30.05.2010

Die UN-Behindertenrechtskonvention umsetzen - Inklusive Bildung verwirklichen

Offener Brief des NRW-Bündnisses Eine Schule für Alle an die Fraktionen des neu gewählten Landtages NRW

Inklusionsfest NRW 05.05.2010

z.H. Frau Hannelore Kraft, SPD, Herrn Dr. Jürgen Rüttgers, CDU, Herrn Prof. Dr. Andreas Pinkwart, FDP, Frau Sylvia Löhrmann, Bündnis 90/Die GRÜNEN, Frau Bärbel Beuermann, Die LINKE

Sehr geehrte Damen und Herren,

bei der Landtagswahl in NRW war Bildungspolitik offensichtlich ein wahlentscheidendes Thema. Die Angstkampagne, die von der alten Landesregierung gegen die "Einheitsschule" massiv geschürt wurde, ist ins Leere gelaufen. Die Abwahl der schwarz-gelben Regierung beweist: Die Mehrheit der Bevölkerung in NRW will einen umfassenden Richtungswechsel in der Bildungspolitik.

Darüber freuen wir uns.

Durch das "Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen" hat sich das Land NRW wie auch die anderen Bundesländer verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem zu entwickeln. Dies wird die zentrale Aufgabe für die Bildungspolitik der nächsten Jahre in diesem Land sein.

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19.05.2010

Auf dem Weg zur inklusiven Schule

Veranstaltung am 09.06.2010 in Dorsten Rennende Kinder

Unsere Dorstener Elterninitiative ist bisher im "Real Life" noch nicht so richtig in Erscheinung getreten, weshalb wohl auch die Zahl derer, die regelmäßig zu den Treffen kommen, zumindest hinter meinen Erwartungen deutlich zurück bleibt. Gleichzeitig beobachte ich in Dorsten eine eher problematische Entwicklung in Sachen Inklusion. Der Schulausschuß beschließt, dass bei der Schulentwicklungsplanung die Grundschulen und Förderschulen in gesonderten Phasen behandelt werden. Inklusion ist dabei kein Thema.

Die Dorstener Verwaltung beruft sich laut Schuldezernent Baumeister dabei auf ein Urteil des VGH Hessen, nach dem derzeit keine innerstaatliche Verpflichtung zur Umsetzung der UN-Konvention besteht, übersieht dabei allerdings scheinbar, dass im Urteil ausdrücklich der 26. März 2011 als Termin genannt wird, bis zu dem die Länder Zeit haben, die Rechte aus der UN-Konvention umzusetzen.

Ein Schulentwicklungsplan wird nicht nur für ein Jahr gemacht. Ein Schulentwicklungsplan, der jetzt die Inklusion ausklammern will, hat ein eindeutiges Verfallsdatum. Neben der Ignoranz, die die Dorstener Verwaltung gegenüber den Rechten unserer Kinder an den Tag legt, stellt sich auch die Frage, ob wir es uns leisten können, den kostspieligen Planungsprozess bereits in wenigen Monaten von vorn zu beginnen.

In Dorsten wird das Kompetentzentrum als die Instanz angesehen, die uns in Sachen Inklusion den Segen bringt. Die Beteiligung von Eltern am Planungsprozess ist aber nicht vorgesehen. Elternverbände wie Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen lehnen Kompetenzzentren zumeist ab. Trotz guter Kontakte zum Kompetenzzentrum hie in Dorsten sehe ich die Institution ebenfalls nach wie vor kritisch. Ich denke, eine öffentliche Begleitung des Inklusionsprozesses in Dorsten tut Not. Die Forderung "Nicht ohne uns, über uns" gilt auch hier.

Wir möchten das Thema Inklusion in Dorsten jetzt stärker ins öffentliche Bewusstsein bringen.

Deshalb laden wir am 09.06.2010 ein, zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion zur Umsetzung der UN-Konvention um 19:00 im Jüdischen Museum Westfalen (Weg) in Dorsten.

Als Referenten haben wir den Juristen und ehemaligen Kinderbeauftragten von NRW, Dr. Reinald Eichholz eingeladen.

17.12.2009

Koalitionszwang geht in NRW vor Menschenrecht

Presseerklärung des NRW-Bündnisses »Eine Schule für alle«

Am 16. Dezember 2009 lehnte die Mehrheit der Abgeordneten im NRW-Landtag in namentlicher Abstimmung den Entschließungsantrag von SPD und Grünen zur schulische Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ab.

Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention vor einem Jahr gilt auch für NRW, dass niemand wegen seiner Behinderung aus dem allgemeinen Schulsystem ausgeschlossen werden darf. Seitdem warten betroffene Eltern und ihre Kinder sowie Schulen und Lehrer vergeblich darauf, dass die notwendigen schulrechtlichen Änderungen und umfassenden Planungen für eine inklusive Schulentwicklung landespolitisch auf den Weg gebracht werden.

Wie bereits im Schulausschuss des Landtages am 09.12.2009 verhinderte auch jetzt die FDP mit ihrer Blockadehaltung, dass ein überfraktioneller Konsens erzielt werden konnte.

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11.12.2009

Die Latte hängt ziemlich hoch

Mit dem Kindeswohl lässt sich die Beibehaltung des bestehenden Förderschulsystems nicht begünden.

Ich habe kürzlich hier auf die Position des NRW-Bündnisses "Eine Schule für alle" hingewiesen, dass mit der UN-Konvention die Diskussion beendet ist, ob Kinder mit Behinderungen besser in Förderschulen oder besser im allgemeinen Schulsystem lernen. Nach der Ratifizierung stellt sich diese Frage nicht mehr, denn die UN-Konvention gewährt Kindern das Recht auf Teilhabe an einem Inklusiven Schulsystem. Da kann es nur noch um das "Wie", nicht mehr um das "Ob" gehen.

In der Diskussion wird aber immer wieder gern auf Art. 7, Abs 2 der UN-Behindertenrechtskonvention (PDF) verwiesen, nach dem bei allen Maßnahmen, die Kinder mit Behinderungen betreffen, [...] das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt (ist), der vorrangig zu berücksichtigen ist. so dem Vernehmen nach auch wieder bei der Diskussion im Schulausschuss des NRW-Landtags am 09.12.2009. Der Einwand lautet, neue wissenschaftliche Erkenntnisse könnten es doch notwendig machen, die Inklusion noch mal zu überdenken, wenn das Ergebnis sei, dass Kinder in Förderschulen vielleicht doch irgendwie besser lernen als im GU. Das will ja die BELLA-Studie herausgefunden haben.

Ich halte diesen Einwand für nicht stichhaltig, denn das Kindeswohl kann nicht vom Anspruch auf Teilhabe an einem inklusiven Schulsystem gem. Art 24 BRK getrennt werden.

Zum Kindeswohl gehört ja gerade die gesellschaftliche Teilhabe oder - um die UN-Kinderrechtskonvention zu zitieren - die "möglichst vollständige soziale Integration und individuelle Entfaltung des Kindes einschließlich seiner kulturellen und geistigen Entwicklung" Keine andere Zielsetzung verfolgt die UN-Behindertenrechtskonvention, indem sie das Recht auf Teilhabe an einem inklusiven Schulsystem formuliert. Auf die Frage, in welcher Schule das Wohl von Kindern mit Behinderung grundsätzlich am besten umgesetzt wird, kann die allgemeine Antwort dehalb nur lauten: "In einer inklusiven Schule". Bei der Ausgestaltung des Schulsystems kann das Kindeswohl also nicht als Argument gegen Inklusion herangezogen werden. Hier stellt sich die Frage nach dem "Ob" tatsächlich nicht mehr.

Mit dem Kindeswohl lässt sich die Beibehaltung des bestehenden Förderschulsystems nicht begünden. Selbst wenn das Erlernen "arbeitsrelevanter Basiskompetenzen" in Förderschulen in höheren Klassen besser funktionieren würde, könnte man wohl kaum argumentieren, das Kindeswohl sei in diesen Schulen deshalb besser gewährleistet.

Nur im Einzelfall - und nur der ist ja bei der Frage des Kindeswohls letztlich von Bedeutung - kann eine Abwägung darüber erforderlich werden, ob das Wohl eines einzelnen Kindes besser gewährleistet ist, wenn es nicht im allgemeinen Schulsystem lernt. Aber selbst dabei kann es nicht allein um die Frage gehen, für welche Schule in Studien die beste Lernleistung prognostiziert wird, sondern auch bei dieser Abwägung muss dass individuelle Kind mit all seinen kulturellen und sozialen Bedürfnissen im Mittelpunkt stehen.

Es geht beim Recht auf inklusive Schulbildung um mehr, als um den Bildungsweg eines Kindes. Die Entscheidung über die Schule ist bei Kindern mit Behinderung i.d.R. eine Entscheidung über den Lebensweg. Die Einweisung von Kindern in Förderschulen gegen den Elternwillen bedeutet einen Eingriff in das in Artikel 6 GG garantierte Erziehungsrecht der Eltern, der sich sicher nicht allein mit einzelnen Studien begründen lässt. Es ist inzwischen auch weitgehend unbestritten, dass die Ausgrenzung eines Kindes aus dem Allgemeinen Schulsystem gegen das Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes und der UN-Konvention verstößt.

Die Latte des Kindeswohls häng also ziemlich hoch. In der Abwägung der Rechtsgüter kann die Argumentation, arbeitsrelevante Basiskompetenzen könnten in Förderschulen vielleicht besser gelernt werden, kaum massgeblich sein.

Die Debatte ist zu Ende, es gibt keinen Grund, dass Fass erneut aufzumachen!

01.12.2009

Es geht um das »Wie« nicht um das »Ob«

Offener Brief des NRW-Bündnisses »Eine Schule für Alle« an die Landtags-Fraktionen zur BELLA-Studie

Diesen offen Brief haben wir vom NRW-Bündnis Eine Schule für Alle heute an die Fraktionen im Landtag geschickt

An die Fraktionen der Parteien im
Landtag Nordrhein-Westfalen

z.H. Frau Hannelore Kraft, SPD . Herrn Helmut Stahl, CDU . Herrn Dr. Gerhard Papke, FDP . Frau Sylvia Löhrmann, Bündnis 90/Die GRÜNEN

Als Titelthema im aktuellen Amtsblatt Schule veröffentlichte das NRW-Schulministerium am 15.11.2009 einen Beitrag von Ellen Brodesser, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Humboldt-Universität Berlin, über die sog. BELLA-Studie. Dabei handelt es sich um eine Erhebung, bei der im Mai 2006 die arbeitsrelevanten Basiskompetenzen von Jugendlichen mit Förderbedarf "Lernen" untersucht wurden. Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass das Lernen in speziellen Förderzentren in den höheren Klassen generell besser funktioniere als bei integrativer Beschulung.

Die genannte Studie ist in sonderpädagogischen Fachkreisen höchst umstritten (vgl.z.B. die Stellungnahme von Prof. Ulf Preuss-Lausitz im Anhang), im Amtsblatt kommen diese kritischen Stimmen jedoch nicht zu Wort.

Die aktuelle Veröffentlichung im Amtsblatt steht im Zusammenhang mit der derzeit intensiv geführten Debatte um die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die der deutsche Bundestag Ende 2008 ratifiziert hat. Nach der UN-Konvention haben alle Kinder, auch die mit Behinderung, das Recht auf Zugang zu einem inklusiven Schulsystem in der Primar- und Sekundarstufe. Mit der Ratifizierung ist dieser Anspruch in Deutschland geltendes Recht geworden. Das Recht auf Inklusion hat also den Charakter eines Menschenrechtes.

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27.09.2009

Inklusion-dorsten.de

Unsere Elterninitiatve hat jetzt eine Homepage. In Zukunft findet ihr Informationen zu Inklusion in Dorsten und anderswo unter

http://www.inklusion-dorsten.de

21.09.2009

Dorstener Elterninitiative fordert Ausbau des Gemeinsamen Unterrichts

»Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen« - Dorsten, Elterninitiative für inklusive Schulbildung

Am vergangenen Donnerstag hat sich unsere Elterninitiative zum ersten Mal getroffen. Hier eine Presseinformation, die ich heute an die lokale Presse geschickt habe.

Presseinformation

Elterninitiative fordert Ausbau des Gemeinsamen Unterrichts

Beim ersten Treffen der neu gegründeten Elterninitiative für inklusive Schulbildung in Dorsten trafen sich am vergangenen Donnerstag Eltern, Pädagogen und interessierte Unterstützer, um Informationen und Erfahrungen über den Gemeinsamen Unterricht auszutauschen.

Die Anwesenden waren sich einig, dass es in Dorsten bei Umfang und Ausgestaltung des Gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne Behinderung noch erhebliche Defizite gibt. Sowohl in der Grundschule als auch in der Sekundarstufe reichen die Plätze nicht aus. Jedes Jahr werden viele Kinder gegen den Willen ihrer Eltern nicht in Regelschulen aufgenommen, sondern in Förderschulen ausgegrenzt. Eltern, deren Kinder bereits in integrativen Kindergärten und Grundschulen aufgenommen sind, können nie sicher sein, dass die Integration auch in Zukunft weitergeführt wird.

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11.09.2009

Gemeinsames Lernen für alle Kinder

Nach unserer Pressemitteilung hat uns letzten Dienstag ein Journalist der WAZ Dorsten besucht. Heute kann man das Ergebniss des Gespräches bereits online lesen, ich gehe mal davon aus, morgen erscheint es auch in der gedruckten WAZ

„Förderschule” klingt eigentlich ganz freundlich. Dass Kinder mit Förderbedarf dorthin sortiert werden, nennen Antje und Michael Baumeister allerdings Ausgrenzung. Unter gleich benachteiligten Kindern aufzuwachsen, behindere die Integration in die Gesellschaft, urteilen sie. „Im Grunde dürfte es dieses ausgrenzende Schulsystem gar nicht geben.” Die Holsterhausener Familie will darum einen Elternkreis in Dorsten gründen, der sich für gemeinsames Lernen aller Kinder einsetzt.

03.09.2009

Gemeinsamer Unterricht - Eltern kämpfen für Gleichbehandlung behinderter Kinder

Nach der Presseinformation von vorgestern berichtet die Dorstener Zeitung heute über unsere Elterninitiative.

DORSTEN Eine Gruppe von Eltern, deren Kinder aufgrund von Behinderung oder aus anderen Gründen sonderpädagogische Förderung benötigen, will sich in Dorsten verstärkt mit den Themen Inklusion und gemeinsamer Unterricht befassen.

Bookmarks der letzten Wochen

Ich habe mein Blog in der letzten Zeit etwas stiefmütterlich behandelt, meine Leser mögen es mir verzeihen.

Trotzdem hat sich einiges angesammelt und ich fasse mal ein paar wichtge Links aus meinen Bookmarks hier zusammen:

Prozess verloren

Lucas darf nicht zur Europäischen Schule

Ich hatte ja hier ein paar mal über Lucas Katsioulis berichtet, der in Brüssel zur Europäischen Schule gehen sollte. Die Schule hat aber wegen seines Autismus immer abgelehnt, ihn zu unterrichten, obwohl aus Sicht der Eltern die verhaltenstherapeutische Methode ABA gute Möglichkeiten bietet, in integrativ zu beschulen. Gutachter hatten das bestätigt.

Eben habe ich erfahren, das ein Gericht nun gegen Lucas' Schulaufnahme entschieden hat, weil die UN-Konvention für die europäische Schule nicht gelte.

Europäische Schulen sind Schulen für Kinder, deren Eltern in europäischen Institutionen arbeiten. Sie werden gemeinsam von den Regierungen der Mitgliedstaaten der EU gegründet. Konkret bedeutet das wohl, dass auch unsere Regierung eine Menge Geld in eine solche Schule investiert und trotzdem das Menschenrecht auf inklusive Schulbildung dort mit Füßen getreten werden darf.

Für Lucas Vater, der für die Belange Behinderter Menschen im Europaparlament zuständig ist, bedeutet das jetzt möglicherweise, dass er seinen Job aufgeben muß, denn für Lucas gibt es keine deutschsprachige schulische Alternative in Brüssel.

Man bekommt vor Gericht ein Urteil, aber nicht immer Recht!

