Städte entscheiden über die Zukunft der Welt
Autoren des Berichts zur Lage der Welt 2007 sehen Frustration, Ermüdung und mancherorts den Abbau lokaler Agenda-StrukturenAm 3. Mai.2007 präsentierten Germanwatch und die Heinrich-Böll-Stiftung die deutsche Ausgabe des "Berichts zur Lage der Welt 2007". Die Studie betont die entscheidende Verantwortung der Städte für die Zukunft der Welt:
Ob die verheerendsten Folgen der drohenden Klimakatastrophe und des globalen Wandels abgewendet werden können, hängt vor allem von der Entwicklung in den wachsenden urbanen Ballungsräumen der Welt ab. Sie seien deshalb der Schlüssel zum Weg aus der Klimakatastrophe.
Gunther Hilliges, Mitautor der deutschen Ausgabe und langjähriges Vorstandsmitglied von Germanwatch, unterstrich:
"Weltweit gibt es mehr als 500.000 Kommunen. Sie bedecken zwar nur zwei Prozent der Erdoberfläche, verbrauchen aber mehr als 80 Prozent aller Ressourcen. Kommunen sind das einzige globale Netzwerk, das sich die Menschen geschaffen haben und ohne das nachhaltige Entwicklung unerreichbar bleibt. Ihre Einbeziehung in den Globalisierungsprozess muss durch die Staaten systematisch gefördert werden. Probleme und positive Möglichkeiten liegen eng und noch unerkannt beieinander."
Nach Ansicht der Autoren gerät ein wichtiger kommunaler Innovationsmotor, der Prozess der Lokalen Agenda 21, ins stottern.
In Deutschland haben sich diesem Prozess ohnehin nur 20,5 Prozent der Kommunen angeschlossen (in den Niederlanden, Großbritannien und Dänemark sind es über 80 Prozent). Zu oft liegen in den Kommunen Beteiligungs- und Entscheidungskompetenzen, Wissen und Handeln, Verwaltung und zivilgesellschaftliches Engagement weit auseinander. Das Ergebnis ist Frustration, Ermüdung und mancherorts ein Abbau der Agenda-Strukturen. Die Konsequenzen daraus können nur sein, dass Bürgerbeteiligung künftig weniger in Parallelstrukturen oder jenseits von Verwaltung und Politik stattfindet, sondern dass Möglichkeiten zur Implementierung neuer Ideen von vornherein berücksichtigt und dafür auch Gratifikationen wie Qualifizierung, Anerkennung und Ownership aller Stakeholder bei der Umsetzung vorgesehen werden. Die Möglichkeiten für kommunales Engagement in Handlungsfeldern wie Klima- und Umweltschutz, Bürgerbeteiligung, Bürgerhaushalt, Fairer Handel und Partnerschaften für nachhaltige Entwicklung sind noch lange nicht ausgeschöpft. Dafür wird immer wieder und erneut Mut zu Handeln gebraucht. Mut, um "Globalisierung von unten" mitzugestalten, Mut auch dazu, die eigene Rolle in globalen Prozessen zu stärken und zu verbessern.