Die krumme Tour der Supermärkte
"Marktkonzentration führt zu Arbeitsrechtsverletzungen in Entwicklungsländern", das ist das Fazit des gestern vorgstellten neuen Berichtes von Oxfam
Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro sind mit verantwortlich dafür, dass Tausende von Arbeiter/innen in Entwicklungsländern zu Hungerlöhnen und unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten müssen. Die genannten fünf größten deutschen Supermarktketten bedienen 70 Prozent des Marktes und nutzen diese Macht schamlos aus. Am Beispiel des Bananen- und Ananasmarktes belegt die neue Oxfam-Studie "Endstation Ladentheke" die katastrophalen Arbeitsbedingungen der Arbeiter/innen in Costa Rica und Ecuador. Oxfam Deutschland fordert die Supermarktkonzerne auf, ihre Einkaufspolitik drastisch zu ändern. Ferner ruft Oxfam das Bundeskartellamt zur umfassenden Prüfung der Einkaufsmacht der Supermarktketten auf.
Ein Bündnis aus gewerkschaftlichen und kirchlichen Gruppen sowie Entwicklungsorganisationen ruft am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, zu Aktionen gegen die Menschenrechtsverletzungen der Discounter auf.
WEED weist auf eine
gemeinsame Aktion mit ver.di, Oxfam und
dem INKOTA Netzwerk e.V. hin.
Discounter und Billig-Ketten überziehen in Europa immer mehr Länder
mit einem dichten Filialnetz und zerstören traditionelle
Einzelhandelsstrukturen und Arbeitsplätze. Die Arbeitsbedingungen der
Be-schäftigten verschlechtern sich zunehmend. Prekäre Niedriglohn- und
Minijobs verdrängen Normalarbeitsverhältnisse. "Arm trotz Arbeit"
wird in Europa zur Normalität. Insbesondere Frauen, Migranten und
Menschen in strukturschwachen Gebieten, die überwiegend unter prekären
Bedingungen bei Lidl, Aldi, Schlecker, KiK, Norma, Netto und anderen
Billig-Ketten arbeiten, sind betroffen. Extremer Leistungs-druck und
Überwachung sind an der Tagesordnung. Grundrechte von Beschäftigten
werden unterdrückt und die Wahl von Arbeitnehmervertreter/innen
verhindert.
Der ruinöse Wettbewerb im Handel in allen Ländern Europas hat
weitreichende Folgen für Beschäftigte, Kunden und die gesamte
Gesellschaft.
(...)
Grundrechte von Beschäftigten werden jedoch nicht nur im europäischen
Handel mißachtet, sondern auch bei den Zulieferern der Discounter,
insbesondere in den Entwicklungsländern. Mit der Konzentrati-on im
Einzelhandel steigt die Verhandlungsmacht der Discounter. So können
diese ihren Zulieferern die Produktions-, Preis- und Lieferbedingungen
diktieren. Durch die rigorose Preispolitik der Discounter geraten
Löhne und Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern in den
Entwicklungsländern immer mehr unter Druck.
Da ist es schon grotesk, dass Lidl gleichzeitig Produkte aus fairen
Handel
anbietet
und einen nicht unerheblichen Marktanteil in diesem Bereich hält.