01.09.2009

Presseinformation

Elterninitiative setzt sich für inklusive Schulbildung in Dorsten ein

Anders als in den meisten Ländern Europas werden Kinder mit Behinderungen und besonderem Förderbedarf in Deutschland überwiegend in speziellen Förderschulen unterrichtet, oft gegen den Willen ihrer Eltern.

Viele Eltern verstehen die Zuweisung zur Förderschule als Ausgrenzung. Kinder, die von anderen Kinder getrennt unter "ihresgleichen" aufwachsen, werden in ihrer Integration in die Gesellschaft behindert. Keine noch so gute Förderung kann das gemeinsame Lernen mit anderen Kindern ersetzen. Vom gemeinsamen Lernen profitieren zudem auch die Kinder, die keinen besonderen Förderbedarf haben.

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24.08.2009

Festival: Jeder ist anders jeck!

Der Köllner Mittendrin e.V. lädt ein, zum »Eine-Schule-für-Alle-Festival« am 05.09.2009 im Trude-Herr-Park

Am Samstag, 5. September 2009 steigt das "Eine Schule für Alle"-Festival im Kölner Trude-Herr-Park (13 bis 19 Uhr) unter dem Motto:

Jeder ist anders jeck!

Zwei Jahre nach dem Kölner Ratsbeschluss zur Verdoppelung der Plätze im Gemeinsamen Unterricht, eine Woche nach der Kommunalwahl und acht Monate vor der Landtagswahl denken wir:

Wenn die Politik nicht vorankommt, dann werden wir die "Schule für Alle" jetzt herbeifeiern!

Das Festival "Jeder ist anders jeck" ist ein familientaugliches Musikspektakel, umsonst und draußen, bei dem Kinder und Erwachsene mit Behinderung ganz selbstverständlich dabei sind und dazu gehören.

23.08.2009

Elterninitiative für Inklusive Schulbildung in Dorsten

Am Donnerstag, 17.09.2009 um 19:30 Uhr möchten wir uns mit anderen Eltern treffen, um Inklusion in Dorsten voranzutreiben. Die Dorstener Grünen stellen uns netterweise ihren Besprechungsraum im Grünen Büro zur Verfügung.

Hier die Einladung.

Guten Tag, wir sind Eltern eines 8-jährigen Sohnes mit Down-Syndrom, der zur Zeit den Gemeinsamen Unterricht der Antonius-Schule besucht.

In den vergangenen Monaten haben wir mit vielen anderen Eltern aus Dorsten gesprochen, deren Kinder behindert sind oder aus anderen Gründen sonderpädagogische Förderung brauchen. Der größte Teil dieser Eltern möchte, dass ihre Kinder die notwendige Förderung nicht in Förderschulen, sondern im Gemeinsamen Unterricht mit anderen Kindern erhalten.

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12.08.2009

»Meine Tochter hat keine Schule mehr«

Über Lucas Katsioulis, der an der Europäischen Schule in Brüssel vom Unterricht ausgeschlossen wurde, habe ich ja mehrmals berichtet.

Kobinet berichtet nun von weiteren Eltern aus Brüssel, die ebenfalls Erfahrungen mit dem Ausschluss ihrer behinderten Kinder aus dem allgemeinen Schulwesen machen mußten.

Dass Inklusion Menschenrecht ist, ist dort offenbar noch nicht verstanden worden.

Wegweiser für Eltern zum Gemeinsamen Unterricht

Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karin Evers-Meyer, hat zusamen mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen e.V. eine Broschüre herausgegeben, in der Eltern eine Übersicht über die Regelungen zum gemeinsamen Unterricht und rechtlich Hinweise zum Umgang mit Schulbehörden erhalten. (via Kobinet)

15.07.2009

Warten auf Antwort

Inklusive Schulbildung in Dorsten

Der Rücklauf auf unsere Anfrage an Dorstener Parteien ist schleppend, lediglich die Linke hat geantwortet, vom CDU-Bürgermeister habe ich immerhin eine Eingangsbestätigung und die Zusage bekommen, Mitte des Monats zu antworten.

bei SPD, FDP, und Grünen habe ich deshalb eben nochmal nachgefragt.

Betr.: Inklusive Schulbildung in Dorsten

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 24.06.2009 haben meine Frau und ich Ihnen und einigen anderen Parteien in Dorsten per Mail verschiedene schulpolitische Fragen gestellt. Bis heute haben wir leider weder eine Eingangsbestätigung noch eine Antwort erhalten.

Ich erlaube mir deshalb, heute noch einmal an unsere Mail zu erinnern, verbunden mit der Frage ob bzw. wann wir mit einer Antwort rechnen können.

Auch wenn Sie nicht beabsichtigen, unserer Fragen zu beantworten, wäre es nett, wenn Sie uns dies kurz mitteilen würden.

Mit freundlichem Gruß
Michael Baumeister

Update 12.08.2009

Vor meinem Urlaub war ich am 22.07. bei Susanne und Günther Fraund von den Dorstener Grünen zum Gespräch eingeladen und hatte die Möglichkeit, sehr ausführlich mit ihnen meine Fragen zu erörtern.

Bürgermeister Lütgenhorst von der CDU hat mich ebenfalls zu einem Gespräch eingeladen, gemeinsam mit dem Schuldezernenten Gerd Baumeister (nicht verwandt). Der Termin steht aber noch aus.

Von der FDP habe ich eine Mail bekomen, dass ich natürlich noch Antwort erhalten werde. Aber die Antwort kam noch nicht.

Von der SPD habe ich noch gar nichts gehört und habe eben noch mal über das Kontaktformular auf der Homepage nachgefragt. Vielleicht hat mich ja der sozialdemokratische Spamfilter geschluckt. Würde mich nicht wundern.

Ich plane, noch mal eine Zusammenfassung zu schreiben, wenn ich von allen Parteien Antworten bekommen habe oder sicher bin, sie nicht mehr zu bekommen.

Update 2

Gerade habe ich eine Antwort von Hans-Willi Niemeyer von der SPD auf meine Nachfrage erhalten. Meine Mails seien dort nicht eingegangen. Ich habe sie nochmals verschickt.

04.07.2009

Die Dorstener und die Gesamtschule

Montessori-Schule in Dorsten als Gesamtschule geplant

Die einzige Gesamtschule in Dorsten musste zum vergangenen Schuljahr 76 Kinder abweisen, hinzu kommt dass die Gesamtschule in Schermbeck, ebenfalls im Dorstener Einzugsbereich, 84 Kindern eine Absage erteilen musste. Für die CDU in Dorsten kein Grund, sich den Forderungen nach einer weiteren Gesamtschule zu öffnen. Im vorläufigen Kommunalwahlprogamm der CDU heißt es:

Für den Erhalt und die Fortentwicklung des gegliederten, begabungsgerechten Schulsystems in Dorsten. Nur dieses bietet allen Kindern und Jugendlichen die besten Chancen. Die Einrichtung einer weiteren Gesamtschule lehnt die CDU ab. http://www.cdudorsten.de/schule_und_bildung.php Hervorhebung von mir.

Auf mich wirkt das sehr ideologisch. Es geht nicht darum, die Schulen zu unterstützen, die die beste Förderung für unsere Kinder leisten können, sondern es geht vor alle darum, dass das bestehende dreigliedrige Schulsystem nicht in Frage gestellt wird und das bestehende Schulen nicht geschlossen werden, völlig egal wie sinnvoll ihr Erhalt auch ist.

Schon im vergangen Jahr lehnte die Dorstener Junge Union eine weitere Gesamtschule als rot-rot-grüne Einheitsschule ab.

Auch für die FDP ist klar, das es mit ihr keine neue Gesamtschule geben wird.

Seit kurzem plant die Dorstener Montessori-Schule die Erweiterung in der Sekundarstufe. Dagegen hat keine der Dorstener Parteien etwas, auch der CDU-Bürgermeister sieht die Planung durchaus positiv.

Neulich kam in einem Blogkommentar schon mal die Frage auf, ob die Dorstener Montessori-Schule denn auch eine Gesamtschule werde. Durch einen Leserbrief in der Dorstener Zeitung bin ich heute nochmal darauf aufmerksam geworden und habe bei der Schule nachgefragt. Von der Schulleitung wurde mir eben bestätigt, dass eine integrative Gesamtschule geplant ist. Die Genehmigung kommt von der Bezirksregierung, die Stadt ist dafür nicht zuständig.

Als Privatschule ist eine Gesamtschule in Dorsten bei den Mehrheitsparteien durchaus akzeptiert, als öffentliche Schule wird sie abgelehnt.

Ich habe nichts gegen die Montessori-Schule, im Gegenteil. Ich fände es allerdings fatal, wenn Eltern, die in Dorsten qualitativ hochwertigen gemeinsamen Unterricht in der Sekundarstufe für ihre Kinder wollen, diesen über die wenigen integrativen Plätze in Wulfen hinaus nur an einer Privatschule bekommen könnten, mit deren Besuch Kosten verbunden sind.

Das ist ausdrücklich keine Kritik am Montessori-Konzept. Die können ja nichts dafür, wenn die öffentlichen Träger in der Schulpolitik versagen.

Ich sehe die Neugründung einer weiteren öffentlichen Gesamtschule in Dorsten als dringend geboten an. Ich bin sicher, dass das Recht auf inklusive Schulbildung innerhalb des derzeitigen Schulsystems dort am besten realisiert werden kann. Hauptschulen halte ich für ungeeignet dafür und bei den anderen Schulen fehlt in der Regel die Bereitschaft. Eine echte Alternative sehe ich zur Zeit nicht. Gemeinsamer Unterricht an einem Gymnasium wäre vielleicht noch eine Option.

Ich warte übrigens noch auf die Antworten der Parteien auf meine Fragen vom 24.06.. Die Linkspartei hat inzwischen geantwortet. Von Bürgermeister Lütkenhost habe ich eine Eingangsbestätigung und den Hinweis erhalten, er werde Mitte Juli antworten. Von SPD, FDP und Grünen habe ich noch nichts gehört.

Landsschaftsverband Rheinland plant neue Förderschule

NRW Behindertenbeauftragte warnt davor, Förderschulkinder zu diskriminierten

Der Landschaftsverband Rheinland plant, in Bornheim eine neue Förderschule mit dem Schwerpunkt Sprache zu bauen.

Da gehen sie hin, die Steuergelder. Trotz UN-Konvention, die das Land NRW in die Pflicht nimmt, Kindern mit Behinderung gleichberechtigten Zugang zu einem inklusiven Schulsystem zu gewähren, werden 5 Mio Euro für eine weitere Förderschule ausgegeben. Die Zahl der Plätze im gemeinsamen Unterricht wurden hingegen in NRW in den letzten drei Jahren um gerade mal 2,8% erhöht, obwohl nach wie vor über 85% aller Kinder mit Förderbedarf Sonderschulen besuchen.

Mit solchen Maßnahmen werden die herrschenden Zustände etabliert.

20 Elternvereine aus Nordrhein-Westfalen haben kürzlich gegen das Bauvorhaben protestiert.

Der LVR handelt, als ob es die Behindertenrechtskonvention nicht gebe. Er reagiert reflexhaft auf die Tatsache, dass die allgemeinen Schulen zunehmend schwierige, behinderte, auffällige oder sprachgestörte Kinder abweisen und damit in die Förderschulen abschieben. Die LVR-Förderschule in Köln-Flittard ist längst überlastet. Doch anstatt nach mehr Möglichkeiten zur Integration im Sinne der UN-Konvention zu suchen, baut der LVR eine neue Schule. Mit der pauschalen Begründung, er sei gesetzlich dazu gezwungen.

Wir Elternvereine haben den LVR - Verwaltung und politische Vertretung - schon mehrfach mündlich und schriftlich aufgefordert, den Bau der Förderschule in Bornheim aufzuschieben und erst einmal zu prüfen, ob der LVR die betroffenen Schülerinnen und Schüler nicht auch AM HEIMATORT IN DER REGELSCHULE fördern kann. Die „Gestaltungsmehrheit" (SPD/Grüne/FDP) in der Landschaftsversammlung reagiert darauf nur mit der Absichtserklärung, dass die neue Förderschule mit den allgemeinen Schulen in Bornheim kooperieren soll.

S. dazu auch TAZ vom 02.06.209 Bruch der UN-Konvention

Auch anderswo werden neue Förderschulen gebaut. Anlässlich der Grundsteinlegung für den Neubau der Förderschule Wittekindshof in Bad Oeynhausen lobte die Behindertenbeauftragte des Landes NRW, Angelika Gemkow, die hervorragende Arbeit vieler Förderschulen und warnte davor, Förderschulkinder zu diskriminierten.

Wir brauchen eine zielgerichtete Sachdiskussion, die vom Respekt vor der guten Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer an allen Schulformen geprägt sein muss. Unser gemeinsames Ziel ist der deutliche Ausbau des gemeinsamen Unterrichts von behinderten und nicht behinderten Kindern.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie fern von der Realität über das Thema Gemeinsamer Unterricht und inklusive Schulbildung diskutiert wird. Man bekommt ja beinahe den Eindruck, als sei der Gemeinsame Unterricht schon die Regel und die Ausgrenzung in Förderschulen die Ausnahme, so dass die wenigen Kinder, deren Eltern sich freiwillig für die Förderschule entscheiden, zu Opfern von Diskriminierung würden. Ganz offensichtlich ist das nicht der Fall. Ich habe jedenfalls noch nicht von Eltern gehört, deren Anliegen zurückgewiesen wurde, ihr Kind in einer Förderschule unterrichten zu lassen. In dieser Richtung ist das Elternwahlrecht bereits Realität.

Der umgekehrte Fall ist leider an der Tagesordnung, und das, obwohl die UN-Konvention ein Menschenrecht auf inklusive Schulbildung begründet.

Wenn Eltern fordern, dass ihrem Kind das Recht auf inklusive Schulbildung eingeräumt wird, so diskriminieren sie damit nicht die Kinder, die zur Förderschule gehen. Wenn aber Kindern aus Recourcengründen der Zugang zum gemeinsamen Unterricht verweigert wird, Schulbehörden gegen den Elternwillen Kinder in Förderschulen einweisen "wie in eine Anstalt", wenn nach wie vor Regelschulen selbst entscheiden dürfen, ob sie Kinder mit Behinderung unterrichten wollen, dann ist das sehr wohl ausgrenzend und diskriminierend.

Frau Gemkow sollte sich genau überlegen, wovon sie spricht, wenn sie den Begriff Diskriminierung benutzen. Von einer Behindertenbeauftragten hätte ich mehr erwartet.

Blog INclusion means NO EXclusion - Now!

Ich hatte kürzlich über Lucas Katsioulis berichtet, der von der Europäischen Schule in Brüssel wegen seines Autismus als Schüler abgelehnt wird.

Seine Eltern setzen sich ziemlich aktiv dafür ein, die Aufnahme von Lukas an der Schule zu erreichen, auch auf gerichtlichem Wege. Ich finde das beachtlich und hoffe, dass sie Erfolg haben.

Lucas' Vater Wasilios Katsioulis betreibt seit Ende Mai ein Blog zum Thema Inklusion. Dort finden sich weitere Informationenen.

Kürzlich gab es im WDR auch einen Filmbeitrag zum Thema

25.06.2009

Bei Eisbergen sollte man vor allem unter die Wasserlinie schauen!

Prof. Dr. Georg Feuser über die Geschichte der Verhinderung von inklusiver Bildung in Deutschland

Eben fand ich im Gesellschafter-Blog einen lesenswerten Beitrag von Prof. Dr. Georg Feuser, einem der Hauptvertreter der inklusiven Pädagogik. Prof. Feuser bezieht sich auf den Artikel Das Menschenrecht ist nicht für den Mond gemacht, der kürzlich wie berichtet in der TAZ erschien und sieht dabei auf die Geschichte der Verhinderung von inklusiver Bildung in Deutschland zurück.

