29.09.2007

Neuer Kaffeekodex ist der falsche Weg

Fair-Handelsorganisationen kritisieren 4C-Initiative. Keine Preiszusagen an die Bauern.

Substainable Coffee - Nachhaltiger Kaffee, so lautet der Titel der Webseite, mit der der Common Code for the Coffee Community (4C), ein gemeinsamer Verhaltenskodex für die Kaffee-Wirtschaft, vorgestellt wird. Der 4C-Kodex wurde federführend durch die deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz) und das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erarbeitet, gemeinsam mit Kaffeehändlern, Röstern, Produzentenvertretern, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften, z.B. Kraft, Nestlé, Tchibo und Sara Lee, Oxfam und der Rainforest Alliance.

Ziel ist es (...) durch einen rechtlich nicht verbindlichen Verhaltenskodex die Produktionsbedingungen und die Qualität des Kaffees zu verbessern. Dafür sollen die Menschenrechte sowie geltende Umweltgesetze in der Produktion geachtet werden (Wikipedia)

Gestern berichtete die TAZ:

Mehr als 130 US-Cents kostet im Tagesschnitt derzeit ein Pfund der Kaffeesorte Arabica an den Rohstoffmärkten - der Preis klettert seit Monaten. "Wir wissen, dass es Preisschwankungen gibt", sagt Ramirez (ein Kaffepflücker aus Guatemala W.). "Aber von den Gewinnspannen sind wir Pflücker hier auf der Finca ausgenommen."
Das soll sich ändern: "Bei den Produzenten soll künftig mehr ankommen", sagt Carsten Schmitz-Hoffmann. Er ist Agrarexperte der deutschen Entwicklungsorganisation GTZ und koordiniert die neue Kaffee-Initiative "4C" - Common Code for the Coffee Community.
(...) Das Ziel: mehr Transparenz. Oft versande schlichtweg "enorm viel Geld" in der Lieferkette, sagt Schmitz-Hoffmann. Abläufe könnten optimiert werden, das reiche von Wassersparen über den gezielteren Einsatz von Pestiziden oder den besseren Transport des Kaffees. Der Weg der Kaffeekirschen und Bohnen wird künftig stärker überprüft (...)
Wenn Produzenten zu wenig Geld zum Leben haben, bleibt schon gar keins für die Pflege der Kaffeepflanzen. Das bekamen die Konzerne zu spüren. 2001 fielen die Preise in den Keller: Vietnam hatte damit begonnen, Kaffee zu produzieren, das Angebot auf dem Weltmarkt stieg. Viele Bauern, vor allem in Lateinamerika, gaben den Anbau auf. Während Pflücker wie Ramirez nicht wussten, wie sie weiterleben sollten, beklagten Kaffeeunternehmen den Qualitätsverlust. "Aus dieser Situation heraus entstand die 4-C-Inititative", sagt Schmitz-Hoffmann.

Für die fair Handelsorganisationen GEPA, dwp und EL PUENTE sowie den ökologischen Anbauverband Naturland ist die 4C-Initiative die falsche Antwort auf die Probleme der Kaffeebauern. In einer Erklärung heisst es:

Standards auf niedrigem Niveau dienen als Marketinginstrument der Kaffeewirtschaft. Die Kaffee-Industrie geht mit 4C keinerlei Verpflichtungen gegenüber den ca. 25 Millionen Kaffeeproduzenten weltweit ein. Es besteht nach Auffassung der Fair Handelsorganisationen und des Naturland-Verbandes die Gefahr der Irreführung der Verbraucher, denn für den Endverbraucher sind die Unterschiede zwischen 4C-Kaffee und fair gehandeltem Öko-Kaffee nur schwer nachzuvollziehen.
Darüber hinaus kann 4C gekennzeichneter Kaffee herkömmlichen Kaffee enthalten.

Entscheidender Kritikpunkt sind fehlende Preiszusagen an die Bauern

Angesichts der aktuellen Weltmarktsituation ist das Hauptproblem für die Bauern, dass sie für ihr Produkt keinen kalkulierbaren Preis erhalten und zum anderen der gezahlte Preis oft zu niedrig ist, um davon menschenwürdig leben zu können. Ob den Bauern in Zukunft mehr für 4C-Kaffee bezahlt wird, bleibt offen. Nur der Faire Handel bietet einen festen Mindestpreis und garantiert damit den Produzenten einen von den extremen Schwankungen des Weltmarktes unabhängigen Preis.

Daneben kritisieren die Organisationen unzureichende Umweltstandards, fehlende unangekündigte Kontrollen durch unabhängige Inspektoren und die unzureichende Berücksichtigung sozialer Standards beim 4C-Kodex.


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