Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen in der IT-Branche
Germanwatch weist in einer Pressemitteilung auf zwei heute veröffentlichte Studien des europäischen Netzwerkes makeITfair zu Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen in der IT-Branche hin.

Die Elektronikindustrie verbraucht einen immer größeren Anteil der wertvollen Metalle der Welt, aber die Markenfirmen übernehmen bisher kaum Verantwortung für die Sozial- und Umweltbedingungen bei der Förderung der Rohstoffe für ihre Produkte der Informationstechnik (IT). Das neue europäische Netzwerk makeITfair hat in zwei heute veröffentlichten Studien aufgedeckt, dass bei der Rohstoffförderung häufig Menschenrechte verletzt werden und Umweltprobleme entstehen. So wird das Kobalt für Batterien in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) häufig von Kindern abgebaut, in Südafrika sind ganze Dörfer zwangsumgesiedelt worden, um Platin für die Computerindustrie zu fördern. makeITfair fordert Unternehmen wie Hewlett-Packard, Nokia, Philips und Sony auf, sich um die sozialen und ökologischen Risiken zu kümmern, die mit der Förderung von Metallen verbunden sind.
Die englischsprachigen Studien stehen auf der Internetseite von Germanwatch zum Download bereit, ebenso deutschsprachige Zusammenfassungen.
"makeITfair" ist ein europäisches Projekt zur Unternehmensverantwortung in der Informationstechnologie (IT). Nichtregierungsorganisationen aus Deutschland, den Niederlanden, Finnland, Schweden, Polen sowie aus dem Kongo, Indien und China arbeiten darin zusammen. Ziel ist es vor allem, Jugendliche und junge Erwachsene auf Probleme der IT-Industrie aufmerksam zu machen. Dabei stehen Produkte wie Handys, Laptops, Computer, iPods und MP3 Player im Zentrum des Projektes. Schwerpunkt des ersten Jahres sind die in der IT-Industrie verarbeiteten Rohstoffe sowie menschenrechtliche, soziale und ökologische Probleme im Zusammenhang mit ihrer Förderung.
In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal auf das Projekt PC global vonWEED hingewiesen, das sich ebenfalls mit der Nachhaltigkeit und dem Fairen Handel mit Computern befasst.
Brot für die Welt, die Diakonie-Katastrophenhilfe und Germanwatch stellen erste Ergebnisse eines gemeinsamen Studienvorhabens vor
Unter dem Titel Klimawandel und Ernährungssicherheit stellen die Organisationen Brot für die Welt, die Diakonie-Katastrophenhilfe und Germanwatch die ersten Ergebnisse eines gemeinsamen Studienvorhabens vor.
Die Autoren sehen deutliche Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernährungssicherheit
Der Klimawandel wird in vielen Teilen der Welt die Niederschlagsmuster verändern. Kommt beim Regenfeldbau der Regen nur wenige Wochen zu spät, oder ist die Verteilung auf wenige Starkregenereignisse konzentriert, kann dies gravierende Auswirkungen auf die Ernteergebnisse haben. (...)
Die verfügbaren Wasserressourcen werden erheblich knapper werden. Dies betrifft sowohl das Wasser für den persönlichen Bedarf wie für die Landwirtschaft. In zahlreichen Regionen werden zudem die Wetterextreme zunehmen. Starkregenereignisse, Hitzewellen, Überflutungen, Dürren, sowie die Heftigkeit von Hurrikanen, Taifunen und anderen starken Stürmen zunehmen. Der erwartete Anstieg des Meeresspiegels droht eine ganze Reihe der fruchtbarsten Ländereien weltweit in Küstenebenen und Flussdeltagebieten zu überfluten oder zu Versalzungen im Boden und im Grundwasser beizutragen.
Auch wenn wissenschaftliche Studien in ihrer Einschätzung der Folgen stark voneinander abweichen, muß von signifikanten negativen Auswirkungen ausgegangen werden, wenn der Temperaturanstieg zwischen einem und drei Grad liegt.