Die inzwischen in Deutschland im 4. Jahrzehnt angekommene Debatte um die »Integration« und ihre Umsetzung im Erziehungs-, Bildungs- und Unterrichtssystem muss, realistisch betrachtet, bis auf den heutigen Tag, als eine Geschichte der Verhinderung dieses Ansinnens bezeichnet werden. Alle in diesem Zeitraum erreichten Fortschritte, waren den politisch wie administrativ Verantwortlichen mehr oder weniger nur gegen große Widerstände und dadurch abzuringen, dass sich die Eltern schließlich bundesweit zur Bewegung »Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen« zusammenschlossen. Den Eltern, vor allem aber auch den Fachleuten aus unterschiedlichsten Bereichen der Pädagogik und des Bildungssystems verlangte die Entwicklung der Integration größte Kraftanstrengungen ab. Durch die partikulare Gestattung der Integration zum Beispiel in Form von Schulversuchen - oft genug zusätzlich begrenzt auf Schüler mit einem klar bestimmten so genannten »sonderpädagogischen Förderbedarf« und auf einzelne Klassen eines Schulstandortes - die meist extrem geringen Ressourcen, der Zwang zur Beibehaltung der für das segregierende System typischen Ordnungsmittel wie Notengebung, Versetzungen, Begrenzung auf Jahrgangsklassen und hohe Auflagen zum Beispiel der Evaluation dieser Prozesse führten unter anderem auch zu einer qualitativ fragwürdigen Integration und in den meisten Fällen zu Formen ihrer Umsetzung, die den Organisations- und Lehrstrategien des selektierenden Unterrichtssystem verpflichtet blieben. Letzteres hat auch mit ideologischen Verstellungen bei den Lehrern zu tun, die ich heute als für Integration hinderlicher bezeichnen würde, als administrative Positionen.

24.06.2009

Anfrage an Dorstener Parteien

Vorhin haben wir eine Anfrage zum Thema Inklusive Schule in Dorsten an einige lokale Parteien gestellt, die hier bei der Kommunalwahl antreten. Angeschrieben haben wir die CDU, die SPD, die FDP, die Grünen und die Linke.

Ich bin gespannt auf die Antworten. Da ich auf meine Absicht hingewiesen habe, die Antworten zu veröffentlichen, werde ich natürlich alles hier einstellen. Und falls keine Antworten kommen, ist das ja irgendwie auch eine Antwort.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir sind Eltern eines 7-jährigen Sohnes mit Down-Syndrom, der seit Sommer 2008 den gemeinsamen Unterricht der St.Antonius-Grundschule besucht.

Wir möchten Ihnen einige schulpolitische Fragen stellen, mit der Bitte, sie kurzfristig, möglichst per Mail zu beantworten. Wir stellen diese Fragen verschiedenen Parteien, die in Dorsten an der Kommunalwahl 2009 teilnehmen. Ihre Antworten sollen uns und weiteren Eltern, die für ihre Kinder den gemeinsamen Unterricht wünschen, Leitlinie für die Kommunalwahl 2009 sein. Wir gehen deshalb von Ihrem Einverständnis zur Veröffentlichung ihrer Antworten aus.

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21.06.2009

Neue Chance für Philipp

Rechststreit in Gießen mit Vergleich beendet

Kürzlich ging die Klage der Eltern des 14-jährgen Philipp Koch aus Lahntal bei Marburg gegen das Land Hessen durch die Medien.

Philipp hat das Down-Syndrom. Während der Grundschulzeit konnte er am gemeinsamen Unterricht teilnehmen, doch die Weiterführung des Gemeinsamen Unterrichts an einer integrativen Gesamtschule lehnte das Schulamt ab. Dagegen klagten die Eltern und beriefen sich dabei auf das Recht auf inklusive Schulbildung, das Kinder mit Behinderung entsprechend der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung haben.

In der vergangenen Woche hat die Familie und das Land Hessen vor dem Verwaltungsgericht Gießen einen Vergleich geschlossen. Philipp soll danach erneut sonderpädagogisch begutachtet werden. Wenn das Gutachten ergibt, dass eine Förderung im Gemeinsamen Unterricht möglich ist, so kann Philipp an die Regelschule wechseln.

Das freut mich für Phlipp. Ich habe mich gestern mit zwei Müttern, die ebenfalls Kinder mit Behinderungen haben, darüber unterhalten. Wir waren uns einig, wir alle hätten einen solchen Vergleich für unsere Kinder auch getroffen, ohne wenn und aber.

Was ich hier schreibe, soll also keinesfalls als Anmaßung gegenüber den Eltern von Philipp verstanden werden.

Auch kenne ich den Sachverhalt nur aus den Medien. Trotzdem, bei mir bleibt ein Beigeschmack.

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13.06.2009

Landtagsnachlese

Das Sitzungsprotokoll der öffentlichen Anhörung »Die Regelschule ist der erste Förderort« ist online

Zum Nachlesen: Der Landtag NRW hat jetzt auf seiner Homepage das Protokoll der öffentlichen Anhörung zum Thema »Die Regelschule ist der erste Förderort - Gemeinsamen Unterricht gewährleisten« vom 20. Mai 2009 online gestellt (PDF).

Wer nicht alles lesen will, dem seien die Redebeiträge von Eva-Maria Thoms, Bernd Kochanek und Prof. Hans Wocken (Seite. 11 - 34) empfohlen, aber die Auswahl ist natürlich einseitig.

Hoffnungen auf UN-Konvention - Teilhabe behinderter Menschen stärken

Gerade gefunden: Am 02.05.2009 brachte das ZDF eine Ausgabe der Sendung "Menschen - das Magazin", die die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung zum Thema hatte. Die Sendung gibt es auch Online. In 15 Minuten erfährt man eine Menge über die Inklusive Schule, Barrierefreiheit und die Konsequenzen, die sich aus der UN-Konvention ergeben.

12.06.2009

Elternwahlrecht für Gemeinsamen Unterricht

Warum ein Elternwahlrecht das Bildungssystem auf den Kopf stellen würde und warum es trotzdem notwendig ist

Die Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung hat der Debatte um den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf neuen Schwung gegeben, gleichzeitig wird aber immer deutlicher, dass die Umsetzung nicht einfach mit einem geringfügigen Ausbau des gemeinsamen Unterrichts getan ist.

Inklusive Schule

Die Konvention fordert ein inklusives Schulsystem und nicht umsonst mauern konservative Bildungspolitker, ist doch inzwischen klar geworden, dass die konsequente Umsetzung von Inklusion gleichbedeutend mit der Auflösung des differenzierenden Schulsystems wäre. Nicht ohne Grund sind die Reaktionen auf den Bericht über das deutsche Schulsystem von Vernor Muñoz, dem UN-Sonderbeauftragten für das Recht auf Bildung so scharf, ja teilweise diffamierend.

Im Gegensatz zu einer integrativen Schule, die Kinder eingliedert, die normalerweise aus den gesellschaftlichen Zusammenhängen ausgegrenzt sind und für die eigentlich der Unterricht in Sondereinrichtungen vorgesehen ist, beschreibt Inklusion ein Schulsystem, in dem Kinder mit Behinderung selbstverständlich in die örtliche Regelschule gehen, ohne Antrag, ohne pädagogische Begutachtung und ohne Mittelvorbehalt. Ein Inklusives Schulsystem braucht kein Elternwahlrecht, weil keine Ausggrenzung in Sonderschulen erfolgt.

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10.06.2009

Menschenrechte nicht für den Mond

Der Sonderbeauftragte der UN für das Menschenrecht auf Bildung, Vernor Muñoz, fordert Bundesländer und -regierung auf, die Rechte behinderter Kinder anzuerkennen. Lesenswerter Artikel in der TAZ von Christian Füller.

Der UN-Sonderberichterstatter für Das Menschenrecht auf Bildung, Vernor Munoz, hat sich erneut sehr kritisch über den Umgang mit behinderten Schülern in Deutschland geäußert. Munoz sagte der taz, "das Menschenrecht auf Bildung ist nicht für den Mond gemacht!" [...] Der Jurist und Menschenrechtsbeauftragte Munoz mahnte in einem Gespräch am Rande seines Besuchs in Oldenburg grundlegende Veränderungen der deutschen Schule an. "Mit dem Schulsystem kann es so nicht weiter gehen. Man kann nicht sagen, wir machen inklusive Schule - und ändert aber gar nichts", sagte Munoz.

Mit dem Besuch von Vernor Muñoz in Oldenburg befasst sich auch ein Bericht von Radio Bremen vom 08.09.2009 (3:36 Min)

08.06.2009

Aussortiert und weggesperrt: Behinderte, nein danke?

Ein Fernsehtipp: Morgen, Dienstag 9. Juni, ab 22.45 Uhr befasst sich Menschen bei Maischberger mit dem Thema Inklusion.

Update 10.06.2009

Hier gibt es die Sendung auch online

Die UN-Behindertenrechtskonvention und ihre Umsetzung in Schulen - Was zeichnet inklusive Schulen aus?

Eben kam ein interessanter Hinweis über den Verteiler des NRW-Bündnisse Eine Schule für Alle: Die Montessori-Gesamtschule Borken und Gemeinsam leben gemeinsam lernen Südlohn laden ein, zum Vortrag und Werkstattgespräch mit dem Pädagogen Otto Herz, am 25.06. in der Montessori-Gesamtschule, 46325 Borken, Röwekamp 14.

Die UN-Behindertenrechtskonvention gilt seit Beginn des Jahres auch in Deutschland. Die Möglichkeit der Teilnahme aller Kinder am Unterricht in Regelschulen ist nun geltendes Völkerrecht.

  • Was bieten inklusive Schulen?
  • Wie profitieren alle Schüler von einer inklusiven Schule?
  • Wie kann Inklusion die Schule verändern?
  • Wie kann Inklusion in Schulen umgesetzt werden?
  • Was hindert Schulen daran, inklusive Schulen zu werden?

Ich habe Otto Herz schon mal bei einer anderen Veranstaltung gehört. Es lohnt sich auf jeden Fall, hin zu gehen.

Die Einladung habe ich mal hier zum Download (PDF) hinterlegt.

05.06.2009

Behinderte Kinder und ihre Eltern müssen frei wählen können

Vernor Muñoz im Gespräch mit der TAZ

Zur Zeit ist der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Prof. Dr. Vernor Muñoz, zu Besuch in Deutschland. 2006 hatte Muñoz mit seinem Bericht die Ausgrenzung und die Abschottung behinderter Kinder von den Regelschulen scharf kritisiert.

Die Taz hat ihn interviewt und das Gespräch mit ihm ist wirklich lesenswert.

Behinderte Kinder und ihre Eltern müssen frei wählen können, ob sie auf einer Regelschule oder auf einer Sonderschule lernen wollen.

[...]

Die ganze Schulumwelt muss sich verändern. Es geht um Fragen der Infrastruktur der Schulen. Es geht um eine Lehrerbildung, die behinderte Kinder mit einschließt, genau wie alle Aspekte der Pädagogik. Um der Konvention wirklich gerecht zu werden, braucht man zum Beispiel mehr Ressourcen und Helfer, damit die benachteiligten Schüler gleichberechtigt an der Regelschule teilhaben zu können. Es müssen auch alle Barrieren wegfallen, die den Zugang für Schüler mit körperlichen Behinderungen erschweren.

Vernor Muñoz wird am Sonntag einen Vortrag in Oldenburg halten. Ich werde leider nicht hinfahren können, aber der Vortrag wird vermutlich anschließend auf der Seite http://www.munoz.uri-text.de zu finden sein.

Ebenfalls in der heutigen TAZ:

In die Sonderschule abgeschoben - Philipp darf nicht mit Normalos lernen

04.06.2009

Nach Hause geschickt

Bei Kobinet wird zur Zeit über die Situation des neunjährigen Lucas Katsioulis berichtet und lebhaft kommentiert, der eigentlich zur europäischen Schule in Brüssel gehen sollte. Lukas hat einen atypischen Autismus und benötigt besondere verhaltenstherapeutische Unterstützung durch die Betreuer. Die Voraussetzungen für die Beschulung in der Regelklasse waren durch die Eltern rechtzeitig der Schule mitgeteilt worden, die sie allerdings nicht vollständig realisierte.

Nun lehnt die Schule es aufgrund seiner Behinderung ab, den Jungen weiter zu unterrichten. Zuletzt war er von der Schulleiterin einfach wieder nach Hause geschickt worden, als seine Mutter ihn zu Schule brachte.

Für Lucas gibt es in Brüssel keine deutschsprachige schulische Alternative. Wenn seine Eltern nicht erreichen, dass er an der europäischen Schule bleiben kann, kann er in Brüssel überhaupt nicht zur Schule gehen.

29.05.2009

Vielfalt und Inklusion

Tagung zur Umsetzung von VN-Vorgaben über die Rechte behinderter Menschen in Baden-Württemberg

Ich weiss, ich habe gelegentlich auch Leser aus Baden-Württemberg. Eben kam die Bitte über verschiedene Verteiler, diese Information doch zu verbreiten. Das tue ich natürlich gern.,

Vielfalt und Inklusion
Vereint für gemeinsame Bildung

Inklusion in Baden-Württemberg jetzt Tagung zur Umsetzung von VN-Vorgaben über die Rechte behinderter Menschen in Baden-Württemberg
Artikel 24 des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung fordert ein inklusives Bildungssystem. Leitbild ist das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung.
Wir wollen Voraussetzungen schaffen für die Partizipation aller. Denn Vielfalt muss nicht geduldet oder »beherrscht« werden ­ sie wird gewünscht, wertgeschätzt und willkommen geheißen. Ohne weiteren Zeitverlust möchten wir nach der Ankündigung von Kultusminister Helmut Rau zur Abschaffung der Sonderschulpflicht in Baden Württemberg einen Aktionsplan anregen, der dazu dienen soll, den Handlungsbedarf für Inklusion im Einzelnen genau zu prüfen und konkrete Schritte anzuregen.
Seien Sie herzlich eingeladen.
Dr. Thilo Fitzner
Cordula Edler

Montag, 29. Juni 2009
Evangelische Akademie Bad Boll

Den Flyer zur Veranstaltung habe ich hier zum Download (PDF) hinterlegt.

Und wo ich gerade bei Baden-Württemberg bin, noch ein Hinweis

HWelt: Schulen integrationsfähig ausgestalten
Grüner Gesetzentwurf zur Änderung des Schulgesetzes:
Inklusion ist Menschenrecht – kein Gnadenakt!

27.05.2009

Eine Schule für alle in Dorsten

Am vergangenen Montag fand in Dorsten im Schulzentrum an der Pliesterbecker Straße einen Veranstaltung von SPD und Grünen zum Thema Eine faire Chance für alle Kinder - welche Schulen brauchen wir? statt.

Redner waren die Landtagsabgeordnete Marlies Stotz und der Bürgermeisterkandidat von SPD und Grünen Dr. Hans-Udo Schneider.

Frau Stotz stellte dar, dass es seit der Einführung der Gesamtschule keine wirkliche Schulreform mehr gegeben habe. Gleichzeitig könne man aber eine schleichende Verschlechterung der Schule in NRW feststellen, die sich besonders auf die Hauptschule auswirke.

Die meisten Eltern wollten Ihrer Ansicht nach nicht die Hauptschule für ihre Kinder, sonderen würden eine Schule bevorzugen, an der alle Abschlüsse möglich sind. Dies zeige auch die Tatsache, dass in NRW 15000 Abweisungen pro Jahr bei Anmeldungen zur Gesamtschule erfolgen müssen, während nur noch 14% der Eltern die Hauptschule wählten - 1970 waren es 54%, 2007 noch 20%.

Die SPD fordert ein gerechtes beitragsfreies Bildungssystem bis zum Ende des ersten Studiums (Abschaffung der Studiengebühr), alle Schulen sollen Ganztagsschulen werden, keine Abschulung, kein Sitzenbleiben, jedes Kind soll mitgenommen werden. Das Pinzip der schultypspezifischen Lehrerausbildung wird abgelehnt. Eine Differenzierung soll frühestens ab Klasse 7 erfolgen.

Herr Dr. Schneider möchte keinen Schulkampf, aber er möchte die Debatte um die Schule auch in Dorsten führen. Zur Zeit werde zu sehr damit gearbeitet, Eltern Angst zu machen, aber "Wer Ängste schürt, hat etwas zu verbergen".

Sein Ziel sei es, Strukturen für die beste Bildung zu schaffen. Dabei bezeichnete er das dreigliedrige Schulsystem als Relikt aus dem letzten Jahrhundert, betonte aber zugleich immer wieder, er wolle den Eltern nichts aufdrängen und auch keine Schulform "platt machen".

