Wo sich Kubas Staatschef Castro und Nestlé-Chef Brabeck-Letmathe einig sind
Unter dem Titel Biosprit und die Angst vor steigenden Bierpreisen bringt Telepolis einen lesenswerten Artikel zu den negaitven Folgen der massiven Steigerung des Einsatzes von Bioethanol als Treibstoff.
Wie unter den Befürwortern zur massiven Steigerung des Einsatzes von Bioethanol als Treibstoff bilden sich auch auf der Seite der Gegner sonderbare Allianzen. Während der brasilianische Sozialist Luiz Inácio Lula da Silva sich gemeinsam mit US-Präsident George Bush für den so genannten Biosprit stark macht, verurteilen vom kubanischen Staatschef Fidel Castro über den Chef des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé bis zum Deutschen Brauer Bund den zunehmenden Einsatz von Nahrungsmitteln zur Herstellung von Bioethanol. Castro befürchtet, drei Milliarden Menschen könnten über die steigenden Preise für Grundnahrungsmittel verhungern und verdursten, damit in den Industrienationen die Motoren brummen. Der Nestlé-Chef sieht einen "Raubbau am kostbarsten Gut", denn zur Herstellung von einem Liter Treibstoff aus Pflanzen seien 4560 Liter Wasser nötig.
Es gibt keine Alternative zum Energiesparen. Nur Energie, die wir nicht verbrauchen, kann nicht die Umwelt zerstören und hat keine negativen sozialen Folgen für die Menschen in den armen Ländern des Südens.
Und gerade heute muß ich mit dem Auto zur Arbeit fahren (32,5 km), weil der Zug, den ich sonst nehme, nur einmal pro Stunde fährt und die Nutzung des ÖPNV mich täglich fast 2 zusätzliche Stunden kostet. Die Zeit habe ich heute nicht.
Ich beobachte mit Sorge Berichte über Einschränkungen und Stillegungen im ÖPNV. Das genaue Gegenteil müsste erfolgen.
Ich habe den Eindruck, dass Forderungen nach einem Ausbau des ÖPNV zur Zeit eher als Spinnerei abgetan würden. Ich bin trotzdem sicher, es führt kein Weg daran vorbei, mit allen Mitteln für echte Alternativen dazu zu sorgen, dass jeden Tag Millionen von Einzelpersonen allein mit dem Auto fahren.
Monsanto verzeichnet Absatzsteigerung um 47 Prozent
Wie die österreichische Zeitung Die Presse am 05.04.2007 berichtet, führt die anhaltende Nachfrage nach Mais für Biosprit in den USA zu einer deutlichen Steigerung des Absatzes von Saatgut für gentechnisch veränderten Mais bei der US-Firma Monsanto.
Monsanto-Chef Hugh Grant hat Dienstagabend berichtet, dass der Gewinn im abgelaufenen Quartal um 23 Prozent gestiegen ist. Hauptgrund: Der Absatz von Gen-Mais-Saatgut ist um 47 Prozent gestiegen - und zwar wegen des Biosprit-Booms in den USA. In Amerika wird immer mehr aus Mais hergestellter Ethanol dem Benzin beigemischt. In Bälde wird das auch in Europa so sein.
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Großer Renner ist derzeit "Triple-stack"-Mais: Dieser ist unempfindlich gegen zwei Schadinsekten und gegen das Unkrautvertilgungsmittel Roundup Ready. Farmer, die Mais im großen Stil anbauen - in den USA auf Feldern mit 4000 und mehr Hektar -, sparen sich dadurch Arbeit und Spritzmittel, sie haben höhere Gewinne. Während es selbst in den USA bei Gen-Mais als Nahrungsmittel Ressentiments gibt, hat niemand etwas dagegen, diese Pflanzen für Biosprit zu verwenden. 52 Prozent des US-Mais sind gentechnisch verändert.
Der Klimawandel macht ein Umdenken erforderlich - und Verhaltensänderungen.
Der 2. Teil des Klimasachstandsberichtes der Vereinten Nationen liegt vor und wie erwartet, sind die Ergebnisse dramatisch. Aber wir wussten es doch vorher. Dass Wasser ein immer knapper werdendes Gut ist und dass der Klimawandel die Menschen in den ärmeren Ländern am stärksten trifft: Wer will behaupten, das seien neue Erkenntnisse?