Bei einem Anstieg von ca. 2,5 °C werden ca. 45-55 Millionen zusätzliche Menschen von Hunger und Unterernährung betroffen sein, bei einem Anstieg oberhalb von 2,5 °C 65-75 Millionen Menschen. Jenseits eines Temperaturanstiegs von über 3 °C erwarten alle Studien einen Rückgang der Agrarproduktion dann auch in den gemäßigten Breiten. Bei 3-4 °C Temperaturanstieg erreichen die Schätzungen 80-125 Millionen Menschen, die zu-
sätzlich von Hunger und Unterernährung betroffen sein werden.
(...)
Sollte der Temperaturanstieg unterhalb von 2 °C bleiben, gehen die Studien davon aus, dass bis zu 1,5 Milliarden Menschen zusätzlich von Wasserknappheit betroffen sein könnten, eine Zahl, die bis zum Ende des Jahrhunderts wieder sinken wird, da die Wasserverbrauchs- und Wasseraufbewahrungstechniken sich erheblich verbessern werden. Jenseits eines Temperaturanstiegs von über 1,5 °C werden einer Studie zufolge 600 Millionen Menschen und bei einem Anstieg von bis zu 2,5 °C möglicherweise bis zu 2,4-3,1 Milliarden Menschen von zunehmender Wasserknappheit betroffen sein.
Die Autoren machen deutlich, dass von diesen Entwicklungen besonders Menschen in den Ländern des Südens betroffen sein werden
Einer südwestdeutschen Weinbauernfamilie kann eine Anpassung an den Klimawandel
durch Rebsortenwechsel und andere agrartechnische Maßnahmen möglicherweise erfolgreich gelingen. Sie hat die finanziellen Ressourcen, ist ausgebildet und hat einen Weinbauernverband, der sie qualifiziert berät. Eine Kleinbauernfamilie im bereits heute recht trockenen Norden von Ghana wird von Veränderungen im Klimagang ganz anders betroffen sein.
Veränderungen im Zeitpunkt des Regenfalls machen den üblichen Regenfeldbau möglicherweise nur noch eingeschränkt möglich. Extremregenfälle oder andere Wetterrisiken gefährden die Produktion zusätzlich. Die finanziellen Möglichkeiten der in der Regel von der Frau geführten Familie mit mehreren Kindern erlauben es nicht, eine Missernte zu verkraften. Es gibt keinen Anbauverband und keine Agrarberatung, Kredite für eine Produktionsumstellung sind nicht verfügbar und würden einer Frau ohnehin nicht ausgezahlt.
Neue Konzepte zur Anpassung von Familien, Dörfern und ganzen Regionen an den Klimawandel werden besonders wichtig sein,
Die größte Herausforderung für die Anpassung an den Klimawandel wird es allerdings sein, den nötigen politischen Willen bei den Regierungen zu mobilisieren, gerade für Themen, denen sie in den letzten Jahrzehnten schon keine Aufmerksamkeit haben zukommen lassen
Pflichtlektüre für alle, die sich mit Entwicklungsthemen befassen.
BUND, Attac und Germanwatch fordern anspruchsvolle Vereinbarung zum Klimaschutz
Germanwatch, Attac Deutschland und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben heute in Berlin ihre klimapolitischen Forderungen an die G8 vorgestellt.
Die drei Organisationen forderten eine anspruchsvolle Verabredung der G8-Staaten für einen wirksamen globalen Klimaschutz. Dazu gehörten die Anerkennung des so genannten Zwei-Grad-Zieles sowie eine Vereinbarung zur Reduktion der CO2-Emissionen der G8-Staaten um 30 Prozent bis zum Jahr 2020 und um 80 Prozent bis 2050 für die Industriestaaten. Notwendig sei zudem eine Absichtserklärung, in der sich die acht Staaten auf ein Aktionsprogramm verpflichten, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Für einen "klimapolitischen Verhandlungsbasar" sei es definitiv zu spät. Besser sei kein Klimaabschlussdokument als ein unzureichendes.