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22.05.2009

Gemeinsames Leben braucht gemeinsames Lernen in der Schule

Lebenshilfe spricht sich für ein inklusives Schulsystem aus

Die Lebenshilfe hat sich in der Vergangenheit mit Positionen zur Inklusion eher zurückgehalten. In der Regel wurde eine sowohl-als-auch-Position bei der Frage vertreten, ob Kinder mit Behinderung gemeinsam mit nicht behinderten Kindern unterrichtet werden sollen.

Wir sind seit langem Mitglied in der Lebenshilfe und ich schätze die Arbeit des Verbandes sehr, hätte mir aber schon lange etwas pointiertere Stellungnahmen beim Thema der schulischen Inklusion gewünscht.

Offensichtlich gibt es diesbezüglich jetzt eine Entwicklung bei der Lebenshilfe.

In einem aktuellen Positionspapier nimmt die Lebenshilfe Stellung zu »schulischer Bildung im Zeitalter der Inklusion« und spricht sich sehr klar für die Entwicklung des Schulsystems hin zu einem inklusiven aus.

Die Lebenshilfe ist, wie die gesamte Behindertenhilfe, über viele Jahre davon ausgegangen, dass Menschen mit Behinderung zwar gemeindenah statt in entfernten großen Einrichtungen leben können, hier jedoch auf Schutzräume und Rückzugsmöglichkeiten sowie eine besondere Pädagogik angewiesen seien. Dies begründete sich in der Einschätzung, dass die Gesellschaft diesen Personenkreis ganz überwiegend ablehnte, durch die Begegnung mit ihm überfordert sei und deshalb das Wohl behinderter Menschen und ihre Lebensqualität in einer "normalen" sozialen Umwelt ernsthaft gefährdet schienen.

Heute sind wir in der Bundesvereinigung Lebenshilfe aufgrund neuerer Erfahrungen und Erkenntnisse überzeugt, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. Wir haben ein Ziel vor Augen, dem wir schrittweise näher kommen wollen: Wir möchten dazu beitragen, die Welt, unsere Gesellschaft, unsere Mitbürger und auch unsere Politik so zu verändern, dass Menschen mit Behinderung wie alle anderen Bürger inmitten der Gemeinde leben und an allen gesellschaftlichen Regelorten teilhaben und dort alle für sie erforderliche Unterstützung erhalten können.

Dem in der Konvention garantierten Recht auf inklusive schulische Bildung entspricht eine Verpflichtung der Unterzeichnerstaaten zur schrittweisen Umsetzung dieser Vorgabe. Das bedeutet, dass mit Inkrafttreten der Konvention ernsthaft mit diesem Entwicklungsprozess begonnen werden muss. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe begrüßt diese Verpflichtung und wird sich an dieser Entwicklung aktiv beteiligen. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe engagiert sich damit für tiefgreifende Änderungen im Schulsystem unseres Landes als Vorraussetzung dafür, dass die Vorgaben der UN Konvention für ein inklusives Schulwesen auch in unserem Einflussbereich schrittweise umgesetzt werden können.

20.05.2009

Regelschule als erster Förderort diskutiert

Heute fand wie berichtet im Landtag NRW eine Anhörung zum Thema gemeinsamer Unterricht statt. Ich werde in den nächsten Tagen versuchen, noch ein paar Sätze dazu zu schreiben, heute ist es mir aber zu spät dazu, deshalb hier nur ein kurzer Hinweis auf einen Kobinetartikel.

Der Schulausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags will heute um 14 Uhr Experten zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen mit der Fragestellung "Regelschule als erster Förderort" anhören. Das NRW-Bündnis "Eine Schule für alle" fordert aus diesem Anlass als sofortige Maßnahme, dass Eltern ein verbindliches Schulwahlrecht bekommen. "Es muss endlich Schluss sein mit Zwangsüberweisungen zur Sonderschule", sagt Bündnissprecherin Uta Kumar.

"Das Schulgesetz ist unverzüglich den völkerrechtlichen Verpflichtungen der UN-Konvention anzupassen. Danach haben alle Kinder ein Recht auf wohnortnahe inklusive Bildung in einer Schule für alle", so Kumar. Die Umsetzung dieses Rechts dürfe nicht länger unter dem Finanzvorbehalt des Landeshaushalts stehen oder abhängig gemacht werden von der Entscheidung der Schulaufsicht, von der Zustimmung des Schulträgers oder von der Bereitschaft der Schulen. Die dafür notwendigen Unterstützungsmaßnahmen müssten angemessen und in ihrer Qualität hochwertig sein.

hier gibt es die Pressemitteilung zum Download

19.05.2009

Öffentliche Anhörung zum Gemeinsamen Unterricht am 20. Mai 2009 im Landtag NRW

Weil ich es gerade von der ersten Seite ins Archiv verschiebe, hier noch mal der Hinweis auf die öffentlich Anhörung zum Thema »Die Regelschule ist der erste Förderort - Gemeinsamen Unterricht gewährleisten« morgen um 15:00 Uhr doch um 14:00 Uhr im Landtag NRW.

Es wäre gut, wenn möglichst viele Menschen anwesend wären, um dem Thema ein angemessenes Gewicht zu verleihen. Ich habe gerade noch mal im Landtag nachgefragt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich, man kann einfach kommen.

Wichtiges Update

Eben habe ich erfahren, dass die Veranstaltung doch schon um 14:00 Uhr beginnt. So ein Durcheinander.

16.05.2009

Eine faire Chance für alle Kinder - welche Schulen brauchen wir?

Dorstener SPD und Grüne fragen in einer gemeinsamen Veranstaltung Eltern.

SPD und Grüne Dorsten laden gemeinsam am 25.05.2009 Eltern zu einem Gespräch zur Schulpolitik ein. Als Expertin ist die Landtagsabgeordnete Marlies Stotz eingeladen.

Ich hatte heute beim Agendamarkt kurz gelegenheit, mit dem gemeinsamen Bürgemeisterkandidaten von SPD und Grünen, Dr. Hans-Udo Schneider über seinen Positionen zur Schulpolitik zu sprechen. Was er sagte, klang für mich recht vielversprechend. Besonders wichtig ist mir, dass er die Position teilt, Kinder mit Förderbedarf sollten in Regelschulen gefördert werden und dass für ihn der Elternwille bei der Entscheidung über den Förderort maßgeblich ist.

Um den beiden Parteien noch mal konkreter auf den Zahn fühlen zu können, ist die Veranstaltung vielleicht eine ganz gute Gelegenheit.

15.05.2009

»Eingewiesen wie in eine Anstalt«

Interview mit Hans Wocken

Ich bin gerade auf ein Interview mit dem Hamburger Lernbehindertenpädagogen Prof. Dr. Hans Wocken in der Frankfurter Rundschau aufmerksam geworden.

Kürzlich habe ich ja seinen Vortrag vom Fachtag des NRW-Bündnisses Eine Schule für Alle hier veröffentlicht.

Hans Wocken setzt sich für die Abschaffung der Sonderschulpflicht und für ein verbindliches Wahlrecht der Eltern beim Schulbesuch ihrer Kinder ein. Die derzeitige Situation sieht er trotz der Ratifizierung der UN-Konvention kritisch

Erstens müssen Eltern ein wirklich verbindliches Wahlrecht bekommen. Sie und nicht irgendeine Expertenkommission, wie jetzt in Baden-Württemberg geplant, sollen entscheiden, wo ihr Kind unterrichtet wird. Zweitens müssen die Bundesländer dann auch die Ressourcen für den gemeinsamen Unterricht zusichern. Es darf nicht sein, dass Eltern für ihr behindertes Kind zwar die allgemeine Schule wählen können, es dann aber keine Unterstützung durch Sonderpädagogen gibt.
[...]
Zwar wird in dieser Frage seit der Ratifizierung der UN-Konvention, die das gemeinsame Lernen von behinderten und nichtbehinderten Kindern vorsieht, in vielen Kultusministerien herumgedruckst und die Realität verharmlost und beschönigt. Aber Fakt ist: Kinder werden in Sonderschulen eingewiesen wie in eine Anstalt. Da gibt es einen förmlichen Beschluss einer Behörde, der den Eltern sagt: Ihr Kind hat sonderpädagogischen Förderbedarf und muss deshalb die Sonderschule besuchen. Das gilt in allen Bundesländern: Sonderschule ist nicht freiwillig, sondern Pflicht!

Unnötig zu betonen, dass er mir damit aus der Seele spricht.

14.05.2009

Ein Guter Tag für die Integration

Landesregierung in Baden-Württemberg verzichtet auf Berufung gegen das Urteil zu gunsten der Waldorfschule Emmendingen

Über die Waldorfschule Emmendingen habe ich ja schon ein paar mal berichtet. Im März hatte das Verwaltungsgericht Freiburg entschieden, dass dort die Integration von Kindern mit Behinderung gegen den Willen der Landesregierung fortgesetzt werden darf, was die Schule bis dahin schon ohne Zustimmung der Behörden praktiziert hatte.

Eben habe ich per Mail erfahren, dass die Landesregierung in Baden-Würtemberg nun auf eine Berufung gegen das Urteil verzichten wird. Gestern hat der Baden-Würtembergische Landtag dieses Thema behandelt.

In einer Pressemitteilung äußert sich die Waldorfschule Emendingen dazu:

Ein großer Schritt ist geschafft! Staatssekretär Wacker hat heute im baden-württembergischen Landtag erklärt, dass das Land Baden-Württemberg keine Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Freiburg einlegen wird. Damit wird das Urteil rechtskräftig, in dem das Land dazu verpflichtet wurde, der Integrativen Waldorfschule Emmendingen eine Genehmigung als Ersatzschule mit integrativer Beschulung von bis zu vier sonderschulpflichtigen Kindern pro Klasse zu erteilen.

Mit großer Freude wurde die Ankündigung von der Schulgemeinschaft aufgenommen. „Nun sind unsere Kinder nicht mehr illegal an der Schule“, freuen sich die Eltern der vier Erstklässler, die im letzten September gegen das Verbot der Behörden an der Schule eingeschult wurden. Auch die anderen Eltern, das Kollegium und der Vorstand des Schulträgers sind froh, dass die Zeit der Unsicherheit vorbei ist und dass die Ressourcen endlich wieder ungeteilt für die pädagogische Arbeit verwendet werden können.

[...]

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Staatssekretär Wacker führte aus, dass das Urteil keine Ausführungen hinsichtlich der finanziellen Förderung einer Integrativen Schule enthält. Auch gebe es im Schulgesetz Baden-Württembergs in dieser Hinsicht noch keine Festlegungen. Es sei daher noch zu erörtern, in welchem Umfang Schüler mit Behinderung an der Integrativen Waldorfschule Emmendingen staatliche Förderung erhalten.

Vor diesem Hintergrund fordert die Integrative Waldorfschule Emmendingen, dass das Land Baden-Württemberg den Schülern mit Behinderung die gleiche finanzielle Förderung gewährt wie den Schülern einer Sonderschule.

Hier gibt es noch eine Pressemitteilung der Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen in Baden-Württemberg zum Thema.

Ist doch erfreulich, oder?

10.05.2009

Verpflichtung zum Systemwechsel

Noch ein Beitrag zum Thema »Eine Schule für alle«. Dr. Brigitte Schumann stellt die deutschen Schulverhältnisse auf den Prüfstand des Völkerrechts und kommt zu dem Fazit, dass das gegliederte deutsche Schulsystem unvereinbar mit der Inklusion ist. Sehr lesenswert!

Hier der Beitrag zum Download (PDF, 2,9MB)

Gebraucht wird: Eine Schule für alle!

Vortrag von Prof. Wocken zum Nachhören

Bei der Fachtagung des NRW-Bündnisses Eine Schule für Alle am 21.03.2009 war für mich der herausragende Beitrag der Vortrag von Prof. Dr. Hans Wocken zum Thema »Teilhabe statt Ausgrenzung - Gebraucht wird: Eine Schule für alle!«

Ich habe den Vortrag mitgeschnitten und Herr Prof. Wocken hat inzwischen der Veröffentlichung zugestimmt. Hier gibt es seinen Vortrag zum Download oder zum direkt anhören. Zum besserern Handling habe ich die Aufnahme in drei Teile von jeweils ca 20 Min aufgeteilt.

Leider ist die Qualität etwas dürftig. Die Aufnahme ist mit einem Zoom H2 entstanden, das ich auf das Redepult gestellt habe. Leider ist Herr Wocken nicht am Pult stehen geblieben, sondern ist während des Vortrages die ganze Zeit auf und ab gelaufen, was die Präsentation zwar lebhafter, die Aufnahme aber ziemlich ungleichmäßig gemacht hat. Ich hoffe, man kann trotzdem alles verstehen.

28.03.2009

»Die Regelschule ist der erste Förderort - Gemeinsamen Unterricht gewährleisten«

Öffentliche Anhörung am 20. Mai 2009 im Landtag NRW

Am 20. Mai 2009 findet (doch) um 14:00 Uhr verschoben auf 15:00 Uhr im Düsseldorfer Landtag eine öffentliche Anhörung zum Thema die Regelschule ist der erste Förderort - Gemeinsamen Unterricht gewährleisten statt Die Anhörung erfolgt aufgrund eines Antrages der Fraktion Bündniss 90 / Die Grünen (Drucksache 14/4860)

Gehört werden eine ganze Reihe von Sachverständigen (PDF), den Fragenkatalog (PDF) kann man hier einsehen und bereits eingegangene Stellungnahmen sind hier veröffentlicht.

Beim letzten Treffen der NRW-Bündnis Eine Schule für Alle waren wir uns einig, dass bei dieser öffentlichen Anhörung die Präsenz möglichst vieler Interessierter, besonders auch von Eltern mit ihren Kindern mit Behinderungen wichtig ist, auch wenn Zuschauer kein Rederecht haben.

Inhaltlich sind unsere Interessen ja gut vertreten, z.B. durch Gemeinsam leben - gemeinsam lernen e.V. und durch Mittendrin e.V.

Ich halte es aber auch für wichtig, dass die Landesregierung mitbekommt, dass Eltern Interesse an den politischen Prozessen zeigen, bei denen es um die Rechte ihrer Kinder geht. Und im Jahr vor der Landtagswahl können wir sicher sein, dass ein großes öffentliches Interesse an einem solchen Thema bemerkt wird.

Kommt also zahlreich!

Update 27.04.2009

Wegen der großen Zahl der Anmeldungen findet die Veranstaltung im Plenarsaal statt und kann deshalb erst um 15:00 Uhr beginnen.

Wichtiges Update 19.05.2009

Eben habe ich erfahren, dass die Veranstaltung doch schon um 14:00 Uhr beginnt. So ein Durcheinander.

26.03.2009

Waldorfschule Emmendingen darf Integration fortsetzen

Über die Waldorfschule in Emmendingen, die eine Gruppe von Kindern mit Behinderung entgegen der Weisung des Landes Baden-Württemberg aufgenommen hatten, habe ich hier ja schon berichtet.

Auch die sehenswerte Kontraste-Sendung, über die ich kürzlich berichtet habe, befasste sich mit der Schule in Emmendingen.

Eben lese ich in der TAZ, dass das Verwaltungsgericht Freibung der Waldorfschule Emmendingen nun Recht gegeben hat. Das Land Baden-Württemberg muss einen gemeinsamen Unterricht für behinderte und nichtbehinderte Kinder genehmigen.

Die Schule hatte geklagt, nachdem ein langjähriger Schulversuch ausgelaufen war und das Land eine Genehmigung des integrativen Konzeptes ablehnte. Diese Ablehnung war nach Auffassung der Freiburger Richter rechtswidrig. Die Richter leiteten den Anspruch auf Genehmigung direkt aus dem Grundgesetz ab. "Das Recht zur Errichtung privater Schulen wird gewährleistet", heißt es in Artikel 7 Absatz 4 der Verfassung. Die Emmendinger Schule werde den Anforderungen gerecht, weil sowohl behinderte wie auch nichtbehinderte Schüler die staatlichen Schulabschlüsse erreichen können.

Allerdings ist das Urteil nicht aufgrund der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung zustande gekommen. Die Richter lehnten eine Anwendung auf das baden-württembergische Privatschulrecht ab.

Das besonders auf Schultypen fixierte Landesgesetz dürfe nicht gegen den ausdrücklichen Wortlaut ausgelegt werden.