Es wird diskutiert und geplant. Über alternative Energiegewinnung, über eine deutliche Erhöhung der Preise für Flüge. Darüber, wie wir Menschen in der westlichen Welt unser Leben so weiterleben können, wie bisher, ohne das Klima so stark zu beeinflussen wie bisher.
Vor einigen Tagen konnte man im Weblog von Franz Alt lesen, dass Mais und Weizen deshalb teurer werden, weil Landwirte sie für die Energieerzeugung verkaufen können. Ein Phänomen, das besonders Menschen in den armen Länder des Südens trifft.
Ähnliches konnten wir bereits vor einigen Wochen bei Telepolis über die Tortilla-Krise in Mexiko lesen. Durch den hohen Bedarf an Mais für Biosprit in den USA sind die Preise in Mexiko so gestiegen, dass viele Mexikaner den Mais zur Herstellung ihres Grundnahrungsmittels, der Tortillas, nun kaum noch bezahlen können.
Wir werden uns arrangieren mit dem Klimawandel. Vielleicht werden wir verärgert sein, wenn der Preis für die Pauschalreise um einen Betrag steigt, für den man vor ein paar Jahren noch einen Woche Mallorca buchen konnte. Aber wir werden ihnen zahlen.
In der Diskussion kommt aus meiner Sicht zu selten die Frage vor, wie der Verbrauch von Energie zu vermeiden wäre. Energie, die wir nicht verbrauchen, müssen wir nicht erzeugen.
Statt mit dem ökologisch für gut befundenen Hybridauto zu fahren, vielleicht doch den Bus nehmen oder gelegentlich zu Fuss gehen. Den Urlaub in der Karibik noch mal überdenken. (Ja Urlaub und Auto, das sind zwei besonders problematische Themen, bei denen viele Empfindlichkeiten existieren.) Beim Einkauf regionale Produkte bevorzugen, die keine langen Transportwege hinter sich haben. (Beim Discounter habe ich neulich Bio-Tomaten aus Ägypten gesehen. Was tut der umweltbewusste Verbraucher, wenn im gleichen Regal auch konventionelle Tomaten aus Holland liegen?)
Die Förderung alternativer Energien ist zweifellos wichtig und richtig. Aber sie ist nur die eine Seite der Medaille.
Warum wird nicht häufiger über die Reduzierung von Energieverbrauch - über das Energiesparen - diskutiert? Vielleicht, weil man es nicht kontrollieren und planen kann. Weil es bewusstes Handeln und häufig auch Verzicht der Menschen erfordert. Weil es sich nicht als der grosse Coup in der Klimapolitik verkaufen lässt. Weil sich nicht verbrauchte Energie ganz allgemein nicht verkaufen lässt. Weil es nicht beim Anderen ansetzt, sondern jeden in die Pflicht nimmt. Die "sollen doch erst mal die ..." Argumente verhindern oft eigene Konsequenzen.
Durch die Veränderung unsers Konsumverhaltens allein wird der Klimawandel nicht mehr zu stoppen sein. Aber ohne Verhaltensänderungen ganz sicher auch nicht. Den Preis für unser Konsumverhalten zahlen die Menschen in den Ländern des Südens.
Der Lembecker Bauer Hubert Loick will im Industriepark Dorsten-Marl eine 100 Megawatt Biogasanlage errichten.
Ist doch mal was Positives, was die WAZ Dorsten heute berichtet:
Landwirt Hubert Loick steigt mit seinen Biogasanlagen selbst zum Stromerzeuger auf. In fünf Jahren will er 100 Megawatt produzieren - genug für 60 000 Haushalte.(...) Wichtig ist Loick, dass seine Anlagen Technik und Tradition (seine Familie ist seit 450 Jahren in Lembeck zu Hause) verbinden. Der Anbau der Rohstoffe hält strikt Fruchtfolgen ("Getreide, Mais, Sonnenblume") ein, um die Böden nicht auszulaugen. Seine Anlagen erfüllen Industriestandard und stinken nicht dank ausgeklügelter Filter.
Angesichts des Klimawandels sind solche Maßnahmen so wichtig, wie das Energiesparen.
Ich hatte zwar schon davon gehört, aber es ist schön, das dann noch mal zu lesen. Leider bleiben die WAZ-Artikel nicht unter dem angegebenen URL verfügbar.
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