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Trotz der positiven deutschen Rolle im internationalen Kontext gefährdet die Bundesregierung ihre Glaubwürdigkeit durch ihre Energie- und Klimapolitik im eigenen Land. Sven Giegold vom Attac-Koordinierungskreis warf der Bundeskanzlerin Scheinheiligkeit vor. Die von Merkel favorisierten "freien Weltmärkte" seien Teil des Klimaproblems und nicht der Lösung. Auch die deutsche Rolle als Klimavorreiter sei scheinheilig. "Wer 28 neue Kohlekraftwerke im Land plant, ist ein Klimaheuchler und nicht -vorreiter", sagte Sven Giegold. Zentraler Grund hierfür sei die Verflechtung zwischen der Verschmutzerindustrien und den Politik. Dies gelte insbesondere für die vier großen Energiekonzerne E.On, Vattenfall, EnBW und RWE. Sven Giegold: "Klimapolitik braucht eine Trennung zwischen Wirtschaft und Staat. Die Energiekonzerne müssen zerschlagen und entflochten werden."
Klimaschädliche Konzernstrategie verletzt OECD-Leitsätze für Multinationale Unternehmen
Die umwelt- und entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation Germanwatch reichte heute bei der Nationalen OECD-Kontaktstelle im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eine Beschwerde gegen die Volkswagen AG ein.
VW verletze die OECD-Leitsätze für Multinationale Unternehmen.
Germanwatch wirft VW, u.a. aufgrund der klimaschädlichen Produktpalette und Konzernstrategie, die Verletzung der Leitsätze in 15 konkret benannten Fällen vor. So hat der Konzern in den letzten Jahren die besonders klimaschädlichen Modelle im Luxussegment und in der oberen Mittelklasse massiv ausgebaut und seine Marketingstrategie überwiegend auf diese Modelle konzentriert. Zudem hat VW aggressive Lobbyarbeit gegen Rahmensetzungen für Klimaschutz-Regelungen betrieben und dabei teilweise Fehlinformationen verbreitet. Auch ist der Konzern - laut einer Studie von Transport and Environment - von den großen deutschen Automobilkonzernen am weitesten davon entfernt, die 1998 mit der EU-Kommission vereinbarte Selbstverpflichtung (ACEA Agreement) einzuhalten. Insbesondere die Marken VW und Audi machen wenig Fortschritte bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes pro gefahrenem Kilometer.
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Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, fügte hinzu: "Wir haben VW seit vielen Jahren gedrängt, ein Ein-Liter-Auto zu entwickeln. Auf tragikomische Weise hat der Konzern dies umgesetzt. Der Bugatti Veyron verbraucht tatsächlich einen Liter bei voller Fahrt, aber nicht pro hundert Kilometer, sondern pro Kilometer." Bals machte deutlich: "Bei den heute beginnenden UN-Klimaverhandlungen ringen die Regierungen um ein Konzept zur Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels. Es ist nicht akzeptabel, dass Unternehmen dieses erklärte Ziel der Weltgemeinschaft durch ihre Unternehmensstrategie und Produktpalette unterlaufen."
Autoren des Berichts zur Lage der Welt 2007 sehen Frustration, Ermüdung und mancherorts den Abbau lokaler Agenda-Strukturen
Am 3. Mai.2007 präsentierten Germanwatch und die Heinrich-Böll-Stiftung die deutsche Ausgabe des "Berichts zur Lage der Welt 2007".
Die Studie betont die entscheidende Verantwortung der Städte für die Zukunft der Welt:
Ob die verheerendsten Folgen der drohenden Klimakatastrophe und des globalen Wandels abgewendet werden können, hängt vor allem von der Entwicklung in den wachsenden urbanen Ballungsräumen der Welt ab. Sie seien deshalb der Schlüssel zum Weg aus der Klimakatastrophe.