Update

Das habe ich gerade noch in den Bookmarks gefunden. Scheint ja jetzt erst einmal überholt, ist aber trotzdem interessant:

Der Petitionsausschuss des Landtags von Baden-Württemberg hat die Landesregierung aufgefordert, zur Frage des Unterrichts von behinderten Menschen an der Freien Waldorfschule Emmendingen einen Lösungsvorschlag zu unterbreiten

24.03.2009

»Das bringt den Sonderschülern nichts«

Der Direktor des Instituts für Menschenrechte in Berlin, Heiner Bielefeldt, im Gespräch mit Spiegel-Online über die Absicht der Kultusminister, Schulabschlüsse für Sonderschulen einzuführen.

Mit der Schaffung eines neuen Abschlusses unterhalb des Hauptschulabschlusses stabilisieren die Kultusminister das bestehende Förderschulwesen. Die Konvention aber verlangt im Gegenteil, es kritisch auf den Prüfstand zu stellen. Aus der Perspektive der Behindertenrechtskonvention sind die neuen Abschlüsse also das falsche Signal.

01.03.2009

»Von inklusivem Schulsystem profitieren alle«

Ich bin gerade auf dieses lesenswerte Interview mit Camilla Dawletschin-Linder, der Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben – gemeinsam lernen gestoßen.

24.01.2009

Kompetenzzentren in Dorsten

Die Medien haben bereits mehrfach darüber berichtet, dass in Dorsten drei Sonderschulen gemeinsam ein sog. Kompetenzzentum bilden werden, die Korczakschule, die von Ketteler-Schule und die Astrid-Lindgren-Schule. Einige Anmerkungen dazu sind also wohl überfällig.

Kompetenzzentren sind eine Erfindung der CDU-Landesregierung um die sonderpädagogische Förderung auf kommunaler Ebene zu koordineren:

Sie sollen die Systeme Förderschule und Gemeinsamer Unterricht in einem örtlichen oder regionalen Netzwerk von Schulen zu einem Gesamtsystem sonderpädagogischer Förderung zusammenführen. Konkret heißt das: eine Förderschule, die zum Kompetenzzentrum ausgebaut wird, soll ein breites Spektrum sonderpädagogischer Förderung – zum Beispiel den gesamten Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen (Lernen, emotionale und soziale Entwicklung, Sprache) abdecken und Schülerinnen und Schüler sowohl innerhalb des Kompetenzzentrums als auch in den mit ihm in einem festen Netzwerk verbundenen allgemeinen Schulen fördern. Quelle. Schulministerium NW

Heute berichtet die Dorstener Zeitung und auch die WAZ, dass die drei dorstener Schulen jetzt die Genehmigung erhalten haben, als Kompetenzzentrum tätig zu werden.

Von "Optimierung der Bildungslandschaft" ist da die Rede und sieben (!) neue Lehrerstellen wurden unbefristet bewilligt.

Nicht, dass ich nicht für eine Optimierung der Bildungslandschaft wäre, aber hier wird ja wohl der sprichwörtliche Bock zum Gärtner gemacht.

Ausgerechnet drei Sonderschulen sollen für die Koordination und Beratung der Beteiligten im Bereich der sonderpädagogischer Förderung zuständig sein, sowohl im Förderschulbereich als auch für den gemeinsamen Unterricht. Das ist so, als würde man RWE und Vattenfall die Koordination von Maßnahmen zum Atomausstieg überlassen.

Warum holt man nicht mindestens eine Schule mit Erfahrung im Gemeinsamen Unterricht ins Boot? Sonderschulen sind eben nicht die einzigen, die wissen, wie man Kinder mit Förderbedarf optimal fördert.

Wenn wir in diesem Bereich wirklich weiter kommen wollen, müssen wir neue Wege gehen. Aber dazu sind die politisch verantwortlichen in Dorsten wohl nicht bereit. Selbst die Grünen sind ja scheinbar begeistert vom Kompetenzzentrum, lobte doch der Schulexperte der Dorstener Grünen, Günter Fraund im Februar ausdrücklich den Antrag.

Es wird Zeit, auch in Dorsten eine stärkere Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Inklusive Schulbildung erreicht man nicht, wenn man sie denen überläßt, deren eigentliches Interesse es ist, die herrschenden Zustände zu erhalten.

S.auch TAZ v. 20.02.2007: Schüler werden ausgesondert und die Ausführungen im Rahmen der Fachtagung der GEW vom 02.06.2007

Übrgens

kann man auch den WAZ-Artikel kommentieren.

Davon sollte schon deshalb Gebrauch gemacht werden, um nicht den Kommentartrollen des Portals Der Westen allein das Feld zu überlassen.

22.01.2009

Fachtagung des NRW-Bündnisses »Eine Schule für alle«

Schule der Zukunft auch für das Ruhrgebiet

Vom NRW-Bündniss "Eine Schule für Alle" kommt gerade noch mal die Bitte, auf die Fachtagung Schule der Zukunft auch für das Ruhrgebiet hinzuweisen, die am Samstag, 21.03.2009, 10:00 bis 16:00 Uhr in der VHS-Essen, Burgplatz 1 stattfindet.

Habe ich zwar in diesem Blog schon getan, aber es können sich für die Veranstaltung immer noch InteressentInnen anmelden.

Also Los! Es wäre schade, wenn das wichtige Thema nicht in angemessenem Umfang repräsentiert würde. Denn "Eine Schule für Alle" ist eine Schule, in der Kinder mit Behinderung ganz selbstverständlich dabei sind.

So eine Fachtagung ist nicht nur für Leute gedacht, die sich im beruflichen Zusammenhang mit dem Thema befassen! Gerade wir Eltern von Kindern mit Behinderungen sind die eigentlichen Fachleute für die Belange unserer Kinder. Wenn wir ihre Bedürfnisse nicht artikulieren und öffentlich machen, wer soll es dann tun?

Die Chancen stehen gut. Mit der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung gibt es erstmals ein klares Recht auf inklusive Schulbildung und im Wahljahr 2009 gibt es auch gute Möglichkeiten, auf die politischen Entscheidungsträger Einfluß zu nehmen.

Überlassen wir die Interessen unserer Kinder also nicht denen, die ihre eigenen Interessen haben!

Auch auf eine andere Veranstaltung sei hier nochmal hingewiesen:

Menschenrecht auf Bildung: Wer darf dabei sein?
Mittwoch, 18.02.2009, 19:00 Uhr
VHS-Essen, Burgplatz 1, 45127 Essen

12.01.2009

»Elternnetz ungehindert« gescheitert

Im Sommer vergangenen Jahres habe ich auf der Internetplattform Kaioo (heute OpenNetworX) das Elternnetz ungehindert eröffnet. Die Resonanz war gering, seit etwa einem halben Jahr tut sich dort nichts mehr. Im Grunde gibt es nur Beiträge von mir.

Ich habe das Elternnetz immer als Versuch verstanden, neue Formen der Webbasierten Kommunikation zur Vernetzung von Eltern zu nutzen. Warum dies nicht gelungen ist, dazu habe ich Vermutungen, aber keinesfalls sichere Erkenntnisse.

Es ist so wie es ist, der Versuch war nicht erfolgreich.

Ich werde das Eltennetz deshalb nach dem 23.01.2009 löschen, es sei denn, bis dahin findet sich noch jemand, der/die das Netzwerk als Admin weiterführen möchte. In diesem Fall bitte Nachricht bei OpenNetworX oder hier im Blog.

29.12.2008

Deutschland grenzt aus

Heute brachte die Frankfurter Rundschau einen Gastbeitrag von Lisa Pfahl und Justin J-W. Powell vom Wissenschaftszentrum Berlin mit dem Titel »Deutschland grenzt aus«

Die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen wird 2009 für Deutschland verbindlich. Aus der Formulierung in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte - Bildung ist Menschenrecht - leiten die Vereinten Nationen (UN) und die Europäische Union die Forderung ab, schulische Bildung möglichst inklusiv zu gestalten. Inklusiv heißt: Alle Kinder werden gemeinsam unterrichtet. Inwieweit wird das deutsche Bildungssystem dieser Forderung bereits gerecht?

Weil die FR ihre Beiträge nur ein paar Tage online hält, habe ich den Beitrag noch mal hier hinterlegt.

Interessant ist auch der dort verlinkte WZBrief Bildung »Sonderschule behindert Chancengleichheit« (PDF) von den selben Autoren.

Am Ende des Sonderwegs

»Die Zeit«-Artikel zur Sonderschule in Zeiten der UN-Konvention.

Das Fazit (letzter Satz) teile ich unumwunden.

19.12.2008

Bundesrat beschließt Ratifizierung

Nur der Vollständigkeit halber: Heute hat der Bundesrat der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung zugestimmt. Damit wird sie am 01.01.2009 in Deutschland rechtlich verbindich.

14.12.2008

Schulen integrationsfähig machen

Elternvereine legen Eckpunktepapier vor

16 Elternvereine aus NRW haben in der vergangenen Woche ein Eckpunktepapier für eine zukunftsfähige Schulpolitik vorgelegt. Mit Blick auf die Kommunalwahlen 2009 fordern sie konkrete Reformschritte auch von den Kreisen und Kommunen: »Bildungspolitik ist Ländersache. Doch gute Schulen werden vor Ort in den Kommunen und Kreisen gemacht.«

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07.12.2008

Schule der Zukunft: Welche Schule brauchen unsere Kinder?

Gerade habe ich nochmal einen Hinweis auf die Veranstaltungsreihe Welche Schule brauchen unsere Kinder? bekommen, die vom NRW-Bündniss "Eine Schule für Alle" durchgeführt wird.

Auf zwei interessante Veranstaltungen möchte ich hier hinweisen:

Menschenrecht auf Bildung: Wer darf dabei sein?
Mittwoch, 18.02.2009, 19:00 Uhr
VHS-Essen, Burgplatz 1, 45127 Essen
Fachtagung Schule der Zukunft - auch für das Ruhrgebiet
Samstag, 21.03.2009, 10:00 bis 16:00 Uhr
in der VHS-Essen, Burgplatz 1, 45127 Essen

»Gegensätze, die nicht nötig und auch nicht berechtigt sind«

Letzte Woche habe ich über die Veranstaltung Mit der Gesamtschule zu einer Schule für alle berichtet. Es freut mich, dass Ingrid Wenzler, die Referentin dieser Veranstaltung, jetzt Stellung zu meinem Beitrag genommen hat.

Weil der Blogbeitrag schon recht weit nach unten gerückt ist, hier noch mal ein Hinweis auf den Kommentar.

06.12.2008

UN-Konvention vom Bundestag ratifiziert

Am Donnerstag, den 04.12.2008 wurde vom Deutschen Bundestag zu nächtlicher Stunde die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung einstimmig verabschiedet.

Reden wurden nicht mehr gehalten, sondern zu Protokoll gegeben.

Das Protokoll der Abstimmung findet sich im Plenarprotokoll (PDF) auf Seite 187 (20855) die zu Protokoll gegebenen Reden auf Seite 290 bis 298 (bzw. 20958 - 20966).

Ein Änderungsantrag der Linken wurde zunächst noch abgeglehnt, der Gesetzentwurf der Bundesregierung wurde also in der Form verabschiedet, wie er vorlag. Eine Korrektur der problematischen Denkschrift ist also offenbar nicht mehr erfolgt. Auch eine Korrektur bei der Übersetzung des Begriffes inclusive blieb aus.

Formal bedeutet das zwar nicht, dass die Denkschrift rechtsverbindlichen Charakter bekommt. Auch gilt, soweit mir bekannt ist, der englische Originaltext der Konvention.

Trotzdem ist abzusehen, dass bei Rechtstreitgkeiten in Zukunft Gerichte immer auch auf die Denkschrift zurückgreifen werden, wenn zu klären ist, was die Intention des Gesetzgebers war. Und mit Rechtsstreitigkeiten ist in Sachen inklusiver Schulbildung ganz sicher noch zu rechnen. Es wäre naiv anzunehmen, dass sich jetzt in den Ländern alles von selbst zum Guten wendet.

Die Entscheidung im Bundesrat steht soweit ich weiss in der übernächsten Woche an.

Keine freie Schulwahl für behinderte Kinder

Fernsehbeitrag über die Ausgrenzung von Kindern mit Behinderungen aus dem Schulsystem

Am vergangenen Donnerstag brachte die ARD im Rahmen der Kontraste einen Beitrag über die Ausgrenzung von Kindern mit Behinderungen.

Eine Schule in Baden-Württemberg darf keine Behinderten mehr aufnehmen. Die Landesregierung hat den Unterricht, in dem Behinderte integriert werden, für die Schulanfänger verboten. Das Schulprojekt war bislang geduldet worden. Müssen die Kinder jetzt in eine Sonderschule? Das würde gegen Völkerrecht verstoßen, denn in der UN-Konvention für die Rechte Behinderter ist ein freier Schulzugang festgelegt.

Es gibt inzwischen eine Transkription und auch ein Video der Sendung.

Der Beitrag ist eine unbedingte Empfehlung. Das war einer der besten Fernsehbeiträge, die ich zum Thema Kinder mit Behinderung und Schule bisher gesehen habe.

Besonders gut wird herausgestellt, wie alle Kinder vom gemeinsamen Unterricht profitieren.

Unglaublich unqualifiziert zeigt sich der Staatssekretär im Ministerium für Kultus Baden-Württemberg, Herr Wacker, der behauptet, Beschwerden von Eltern, die sich über das ausgrenzende Bildungssystem beschweren, nehme er nicht wahr.

Tja, nicht nur Herr Wacker leidet ganz offensichlich an Wahrnehmungsstörungen, was die Notwendigkeit inklusiver Schulbildung angeht.

Baden-Württemberg schießt in Sachen Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderung zur Zeit den Vogel ab, ich bin mir aber sicher, dass vergleichbare Töne durchaus auch aus den NRW-Ministerien zu hören wären.

Bereits 20 Minuten nach der Ausstrahlung fanden sich unter dem Beitrag im Kontraste-Blog über 100 Kommentare, inzwischen sind es fast 300.

Noch was technisches:

Der Film liegt im Windows-Meta-Format (WMV) vor. Also wieder mal nur an die Windows-Nutzer gedacht.

Auf meinem Linux-Rechner kann ich den Film mit dem Mplayer abspielen, vorausgesetzt, der entsprechende Codec (w32codecs) ist installiert:

mplayer mms://stream4.rbb-online.de/rbb/kontraste/2008-12-04-behinderte.wmv

lädt das Video und spielt es ab.

29.11.2008

Zu langsames Umdenken der Gesellschaft

Behinderten-Beauftragte setzt auf Auswirkung einer neuen UN-Konvention

Die Beauftragte der Bundesregierung für Belange behinderter Menschen, Karin Evers-Meyer, am 26.11.08 im Interview mit dem Deutschlandradio Kultur (mp3, 3,1 MB)

In Deutschland müsse man sich viele Gedanken darüber machen, wie man behinderte Kinder besser in das Schulsystem integrieren könne, sagte Evers-Meyer am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur. Die UN-Konvention für Menschen mit Behinderung soll am 1. Januar 2009 in Kraft treten.

Sie hoffe, dass es letztendlich in Deutschland keine Sonderschulen mehr geben werde, äußerte Evers-Meyer. Sie wäre allerdings zunächst einmal froh, wenn Eltern zumindest ein Wahlrecht zwischen einer Sonderschule oder einer integrativen Schule hätten, ohne letzteres über Rechtswege oder eine mühselige Suche erreichen zu müssen, betonte sie: "Wenn wir sagen, wir wollen also möglichst keine Sonder- und Förderschulen mehr haben, dann heißt das aber nicht, dass wir keine sonderpädagogischen Lehrkräfte mehr brauchen. Die brauchen wir mehr denn je."

Vor dem Interview lief auf dem gleichen Sender: Abgeschoben auf die Sonderschule (mp3, 1,3 MB) Im Gespräch u.a. Eva Maria Thoms vom Verein Mittendrin e.V.

Kein Recht auf Alltag für Behinderte

Lesenswerter Bericht in der Taz:

Die UN-Konvention für Behinderte wird ratifiziert. Eine Mutter erzählt, was Schule mit ihrem behinderten Sohn macht.

