Der Klimawandel wird gravierende Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit haben
Brot für die Welt, die Diakonie-Katastrophenhilfe und Germanwatch stellen erste Ergebnisse eines gemeinsamen Studienvorhabens vorUnter dem Titel Klimawandel und Ernährungssicherheit stellen die Organisationen Brot für die Welt, die Diakonie-Katastrophenhilfe und Germanwatch die ersten Ergebnisse eines gemeinsamen Studienvorhabens vor.
Die Autoren sehen deutliche Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernährungssicherheit
Der Klimawandel wird in vielen Teilen der Welt die Niederschlagsmuster verändern. Kommt beim Regenfeldbau der Regen nur wenige Wochen zu spät, oder ist die Verteilung auf wenige Starkregenereignisse konzentriert, kann dies gravierende Auswirkungen auf die Ernteergebnisse haben. (...) Die verfügbaren Wasserressourcen werden erheblich knapper werden. Dies betrifft sowohl das Wasser für den persönlichen Bedarf wie für die Landwirtschaft. In zahlreichen Regionen werden zudem die Wetterextreme zunehmen. Starkregenereignisse, Hitzewellen, Überflutungen, Dürren, sowie die Heftigkeit von Hurrikanen, Taifunen und anderen starken Stürmen zunehmen. Der erwartete Anstieg des Meeresspiegels droht eine ganze Reihe der fruchtbarsten Ländereien weltweit in Küstenebenen und Flussdeltagebieten zu überfluten oder zu Versalzungen im Boden und im Grundwasser beizutragen.
Auch wenn wissenschaftliche Studien in ihrer Einschätzung der Folgen stark voneinander abweichen, muß von signifikanten negativen Auswirkungen ausgegangen werden, wenn der Temperaturanstieg zwischen einem und drei Grad liegt.
Bei einem Anstieg von ca. 2,5 °C werden ca. 45-55 Millionen zusätzliche Menschen von Hunger und Unterernährung betroffen sein, bei einem Anstieg oberhalb von 2,5 °C 65-75 Millionen Menschen. Jenseits eines Temperaturanstiegs von über 3 °C erwarten alle Studien einen Rückgang der Agrarproduktion dann auch in den gemäßigten Breiten. Bei 3-4 °C Temperaturanstieg erreichen die Schätzungen 80-125 Millionen Menschen, die zu- sätzlich von Hunger und Unterernährung betroffen sein werden.
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Sollte der Temperaturanstieg unterhalb von 2 °C bleiben, gehen die Studien davon aus, dass bis zu 1,5 Milliarden Menschen zusätzlich von Wasserknappheit betroffen sein könnten, eine Zahl, die bis zum Ende des Jahrhunderts wieder sinken wird, da die Wasserverbrauchs- und Wasseraufbewahrungstechniken sich erheblich verbessern werden. Jenseits eines Temperaturanstiegs von über 1,5 °C werden einer Studie zufolge 600 Millionen Menschen und bei einem Anstieg von bis zu 2,5 °C möglicherweise bis zu 2,4-3,1 Milliarden Menschen von zunehmender Wasserknappheit betroffen sein.
Die Autoren machen deutlich, dass von diesen Entwicklungen besonders Menschen in den Ländern des Südens betroffen sein werden
Einer südwestdeutschen Weinbauernfamilie kann eine Anpassung an den Klimawandel durch Rebsortenwechsel und andere agrartechnische Maßnahmen möglicherweise erfolgreich gelingen. Sie hat die finanziellen Ressourcen, ist ausgebildet und hat einen Weinbauernverband, der sie qualifiziert berät. Eine Kleinbauernfamilie im bereits heute recht trockenen Norden von Ghana wird von Veränderungen im Klimagang ganz anders betroffen sein. Veränderungen im Zeitpunkt des Regenfalls machen den üblichen Regenfeldbau möglicherweise nur noch eingeschränkt möglich. Extremregenfälle oder andere Wetterrisiken gefährden die Produktion zusätzlich. Die finanziellen Möglichkeiten der in der Regel von der Frau geführten Familie mit mehreren Kindern erlauben es nicht, eine Missernte zu verkraften. Es gibt keinen Anbauverband und keine Agrarberatung, Kredite für eine Produktionsumstellung sind nicht verfügbar und würden einer Frau ohnehin nicht ausgezahlt.
Neue Konzepte zur Anpassung von Familien, Dörfern und ganzen Regionen an den Klimawandel werden besonders wichtig sein,
Die größte Herausforderung für die Anpassung an den Klimawandel wird es allerdings sein, den nötigen politischen Willen bei den Regierungen zu mobilisieren, gerade für Themen, denen sie in den letzten Jahrzehnten schon keine Aufmerksamkeit haben zukommen lassen
Pflichtlektüre für alle, die sich mit Entwicklungsthemen befassen.