Gunther Hilliges, Mitautor der deutschen Ausgabe und langjähriges Vorstandsmitglied von Germanwatch, unterstrich:
"Weltweit gibt es mehr als 500.000 Kommunen. Sie bedecken zwar nur zwei Prozent der Erdoberfläche, verbrauchen aber mehr als 80 Prozent aller Ressourcen. Kommunen sind das einzige globale Netzwerk, das sich die Menschen geschaffen haben und ohne das nachhaltige Entwicklung unerreichbar bleibt. Ihre Einbeziehung in den Globalisierungsprozess muss durch die Staaten systematisch gefördert werden. Probleme und positive Möglichkeiten liegen eng und noch unerkannt beieinander."
Nach Ansicht der Autoren gerät ein wichtiger kommunaler Innovationsmotor, der Prozess der Lokalen Agenda 21, ins stottern.
In Deutschland haben sich diesem Prozess ohnehin nur 20,5 Prozent der Kommunen angeschlossen (in den Niederlanden, Großbritannien und Dänemark sind es über 80 Prozent). Zu oft liegen in den Kommunen Beteiligungs- und Entscheidungskompetenzen, Wissen und Handeln, Verwaltung und zivilgesellschaftliches Engagement weit auseinander. Das Ergebnis ist Frustration, Ermüdung und mancherorts ein Abbau der Agenda-Strukturen. Die Konsequenzen daraus können nur sein, dass Bürgerbeteiligung künftig weniger in Parallelstrukturen oder jenseits von Verwaltung und Politik stattfindet, sondern dass Möglichkeiten zur Implementierung neuer Ideen von vornherein berücksichtigt und dafür auch Gratifikationen wie Qualifizierung, Anerkennung und Ownership aller Stakeholder bei der Umsetzung vorgesehen werden. Die Möglichkeiten für kommunales Engagement in Handlungsfeldern wie Klima- und Umweltschutz, Bürgerbeteiligung, Bürgerhaushalt, Fairer Handel und Partnerschaften für nachhaltige Entwicklung sind noch lange nicht ausgeschöpft. Dafür wird immer wieder und erneut Mut zu Handeln gebraucht. Mut, um "Globalisierung von unten" mitzugestalten, Mut auch dazu, die eigene Rolle in globalen Prozessen zu stärken und zu verbessern.
Kirchen, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen haben sich zu einer Allianz zusammengeschlossen.
über 40 Organisationen darunter die evangelische und katholische Kirche, Entwicklungsorganisationen, Umweltverbände und weitere Organisationen haben sich heute zu einer Klima-Allianz zusammengeschlossen, darunter der Evangelische Entwicklungsdienst, Brot für die Welt, die Diakonie Katastrophenhilfe, Misereor, der BUND, die DUH, Greenpeace, NABU der WWF sowie Germanwatch, WEED und attac.
Weitere Unternehmen, Gewerkschaften und Organisationen sind dazu eingeladen, sich dem Bündnis anzuschließen.
Auf der Homepage der Klima-Allianz heißt es:
Insgesamt über 40 Organisationen veröffentlichten am 24. April 2007 einen gemeinsamen Aufruf für eine entschlossenere Klimapolitik.
Erstmalig in Deutschland tritt damit ein breites Bündnis an, um gemeinsam den Klimawandel zu stoppen.
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Die Bundesregierung muss nach Auffassung der Klima-Allianz zusätzliche Finanzmittel zur Armutsbekämpfung und für Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländern aufbringen. Der Anteil der Entwicklungshilfe am Bruttosozialeinkommen müsse bis 2015 auf 0,7 Prozent erhöht werden. Dies sollte durch die Einführung einer Flugticketabgabe unterstützt werden. Die CO2-Zertifikate beim Emissionshandel sollten umgehend versteigert werden, nicht erst nach 2012, wie derzeit von der Bundesregierung vorgesehen. Ihrer internationalen Verantwortung müsse die Bundesregierung auch beim bevorstehenden G8-Gipfel und bei den Klimaverhandlungen gerecht werden.