Mein Sohn wurde per Beschluss des Verwaltungsgerichts vom Unterricht einer normalen Schule ausgeschlossen. Als Mutter eines mit staatlichem Zwang ausgesonderten Kindes erlaube ich mir, zu beschreiben, wie sich so etwas anfühlt: Mit knapp zwei Jahren wird durch Untersuchungen festgestellt: dein drittes Kind hat ein schwach ausgeprägtes Down-Syndrom. Von diesem Moment an musst du erleben, wie dieses Kind benachteiligt und ausgegrenzt wird. ...

Auch zwei weitere aktuelle Beiträge der TAZ befassen sich mit der schulischen Integration, Schwerpunkt Baden-Württemberg

Mit der Gesamtschule zu einer Schule für alle?

Veranstaltungsreihe »Welche Schule brauchen unsere Kinder«

Am vergangenen Donnerstag war ich bei einer Veranstaltung mit dem Titel, "Mit der Gesamtschule zu einer Schule für Alle", die im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Welche Schule brauchen unsere Kinder?" von der GEW, der Aktion Menschenstadt, der LAGA und dem Kinderschutzbund NRW durchgeführt wurde.

Die Besucherzahl war etwas enttäuschend, überwiegend waren Lehrer anwesend, (naja, fand ja auch im GEW-Haus statt, was will man erwarten), ich war der einzige, der als Vater eines Kindes mit Behinderung teilnahm.

Wie gesagt, es ging um die Gesamtschule. Als Referentin war Ingrid Wenzler von der gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule eingeladen, eine entschiedene Verfechterin der Gesamtschule, die anhand vieler Zahlen und Vergleiche belegte, dass die Gesamtschule nicht so schlecht ist, wie ihr Ruf.

Weiter lesen ...

24.11.2008

Anhörung im Bundestag

Anhörung zur UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung

Heute findet in Berlin die Anhörung zur Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung statt. Die UN-Konvention enthält, wie berichtet, einen Rechtsanspruch auf inklusive Schulbildung für Kinder mit Behinderung.

Wichtig ist, dass dieses Recht nicht unter igendwelche Vorbehalte personeller, räumlicher oder finanzieller Mittel gestellt wird, wie das im Gesetzentwurf noch den Anschein hat. Dann wäre ein solcher Anspruch nämlich mal wieder das Papier nicht wert, auf das er gedruckt ist.

Zum Nachlesen hier noch mal die Zusammenstellung meiner letzten Beiträge zum Thema

Update

Meldung auf heute im Bundestag:

Übernahme von UN-Behindertenrechtskonvention begrüßt

13.11.2008

Die Reden aus der ersten Lesung ...

... zur Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen kann man nachlesen unter http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/16/16186.pdf Seite 122 bis 129

Via: Eine Schule für Alle

12.11.2008

Erste Lesung

Heute fand im Bundestag die 1. Lesung zur Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung statt. Ich habe mich ja mehrfach dazu geäußert.

Hier einige Links zum Thema:

Noch ein Fernsehtip

Ich habe heute erfahren, dass das ARD-Magazins "Kontraste" eine Reportage über die Umsetzung der UN-Konvention gedreht hat. Dabei wurde auch in der Integrativen Waldorfschule Emmendingen gedreht, das ist die Schule, in der wie berichtet kürzlich der baden-württembergische Kultusminister, einen integrativen Schulversuch beenden wollte.

Voraussichtlich wird der Beitrag am Donnerstag, 13.11.08 um 21:45 Uhr in der Sendung "Kontraste" (ARD) ausgestrahlt. Ganz sicher ist es aber wohl nicht.

11.11.2008

Antwort erhalten

Ich hatte ja gestern an meinen Wahlkreis-MDB in Sachen UN-Konventions-Verwässerung gemailt.

Heute habe ich Antwort erhalten. Da die Mail nicht zur Veröffentlung freigegeben ist, hier nur ein Fazit mit eigenen Worten:

Herr Grasedieck (SPD) hat sich mit der Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Frau Evers-Meyer in Verbindung gesetzt. Man werde sich dafür einsetzen, dass die Konvention richtig verstanden wird. Es soll der Weg frei gemacht werden, für eine inklusive Bildung. Allerdings sei hier auch die Kooperation der Bundesländer gefragt.

Zunächst einmal freue ich mich über eine so prompte Reaktion. Auch inhaltlich fand ich das zunächst mal OK. Mal abwarten, wie sich die Sache weiter entwickelt.

Es schadet jedoch nicht, wenn noch viele weitere Mails und Briefe an andere MdBs geschrieben werden. Auf meine Vorlage darf dabei natürlich gern zurück gegriffen werden, allerdings macht sich ein selbst formuliertes Schreiben auch immer gut.

10.11.2008

Mail an den MdB

Vor ein paar Tagen haben ich über die Verwässerungen beim Entwurf für das Ratifizierungsgesetz zur UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung geschrieben.

Ich habe jetzt eine Mail an den für den hiesigen Wahlkreis zuständigen Bundestagsabgeordneten geschickt.

Den Text stelle ich mal hier ein, vielleicht möchte ja jemand die ein oder andere Formulierung recyclen.

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09.11.2008

Eine große Leistung

Noah geht seit dem Sommer in den gemeinsamen Unterricht der Antoniusschule in Dorsten. Heute hat er zum ersten Mal (jedenfalls haben wir es zum ersten Mal gesehen) allein seinen Namen geschrieben.

Noahs Name

06.11.2008

Rechtsgutachten: Die UN-Konvention verändert die deutsche Schulpolitik

Die Rechtsexperten Prof. Dr. Ralf Poscher, Dr. Thomas Langer und Dr. Johannes Rux haben in einem Gutachten für die Gewerkschaft GEW (PDF) untersucht, an welchen Punkten die Bildungspolitik und die Schulgesetze der Länder den Vorgaben der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung nicht entsprechen.

04.11.2008

Leere Phrasen und kein Rechtsanspruch - Ergänzung

Im Artikel über den Entwurf zum Ratifizierungsgesetz habe ich gestern geschrieben:

Soweit mir bekannt ist, enthalten die Schulgesetze aller (man korrigiere mich) deutschen Bundesländer einen Rechtsanspruch auf integrative Beschulung, allerdings ebenfalls jeweils unter dem Vorbehalt des Vorhandenseins sachlicher, personeller und finanzieller Voraussetzungen.

Aufgrund einer Anmerkung per Mail noch mal eine Klarstellung zum Schulrecht NRW. Vielleicht habe ich mich, was den Rechtsanspruch auf integrative Beschulung angeht, zu ungenau ausgedrückt.

In §20 Abs 1 des NRW Schulgesetzes wird der Gemeinsame Unterricht als Ort der sonderpädagogischen Förderung an erster Stelle vor der Förderschule genannt. Die Teilnahme am Gemeinsamen Unterricht setzt nach § 37 AO-SF (PDF-Datei) den Antrag der Eltern voraus. Damit wird durchaus ein Anspruch des Kindes auf Gemeinsamen Unterricht definiert.

Der Anspruch steht aber unter dem Vorbehalt des §20 Abs 7, nach dem die Schule die sachlichen und personellen Voraussetzungen erfüllen muß.

Und da liegt das Problem. Mit dem abstrakten Anspruch kann man nichts anfangen, weil es einfach nicht genug Schulen gibt, die die Voraussetzungen bieten und es letztlich immer einen Weg gibt, für das jeweilige Kind zu definieren, das individuell gerade hier die Bedingungen nicht erfüllt werden.

Erst wenn es einen bedingungslosen Anspruch gibt, läßt sich der auch einklagen. Im diesem Fall müßte die Schule und die Schulbehörde ggf. die erforderlichen Bedingungen schaffen. Und genau da ändert sich ja mit dem Ratifizierungsgesetz nichts.

03.11.2008

Leere Phrasen und kein Rechtsanspruch

Der Entwurf für das Ratifizierungsgesetz zur UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung stellt das Recht auf inklusive schulische Bildung weiter unter Vorbehalte

Am 30. März 2007 startete bei der UN der Ratifizierungsprozess für die Konvention über die Rechte behinderter Menschen vom 13. Dezember 2006. Deutschland hat an diesem Tag die Konvention in New York unterzeichnet.

Die Bundesrepublik hat sich Zeit gelassen, mit der Ratifizierung der Konvention, doch dann wurde am 01.10.2008 nach mehrmaligem Verschieben im Bundeskabinet das Ratifizierungsgesetz beschlossen.

Am 11. November steht nun die Beratung des Gesetzes im Bundestag an, mit dem Ziel, die UN-Konvention in Deutschland ab dem 01. Januar 2009 geltendes Recht werden zu lassen.

Eltern von Kindern mit Behinderung haben sich von dieser Konvention viel versprochen,

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31.10.2008

Stadt will nur 24 Kinder in I-Klassen

Ich lese gerade, dass die Stadt Dorsten in Zukunft vermeiden will, dass erneut integrative Klassen mit 29 SchülerInnen starten. Anders als in der Klasse, in die auch unser Sohn geht, soll die Klassenstärke in Zukunft auf 24 SchülerInnen begrenzt werden.

Die dreizügige Schule dürfe dann nur noch 84 SchülerInnen aufnehmen (2 mal 30 und 1 mal 24 in der I-Klasse).

Ich frage mich immer noch, warum man nicht einfach eine vierte Klasse bilden konnte. Das war ursprünglich geplant, aber mit 89 SchülerInnen fehlen genau zwei. Nichts ist wohl unflexibeler, als die deutsche Verwaltung.

Und das ist für mich symptomatisch für unser Bildungssystem. Es werden vielbeachtete Bildungsgipfel veranstaltet, kaum ein Politiker wird müde, die Bedeutung der Bildung zu betonen, aber man ist nicht in der Lage, mal fünf gerade sein zu lassen, wenn es - wie in diesem Fall - in einer konkreten Situation sinnvoll wäre. Nicht nur die Kinder mit Behinderungen hätten von kleineren Klassen profitiert.

29.10.2008

Deutsche Sonderschulen widersprechen der UN-Konvention über behinderte Menschen

Professor über UN-Konvention: Bürger können gegen Sonderschulen vorgehen

Die Taz bringt heute zwei Artikel zum Thema UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung und Sonderschule. Unbedingt Lesen!

In einem Beitrag begutachtet der Jurist Ralf Poscher, welche Folgen die UN-Behindertenkonvention für deutsche Schulen hat.

Deutsche Sonderschulen widersprechen der UN-Konvention über behinderte Menschen, sagt Professor Poscher. Erstmals gibt es ein Beschwerderecht gegen diese Schulform.
(...)
Die Konvention geht davon aus, dass 80 bis 90 Prozent der Kinder mit Behinderung eine normale Schule besuchen können und nur noch ein kleiner Teil eigenständige Fördereinrichtungen benötigt. Im Moment ist das Zahlenverhältnis in Deutschland etwa umgekehrt - je nach Bundesland mehr oder weniger.

Ein weiterer Beitrag befasst sich mit der geplanten Auflösung von Sonderschulen in Köln.

Köln will die Ausgrenzung von behinderten Kindern in Sonderschulen beenden. Bis 2010 sollen doppelt so viele wie bisher den ganz normalen Unterricht besuchen - noch fehlen aber die Plätze.

Auch die Dorstener Zeitung (Papierfassung) befasst sich heute mit der Sonderschule, genauer gesagt, mit der Dorstener Haldenwangschule. Der Standort sei nicht gefährdet.

Im möglichst individuellem Unterricht wird neben Selbständigkeit auch Mathe, Deutsch, Musik, Hauswirtschaft, Sport und Gestaltung geschult. Elf Pflichtschuljahre unterteilen sich in Vor-, Unter-, Mittel-, Ober- und Berufspraxisstufen.
Nach der Schulzeit wecheln alle (sic!) Jugentlichen zu den Werkstätten für Behinderte in Wulfen.

Ein paar Mängel habe diese Schule ja, aber

Sollte es noch eine Pausenhalle und eine Schaukel für Rolltühle geben (...) wären alle super glücklich

so Schulleiter Domhöver.

Für unser Kind werden wir jedenfalls alles daran setzen, ihn vor dieser netten Idylle zu bewahren, zugunsten einer inklusiven Beschulung, möglichst in einer Schule für Alle

24.10.2008

Schlaue Kinder ­- Schlechte Schulen

Kam heute per Mail von der LAG Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen:

Christian Füller
Schlaue Kinder ­- Schlechte Schulen


"Auf dem Stundenplan steht Lernen, aber die Praxis heißt Aussieben. Unser Schulsystem braucht den Fehler ­ weil es selbst der Fehler ist."

Autorenlesung und Diskussion

Mo, 3.11. 2008 Köln Bezirksrathaus Mülheim, Wiener Platz 2, 20 Uhr

Di, 4. 11. Bonn Mensa der Bertolt-Brecht-Gesamtschule, Schlesienstr. 21 -23, 53119 Bonn, 19 Uhr.

Mi, 5. 11. Kamp-Lintfort Mensa auf dem Schulhof der Ebertschule, Auguststraße 109, 47475 Kamp-Lintfort. Mit Kinderbetreuung, 17.30 Uhr

Do, 6. 11. Pulheim Theater im Walzwerk, 20 Uhr

Fr, 7. 11. Aachen KatHO NRW, (Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen) Abteilung Aachen, Robert- Schumann-Str. 25, 52066 Aachen., 20 Uhr

Sa, 8. 11. Düsseldorf Aula des Max-Planck-Gymnasiums, Koetschaustraße, Düsseldorf Stockum ­ Kinderbetreuung, 16 Uhr.

NRW-Bündnis "Eine Schule für alle" ­ mittendrin e.V., Köln ­ Gemeinsam leben gemeinsam lernen e.V. Bonn - Elterninitiative 4. Gesamtschule Bonn ­ Familiennetzwerk Pulheim e.V. ­ Gemeinsam leben gemeinsam lernen e.V. Aachen ­ triplet e.V., Düsseldorf

Es geht um dieses Buch

Gerade noch gefunden: Podcast SR 2 - Fragen an den Autor

Update

Grrr höre ihm gerade zu - Er sagt auch Down-Kind und Trisomie21-Kind. Das gibt aber Abzüge in der B-Note!!

21.10.2008

Gipfel der Ignoranz

Eltern sehen Ignoranz behinderter Kinder beim Bildungsgipfel

Der Elternverein Mittendrin e.V und die Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen NRW haben den Bundes- und Länderregierungen Ignoranz behinderter Kinder beim Bildungsgipfel vorgeworfen.

Wie Kobinet heute berichtet soll die Situation in allen Bildungsbereichen von der KiTa bis zur Universität beim Bildungsgipfel erörtert werden. "Nur die Bildung für Kinder mit Behinderungen steht nicht auf der Tagesordnung"

In einer gemeinsamen Pressereklärung (PDF) von Mittendrin e.V. und der Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen NRW heisst es:

Die Sonderschulen sind die unsichtbare 4. Säule unseres Schulsystems. "Wir sind es endgültig leid, dass unsere behinderten Kinder in sämtlichen Bildungsdiskussionen ignoriert werden", sagt Eva-Maria Thoms vom Kölner Elternverein mittendrin e.V. Mehr als 430.000 Kinder werden bundesweit in Sonderschulen unterrichtet. Mit der Einschulung verschwinden sie ­ nach der Devise: Aus den Augen, aus dem Sinn ­ aus der Mitte der Gesellschaft und dem öffentlichen Interesse. Sie verbringen ihre Schulzeit in Schulen, die sich keiner systematischen externen Qualitätsprüfung stellen müssen und weder in nationale noch in internationale Vergleichsuntersuchungen einbezogen werden.
(...)
In den europäischen Nachbarländern gehen im Schnitt mehr als 70 Prozent aller behinderten Kinder in Regelschulen. "Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, warum Deutschland 87 Prozent der behinderten Kinder in Sonderschulen aussortiert"

Siehe auch http://www.eine-schule-fuer-alle.info/nachrichten/nachrichten-politik/bildungsgipfeil

08.10.2008

Blog Gemeinsam lernen in Holzminden

Gastbeitrag von Ulrike Beudgen

Es war einmal ...

eine kleine Kreisstadt mit Namen Holzminden. Die landschaftlich schöne Lage und gute und freundliche Bürger haben ihr einen guten Ruf eingetragen. Sogar ein Minister aus dem fernen Hannover wohnte (und wohnt auch noch) in ihr. Es war alles schön ruhig und gemütlich, die Stadtverwaltung und die Kreisverwaltung sorgten sich um die Belange ihrer Mitmenschen. Eines Tages erschien in der regionalen Zeitung ein Artikel, der sich um die baulichen Mängel der Förderschule "An der Weser" drehte. ...

