisierten Trend. So ist die Zahl der Förderschüler in den vergangenen Jahren gestiegen. Gleichzeitig stagniert die Zahl der Kinder mit Behinderungen, die in "normalen" Schulen unterrichtet werden bei unter vier Prozent.
Diese Beobachtung kann ich nur bestätigen. Zwar ist die Möglichkeit der Integration im Grumndschulbereich häufig noch gegeben, spätestens wenn es um den Wechsel auf weiterführende Schulen geht, ist es ein großer Glücksfall, wenn wohnortnah eine Möglichkeit zum gemeinsamen Unterricht vorhanden ist.
Für unseren Sohn Noah gibt es die Möglichkeit der Integration in einer nahe gelegenen Grundschule. Von der 5. Klasse an gibt es hier in Dorsten kam Möglichkeiten.
Allerdings eröffnet in absehbarer Zeit in Dorsten eine Montessori-Schule
Vielleicht ergeben sich da neue Möglichkeiten.
"Mehr als 250 000 Kinder werden in Streitkräfte gezwungen, und ein Dutzend Länder steht auf einer schwarzen Liste der Uno", sagte der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy. "Das ist mehr als ein Verbrechen: Es ist eine Zeitbombe für die Stabilität und das Wachstum Afrikas und darüber hinaus", sagte er der französischen Zeitung "Le Figaro". Die USA lehnen weitere Maßnahmen gegen Kindersoldaten ab.
Wir leben in einer Welt, in der wir Kindern eher das Schießen als das
Lesen und Schreiben beibringen.
Und wir leben in einer Welt, in der Krieg immer noch als legitimes Mittel angesehen wird, die Weltordnung zu gestalten. Das ist das eigentliche Problem.