So gemütlich könnte es noch weiter gehen, aber Holzminden liegt nicht im Märchenland. Einen Tag, bevor der Artikel im Täglichen Anzeiger Holzminden erschien, hatte ich ein Termin mit einem Redakteur der Zeitung. Ich wollte eine Selbsthilfegruppe zum Thema Integration in der Schule gründen. Obwohl ich schon länger an der Gründung arbeite, aber bisher nichts konkretes unternommen habe, hatte ich dennoch bereits ein Plakat auf meinem Computer und auch schon pro forma über Veröffentlichung im Web nachgedacht. Die Gründung lief vorerst unter dem Namen "Eltern für ein regionales Integrationskonzept". Ich erklärte dem Reporter, was ich erreichen wollte. Ich suchte Eltern für die Durchsetzung eines "regionalen Integrationskonzept". Er meinte, es gäbe hier schon so etwas, was ich allerdings nach meinen Kenntnissen verneinen mußte. Wir wollten beide nach Informationen suchen, ob es wirklich schon im Landkreis ein ähnliches Konzept gibt oder gegeben hatte. Nach meinen Recherchen war das nicht der Fall.

Nun gab es am 23. April 2008 diesen Artikel, in dem ein kleiner Absatz mit folgendem Wortlaut stand: "Schüler, die ab 2009 eingeschult werden und der besonderen Förderung im Bereich Lernen bedürfen, sollen in die Grundschulen in den einzelnen Orten integriert werden. Das Konzept der sonderpädagogischen Grundversorgung wird zurzeit erarbeitet." Damit, so meinte der Redakteur nach einem Anruf, wäre die Sache doch wohl erledigt.

Es folgten noch mehrere Telefongespräche, aber bis heute kein Artikel. Da ich nach Möglichkeiten suchte, wie ich die Gründung der Selbsthilfegruppe veröffentlichen kann, bin ich in einer der vielen EDV-Zeitungen auf einen Artikel aufmerksam geworden, in dem das bloggen beschrieben wurde. Seitdem habe ich den Blog "Gemeinsam lernen in Holzminden". Inhalt des Blogs sind Informationen über Schule, Integrationsklassen, regionale Integrationskonzepte, Bildung, Veranstaltungen usw. Eine kleinere Homepage hatte ich schon. Sie ist ganz einfach unter dem selben Namen zu finden.

Ach übrigens: ich hätte am 25. September 2008 einen Termin mit dem obigen Journalisten gehabt. Der Termin wurde auf Montag, den 29. September 2008, vormittags um 11.00 Uhr verschoben. Nach dem Gespräch sagte er mir zu, dass er den Artikel noch in der selben Woche schreiben wollte, zumal ich auch schon (ja?) einen Termin für ein erstes Treffen von Gemeinsam lernen in Holzminden habe. Ich hoffe, der Artikel kommt vor dem 4. November heraus ...

Sollten noch Fragen offen geblieben sein, kann man (oder frau?) sich ruhig an mich wenden. Meine Adressen sind in meinem Blog und in meiner Homepage angegeben. Bis bald. Kommentare sind auch erlaubt.

Update

Der im Gastbeitrag erwähnte Artikel über "Gemeinsam lernen in Holzminden" ist am 22. Oktober 2008 im Täglichen Anzeiger Holzminden erschienen. Der vollständige Text ist im Blog nachzulesen.

23.09.2008

Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention wieder verschoben

Kobinet berichtet:

Die Ratifizierung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen wurde von der deutschen Bundesregierung erneut verzögert. Nun schon zum zweiten Mal hat das Bundeskabinett die Entscheidung zu einem Ratifikationsgesetz verschoben. "Damit wird der Prozess in Deutschland unnötig verlangsamt", erklärte heute die Behindertenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Silvia Schmidt.

20.09.2008

Warum dürfen behinderte und nichtbehinderte Schüler nicht gemeinsam lernen?

Heute habe ich eine Sendung zum Thema gemeinsamer Unterricht verpasst, die im Deutschlandfunk lief.

Ein paar Auszüge gibt es aber Online (Irgendwann lernen die Verantwortlichen es noch und stellen endlich das ganze Programm ins Web), darunter einen interessanten Beitrag (MP3) über den Versuch des baden-württembergischen Kultusministeriums, einen integrativen Schulversuch zu beenden.

Seit September 1995 werden in der integrativen Waldorfschule Emmendingen geistig behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet. Jetzt will das baden-württembergische Kultusministerium jedoch diesen integrativen Schulversuch auslaufen lassen und hat die neue erste Klasse nicht mehr genehmigt. Die Schule hat Klage gegen das Kultusministerium erhoben. In einem Akt von zivilem Ungehorsam wurden am Mittwoch letzter Woche vier geistig behinderte Kinder in Emmendingen eingeschult.

S. dazu auch Integrierte Schulen unerwünscht in der TAZ vom 07.09.2008

Der zweite Beitrag, der Online verfügbar ist, handelt von einem Mädchen mit Down-Syndrom, das in eine Berliner Förderschule geht und zeigt das ganze Dilemma, in das Schüler mit Behinderung und deren Eltern angesichts der Rahmenbedingungen des separierenden Schulsystems geraten. Unbedingt anhören! (MP3)

Update

Für die, die nicht die Kommentare lesen: Andreas weist mich gerade darauf hin, dass die Sendung inzwischen unter http://www.dradio.de/dlf/sendungen/pisaplus/848700 verfügbar ist.

Wie kriegt man ganz normale Leute ins Web 2.0?

Bei Kaioo - demnächst OpenNetworX - habe ich vor einigen Wochen ein Netzwerk für Eltern von Kindern mit Behinderungen gegründet.

Bei einem Sozialen Netzwerk handelt es sich um eine Internetplattform, auf der man Kontakte mit anderen angemeldeten Mitgliedern pflegen und Informationen verbreiten und erhalten kann. Dies kann sowohl in Gruppen als auch im Dialog mit einzelnen Mitgliedern erfolgen. Ich habe ja in meinem Blog schon häufiger darüber berichtet.

Soziale Netze im Internet haben zur Zeit einen deutliche Boom, bekannt sind z.B. StudiVZ, SchuelerVZ oder XING.

Was liegt da näher, als diese Technik auch für die Vernetzung von Eltern zu verwenden? - Dachte ich. Mit dem Versuch, Menschen für Kommunikation im Internet zu interessieren, denen das Einstellen eigener Inhalte im Internet eher fremd ist, bin ich ja auch in der Vergangenheit schon gescheitert.

Trotzdem war ich zuversichtlich, dass die Vernetzung vielen Eltern wichtig ist und dass sie deshalb meine Idee aufnehmen würden.

Fehlanzeige - das Elternnetz ungehindert ist bis heute kaum auf Resonanz gestoßen.

Nach fast 2 Monaten haben sich gerade mal acht Leute angemeldet. Eine ganze Reihe von Eltern, die ich persönlich angesprochen habe, haben den Weg in das Netzwerk bis heute nicht gefunden.

Was hindert eigentlich nicht webaffine Menschen daran, sich solchen Netzen anzuschließen? Bei Ebay kauft ja auch jeder ein, der einen Computer einschalten kann. Ein Elternnetz kann ja kaum schwieriger zu bedienen sein, als eine Ebay-Auktion.

Vermutlich sind es andere Hürden, die Leute davon abhalten:

  • Soziale Netzwerke sind vielen Leuten suspekt. Die verständlich Angst, das perönlich Informationen, die man ins Internet stellt, auch von Leute gelesen werden, von denen man das nicht möchte, ist verbreitet.
  • Das Elternnetz ist ein anonymes Gebilde. Über seine Kinder will man vielleicht nicht auf so einer Plattform wie dem Internet kommunizieren.

Wenn ich nachfrage, höre ich Reaktionen, wie "Ich wollte mich schon längst mal dort anmelden, aber ich bin noch nicht dazu gekommen ...", "Ich wollte das schon immer mal lernen ...", "Dazu muß ich demnächst mal einen Kurs machen ...", "Ich gebe das mal meine Mann, der versteht mehr von Computern als ich ..."

Ich vermute, dass die Hürden doch höher sind, als ich mir das als Webworker so vorstellen kann. Es gibt auch Leute, die E-Mail-Kurse besuchen.

Möglicherweise ist es aber auch eine Frage der Bekanntheit.

Ich habe eine Reihe von Personen und Organisation angeschrieben, die als Multiplikatoren für diese Informationen hätten dienen können, aber ich befürchte, die meisten haben meine Mail ignoriert. Im günstigsten Fall liegt sie ausgedruckt auf dem Stapel und wartet darauf, bei der nächsten Mitgliederversammlung unter "Verschiedenes" erwähnt zu werden.

Ich kann nur vermuten, woran das liegt:

  • Man hat meine Mail für Spam gehalten und entsorgt.
  • man will keine Empfehlungen geben, für ein Netzwerk, bei dem die Integrität des Verantwortlichen nicht klar ist - Sie wissen ja nicht viel von mir, außer, dass ich Vater eines Sohnes mit Down-Syndrom bin und selbst das könnte ja erfunden sein.
  • Meine Information hat sich nicht abgehoben, von sonstiger Werbung
  • mein Material war nicht verständlich

Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass noch Reaktionen kommen. Gottes Mühlen mahlen eben langsam.

Von mehreren Stellen wurde mir fest zugesagt, die Information über das Elternnetz in einen Verteiler aufzunehmen, in eine Fall sogar, sie in einer Zeitschrift zu veröffentlichen.

Ich habe wohl zu sehr auf die vielgepriesenen viralen Effekte im Internet gesetzt. Die mag es ja in der Bloggerszene geben, aber eine große und gut vernetzte Szene von Eltern von Kindern mit Behinderung im Web gibt es eben nicht.

Was denkt Ihr, was kann man tun, um Eltern für das Elternnetz zu gewinnen?

14.09.2008

Wo bleibt die UN-Konventions-Ratifizierung?

... fragt Kobinet am 09.09.2008.

Am 30.März 2007 hat Deutschland als eines der ersten Länder die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung unterzeichnet. Seit dem steht die Ratifizierung an.

Hierfür war bereits im Frühjahr ein Fahrplan für den Herbst angekündigt worden, der langsam in Gefahr gerät. Bereits Ende August sollte das Ratifizierungsgesetz vom Bundeskabinett verabschiedet werden, was bisher aber noch nicht geschah. Und auch diese Woche scheint es damit nichts zu werden. Nun sei Ende September anvisiert hört man aus internen Kreisen. Wenn man bedenkt, dass dieses Gesetz dann durch den Bundestag und den Bundesrat laufen muss, drängt nun die Zeit, wenn dieses zum 1. Januar 2009 in Kraft treten soll.

Keine Ahnung, wie man das Vorankommen dieses eigentlich so wichtigen Prozesses antreiben kann. Protest beim Bundestag, bei den zuständigen Abgeordneten?

Und die Medien? Soweit ich das verfolge, gibt es kaum Interesse an der UN-Konvention.

Ich befürchte sowieso, dass sich faktisch in NRW nicht viel ändern wird. Die "die-Förderschule-ist-oftmals-der-beste-Förderort-Fraktion" wird doch nicht mit dieser Konvention umschwenken und den gemeinsamen Unterricht fördern. Auch nach einer Ratifizierung wird gemeinsamer Unterricht und erst recht Inklusion weiterhin ein Kampf für die Eltern bleiben - sicher gestärkt in ihrer Rechtsposition. Das Ganze ist ein Zeitspiel.

Hier in Dorsten ist das Angebot im Gemeinsamen Unterreicht ja scheinbar noch vergleichsweise gut. Ich habe kürzlich erfahren, dass es insgesammt 10 Plätze an zwei Schulen in der Sekundarstufe gibt. Bisher war mir nur eine Schule bekannt. Aber reicht das aus, um für alle Kinder Plätze bereit zu stellen? Von der einen Schule für alle mal ganz zu schweigen?

Was können Eltern machen, um diese Entwicklung schnell voranzubringen?

09.09.2008

Informationsdokument für das Elternnetz ungehindert

Ein Informationsdokument für das Elternnetz Ungehindert liegt jetzt bei Scribd oder hier zum Download

17.08.2008

Einschulung

Noah ist jetzt ein Schulkind


Seit letztem Dienstag ist Noah nun ein Schulkind, aber leider war er am ersten Schultag richtig krank, so dass er erst morgen zum ersten Mal hingehen wird. Und weil wir keine Einschulungsfotos mit blassem Gesicht und dicken Rändern unter den Augen wollten, haben wir auch die Fotosession erst heute nachgeholt.

Übrigens, Noah geht in den Gemeinsamen Unterricht der St. Antonius-Grundschule in Dorsten.
Noch mehr Fotos gibt es in meinem Sevenload-Album

20.07.2008

Elternnetz ungehindert

Neues Netzwerk für Eltern von Kindern mit Behinderung auf Kaioo

Ich habe gestern ja bereits über meine Ideen bezüglich eines Elternnetzes geschrieben, das ich auf der Plattform von Kaioo einrichten wollte.

Elternnetz

Ich habe die Idee jetzt umgesetzt. Unter http://www.ungehindert.kaioo.com können sich Eltern nun registrieren und diesem Netzwerk beitreten. Wer Probleme mit der Registrierung hat, kann sich gern an mich wenden. Ein paar Mitglieder hat das Netzwerk auch schon. Wir freuen über jede und jeden, der/die hinzustößt.

Ich denke, auch wenn es ein Elternnetzwerk ist, sind auch Menschen gern gesehen, die mit unseren Kindern in anderen Zusammenhängen zu tun haben.

Aus der Netzwerkbeschreibung:

Für Eltern von Kindern mit Behinderung ist ein regelmäßiger Austauch und eine gute Vernetzung untereinander sehr wichtig. Um die Interessen unserer Kinder effektiv vertreten zu können, ist es wichtig, dass wir in Verbindung bleiben und uns gegenseitig Informationen und Unterstützung geben können. Dieses Netzwerk bietet Eltern die Möglichkeit, sich auszutauschen und Informationen zu verschiedenen Themen zu erhalten und zu verbreiten.

Das Elternnetz soll kein Verein und keine Konkurenzveranstaltung zu bestehenden Gruppen sein, sondern der Versuch einer Vernetzung mit den Möglichkeiten des Internets.

Bei einem Sozialen Netzwerk handelt es sich um eine Internetplattform, auf der man Kontakte mit anderen angemeldeten Mitgliedern pflegen und Informationen verbreiten und erhalten kann. Dies kann sowohl in Gruppen als auch im Dialog mit einzelnen Mitgliedern erfolgen.

Soziale Netze im Internet haben zur Zeit einen deutlichen Zuwachs, bekannt sind z.B. StudiVZ, SchuelerVZ oder XING. Was liegt da näher, als diese Technik auch für die Vernetzung von Eltern zu verwenden?

Kaioo

Kaioo ist im vergangen Jahr gegründet worden und geht einen Sonderweg. Kaioo ist ein kleiner gemeinnütziger Verein, der sich aus Spenden finanziert. Der Internetdienst bietet die Möglichkeit, eigene Soziale Netzwerke zu gründen und dazu die Plattform und die Technik von Kaioo zu verwenden. Durch die Gemeinnützigkeit hat Kaioo keine wirtschaftlichen Interessen an der Verwertung der Nutzerdaten, und garantiert, dass Daten niemals an Dritte weitergegeben werden.

Noch unausgereift

Ich muß allerdings sagen, zur Zeit tue ich mich noch schwer, für diese Netzwerk offensiv (d.h. über die Möglichkeiten diese Blogs hinaus) die Werbetrommel zu rühren. So richtig ausgereift ist das System noch nicht.

Zwei Dinge stören mich besonders:

  1. Das Netzwerk ist nicht klar genug von Kaioo abgegrenzt. Eigentlich wird nur über besondere Farben, Logos, und eine Bildleiste deutlich, dass es ein abgegrenztes Netzwerk ist. Netzwerk-Gruppen sind zugleich Kaioo-Gruppen. Mitglieder sind automatisch in verschiedenen Kaioo-Netzwerken. Ich habe vorhin meine Frau genötigt ;-), sich anzumelden und konnte dabei beobachten, wie es läuft, wenn man sich nur für ein Netzwerk anmeldet. Im Grunde gibt es keinen Unterschied und keine Abgrenzung. Meine Referenznutzerin ist z.B. ganz ohne ihr Zutun im Netzwerk Ü30 (??) gelandet.

    Weil es in Kaioo ja eine ganze Zahl eifriger Freundschaftenschließer und Gruppeneinlader gibt, befürchte ich, dass alle, die über meine Einladung zum Eltennetz kommen, über kurz oder lang eine Reihe von Anfragen bekommen, die thematisch überhaupt nichts mit dem Netzwerk zu tun haben. Gerade in der Anfangsphase des Netzes kann das Leute schon abschrecken. Mal schauen. Ich habe ja jetzt ein Referenzmitglied in der Familie, das ich fragen kann.

  2. Schlecht finde ich die Einbindungen von Videolinks und Fotos aus den Alben der Mitglieder auf der Netzwerkstartseite. Das führt dazu, dass dort jetzt Fotos aus meinem Album von der Klimaschutzdemo in Neurath zu sehen sind. Was soll das? Wenn dass nicht irritiert, weiß ich auch nicht mehr. Und ich finde als Admin keine Möglichkeit, das auszublenden. Philipp, das müsst ihr unbedingt abstellen, sonst gehe ich doch noch zu Mixxt.

Was fehlt, ist eindeutig ein Wiki. Für das Elternnetzwerk wäre das eine ganz wichtige Sache.

Mal abwarten. Für August sind ja noch einige Erweiterungen angekündigt. So lange werde ich auf groß angelegte Werbeaktionen noch verzichten. Wer allerdings über diesen Eintrag zu uns stößt und von den Anfangsschwächen absehen kann, ist natürlich herzlich gern gesehen.

19.07.2008

Open Networx

Kaioo-Relaunch mit neuen Funktionen

Kaioo Open Networx Seit gestern zeigt sich das soziale Netzwerk Kaioo in neuer Aufmachung, auf den ersten Blick wirkt alles übersichtlicher und aufgeräumter.

Neu bei Kaioo ist, dass nun jeder die Möglichkeit hat, eigene Netzwerke auf der Kaioo-Plattform zu gründen. Wenn also ein Verein, die Ehemaligen einer Schule oder eine Firma eine Online-Möglichkeit zur Kommunikation suchen, können sie auf Kaioo ihr eigenes Netzwerk gründen, wobei sowohl geschlossene Netzwerke denkbar sind, in die man nur mit Einladung kommt, als auch offene, in denen jede/r Mitglied werden kann.

Etwas ähnliches gibt es ja bereits bei Mixxt, Tribax und noch einigen anderen Anbietern, das besondere bei Kaioo ist aber die Gemeinnützigkeit der Organisation. Kaioo selbst lebt von Spenden und wird Werbeeinnahmen an gemeinnützige Organisationen spenden.

Die Gemeinnützigkeit führt auch dazu, dass es bei Kaioo keine Interessen gibt, mit den persönlichen Informationen der Mitglieder im Netz Geld zu verdienen. Kaioo kann somit glaubwürdig garantieren, dass die Mitgliederdaten nicht an Dritte weitergegeben werden.

Ich habe im Juni auf dem Socialcamp von Philipp Schuch von Kaioo schon einige Einzelheiten erfahren und hatte seitdem auch schon verschiedene Ideen, wie man Kaioo-Netzwerke nutzen kann.

Elternnetzwerk

Vor allem denke ich über ein Netzwerk für Eltern von Kindern mit Behinderung aus NRW nach (und vielleicht auch für andere TeilnehmerInnen, z.B. Pädagogen, die mit unseren Kindern zu tun haben). Das Thema "Gemeinsamer Unterricht" aber auch viele andere Themen könnten dort sicher gut besprochen werden. Ein Portal, das die Kommunikation von Eltern ermöglicht, ohne dass man auf Termine und Veranstaltungsorte angewiesen ist. Ich höre immer wieder, dass Versuche, Eltern von kindern mit Behinderung zusammen zu bringen, sehr schwierig sind, denn wir haben ja eines gemeinsam - wir haben Kinder. Online geht das vermutlich einfacher.

Ich werde es voraussichtlich in den nächsten Tagen einrichten und dann die Information auch hier veröffentlichen.

Berufliche Nutzung

Auch im beruflichen Zusammenhang sehe ich Nutzungsmöglichkeiten.

Dabei ist mir allerdings noch nicht so recht wohl, denn auf Kaioo habe ich mein Profil, in dem ich auch Informationen über mich und meinen Vorlieben (Bücher, Filme) veröffentliche.

Klar, im Grunde steht das auch der Welt offen, es ist aber noch was anderes, wenn jemand, der mich aus dem beruflichen Kontext kennt, zufällig auf Kaioo entdeckt, dass ich Star Trek mag, als wenn diese Information immer in dem Profil auftaucht, mit dem ich im beruflichen Zusammenhang kommuniziere.

Ich kann mir natürlich einfach ein zweites Kaioo-Profil anlegen und das im beruflichen Rahmen nutzen, besser wäre es aber wohl, wenn ich gezielt die Sichtbarkeit verschiedener Informationen für verschiedene Netzwerke einstellen könnte.

Das Problem der Abhängigkeit im Web 2.0

Eine zentrale Frage bleibt allerdings immer. Sollte man überhaupt mit derartigen Aktivitäten auf fremde Anbieter zurückgreifen, oder ist es ein zu großes Risiko? Ist nicht "selber Hosten" die richtige Entscheidung, weil Kaioo natürlich jederzeit den Laden dichtmachen und sämtliche Netzwerke schließen kann?

Robert Basic ist kürzlich in einem interessanten Artikel auf diese Frage eingegangen, und auch der Schockwellenreiter denkt über die Einschränkungen der Freiheit im Cyberspace nach. Wie Robert Basic in seinem Artikel schreibt, ist die Exportierbarkeit von Daten wichtig. Ich habe dazu bei kaioo noch keine Informationen. Bleibt zu hoffen, dass diese Möglichkeit rasch kommt.

Gerade bei Experimenten, wie dem beschriebenen Elternnetz, wäre selber hosten aber ein viel zu großer Aufwand, solang nicht klar ist, ob ich mit dieser Idee überhaupt auf Resonanz stoße. Insofern muss ich die Risiken wohl in Kauf nehmen. Wie das im beruflichen Kontext entschieden wird, weiß ich es noch nicht. Auch da eignet sich Kaioo natürlich gut dazu, erste Erfahrungen zu sammeln.

Fazit

Soweit ich es bis jetzt beurteilen kann, ist Kaioo ein guter Start in eine neue Ära gelungen. Verbesserungen sind sicher noch möglich, trotzdem: Kaioo ist auf dem richtigen Weg.

Update

Wir haben uns eben für den Namen "Elternnetz ungehindert" entschieden. Jetzt werde ich mich mal daran machen, noch ein paar Details zu überlegen (Logo, Begrüßungstext, Design) und dann können wir auch schon mit der Umsetzung auf Kaioo loslegen.

15.07.2008

Geht doch

Gemeinsamer Unterricht am Gymnasium

Warum auch nicht?

Das habe ich zufällig gefunden und mich gefreut.

"...und morgen wieder Schule" strahlt Charlotte selig und räumt ihren Schulranzen auf. Die geistig behinderte 11- Jährige besucht seit fast 4 Jahren die Außenklasse der Grundschule Moosach. In dieser Klasse werden 8 Kinder mit geistiger Behinderung, in der Partnerklasse 16 Grundschulkinder unterrichtet. Nach einer ca. 6-monatigen Anlaufsphase haben sich Grundschullehrerin und Sonderpädagogin auf ein kooperatives Miteinander verständigt, das einen gemeinsamen Unterricht aller Kinder in Nebenfächern, wie Musik, Religion, Kunst, HSU und Sport vorsieht, sowie Raum gibt für gemeinsame Projekte, Wandertage, Ausflüge und Veranstaltungen.
[...]
Dank der Unterstützung des Sozialministeriums und des Kultusministeriums wird der integrative Weg am Gymnasium Kirchseeon fortgesetzt. Gabriele Söllheim wird das 1. Gymnasium in Bayern leiten, an dem eine Außenklasse angesiedelt ist. Sie erfreut sich der Unterstützung von Schulleiter Markus Schmidt, der seit einem Jahr die Korbinianschule Steinhöring leitet.

Einmal mehr zeigt sich, dass Integration kein theoretisches Thema bleiben muss. Wenn alle an einem Strang ziehen, Vorurteile abgebaut und Offenheit gelebt wird, profitieren alle - die Kinder haben es eindrucksvoll vorgemacht.

Gibt es noch mehr Beispiele? Ich habe den Eindruck, wenn überhaupt, läuft Integration in der Sekundarstufe an Gesamtschulen. Ich habe eigentlich nichts gegen Gesamtschulen, ich sehe aber keinen Grund, warum es auf diese beschränkt bleiben sollte.

27.06.2008

Die Situation ist unerträglich

Es ist dringend mehr Rechtssicherheit im gemeinsamen Unterricht erforderlich

Heute, am Tag vor dem Urlaub, war die Schulleiterin der Schule, auf die Noah im kommenden Schuljahr gehen soll, auf unserem Anrufbeantworter. Sie bat um Rückruf, wir konnten sie aber nicht mehr erreichen. Also bis Montag warten und per Handy aus Borkum anrufen.

Seit dem gehen mir Phantasien durch den Kopf, die alle darauf hinaus laufen, dass man unser Kind an dieser Schule nun doch nicht will. Weil die Bedingungen anders sind, als vorgesehen. Ich habe ja bereits darüber geschrieben.

Die Dorstener Zeitung berichtete gestern, dass es jetzt bei den großen Klassen bleibe.

"Eine Lehrkraft ist durch die Schulaufsicht abgezogen worden. Die Kommune hat keine direkten Einflussmöglichkeiten."

Dies bestätigte auch der Erste Beigeordnete Gerhard Baumeister: "Die 30er-Grenze wird eingehalten, außerdem gibt es keine Landesplanung für integrative Klassen." Zwar werden Gespräche, auch mit dem Schulrat, geführt, aber: "Wir werden für das kommende Schuljahr nichts mehr ändern können."

In NRW gibt es die freie Schulwahl und sehr viele Eltern haben sich für diese Schule entschieden. Und nun leidet die Qualität des Unterrichts darunter, weil man nicht die entsprechende Anzahl von Fachkräften finanziert. Ein erneuter Beweis, dass die NRW-Schulpolitik von Barbara Sommer auf der ganzen Linie versagt hat.

Müssen es jetzt die Kinder mit Behinderung ausbaden? Ich habe keine Ahnung, ob das wirklich der Grund des Anrufes war. Vermutlich hat sie nur eine Rückfrage.

Aber die Tatsache, dass mir diese Angst nicht mehr aus dem Kopf will, zeigt, wie unerträgich der Zustand von Eltern ist, die wirkliche Integration für ihre Kinder wollen.

In allem ist man vom good-will anderer abhängig. Schulen können selbst entscheiden, ob und welche Kinder mit Behinderung sie aufnehmen und es gibt noch immer kein garantiertes Recht auf gemeinsamen Unterricht, obwohl Deutschland zu den Erstunterzeichnern der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung gehört, die inklusiven Unterricht als Grundrecht formuliert. Ein Recht auf gemeinsamen Unterricht besteht nur, soweit die Bedingungen vorhanden sind.

Wenn die Schule nicht will, hilft nur noch der Gerichtsweg. Schon der Kampf um die Rückstellung im vergangen Jahr hat uns viel Kraft gekostet. Eine ganz ähnliche Situation hat es im vergangenen Jahr auch gegeben: Mit dem Schulrat hatten wir eine Absprache getroffen, die Noahs Zuweisung zu dieser Schule und seine Rückstellung um ein Jahr vorsah. Dann rief die Schulleiterin eines Sonntags bei uns an und teilte uns mit, sie habe jetzt der Stadt mitgeteilt, die Schule könne Noah nicht nehmen. Das ließ sich dann später noch klären, aber solche Situationen gehen an die Substanz. Ich habe keine Lust mehr, jetzt wieder mit wochenlanger Ungewissheit leben zu müssen.

Wohl gemerkt: Das sind alles nur meine Phantasien, vermutlich gehen sie mit mir durch. Trotzdem. Die Situation ist unerträglich.

Update 02.07.2008

Meldung von Borkum:

Meine Sorgen wurden nicht bestätigt, es handelte sich in der Tat nur um eine Rückfrage. Trotzdem, es ist schon bezeichnend, mit welch großer Sorge wir als Eltern auf das Thema Integration blicken.

26.06.2008

Welche Bordmittel braucht die inklusive Schule?

Fachtagung in Kassel

Am 9. Oktober 2008 veranstaltet die Deutsche Vereinigung für Rehabilitation e.V. Heidelberg eine Fachtagung in Kassel mit dem Titel: "Welche Bordmittel braucht die inklusive Schule?"

"Um das Ziel "Eine Schule für Alle" zu erreichen, bedarf es umfassender Änderungen sowohl an unseren Schulen in struktureller Hinsicht, als auch in der Ausbildung von allen im System Schule arbeitenden Professionen. Es ist jetzt an der Zeit darüber nachzudenken, welcher Mittel die inklusive Schule bedarf, um der Individualität und den Bedürfnissen aller Kinder gerecht zu werden.

Ich erhoffe mir von dieser Tagung wichtige Impulse, um auch in Deutschland den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen gesellschaftliche Normalität werden zu lassen." so die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen Karin Evers-Meyer in ihrem Tagungsgrußwort.

21.06.2008

Integrationshelfer

Mal was erfreuliches

Heute haben wir einen Bescheid vom Kreis Recklinghausen erhalten, in dem uns mitgeteilt wird, dass Noah für die Schule einen Integrationshelfer erhält. So wie wir es beantragt hatten. Im ersten Durchgang. Ganz ohne Kampf. Verblüffend.

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Position von Kindern im gemeinsamen Unterricht im vergangenen Jahr ja deutlich gestärkt, in dem es entschieden hat, dass ein Integrationshelfer nicht mit der Begründung abgelehnt werden darf, es bestehe ja die Möglichkeit, die Förderschule zu besuchen. Trotzdem haben wir nicht so richtig geglaubt, dass unserem Antrag so ganz ohne Probleme entsprochen wird. Man macht halt so seine Erfahrungen.

12.06.2008

Schule - ein unberechenbares System

Warum muss im Zusammenhang mit Schule eigentlich immer alles so problematisch laufen?

Ich war gerade bei einem Elternabend in der Schule, in die unser Sohn Noah nach den Sommerferien gehen soll.

Im vergangenen Jahr, haben wir in einem scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Schulbürokratie doch noch eine Lösung im Sinne unseres Kindes erreicht. Eigentlich ist es in NRW nicht möglich, dass Kinder von der Schulpflicht zurück gestellt werden, es sei den, es liegen gesundheitliche Gründe vor.

Und diese gesundheitlichen Gründe müssen schon ziemlich gravierend sein. Der schulmedizinische Dienst ist zumindest hier eher auf Hardlinerkurs. Im Grunde würde man im Kreis Recklinghausen ein behindertes Kind, das wie unser Sohn nur mit wenigen Tagen noch in die Schulpflicht für das laufenden Jahr fällt, eher aus dem Kindergarten reißen und einer Sonderschule zuweisen, als es für ein Jahr von der Schulpflicht zurück zu stellen, damit im nächsten Jahr die sinnvolle Teilnahme am gemeinsamen Unterricht möglich ist. Und das gegen die Einschätzung der Eltern und aller Pädagogen, die mit dem Kind zu tun haben.

Nun gut, dieses Problem ließ sich im vergangen Jahr lösen. (Wer mehr wissen will, frage per Mail)

Noah darf also am gemeinsamen Unterricht in der nahe gelegenen Schule teilnehmen. Aber dort hat die Aufsichtsbehörde jetzt entschieden, dass nicht wie vorgesehen vier, sondern nur drei Klassen gebildet werden. Und eben teilte mir die Schulleiterin am Rande der Elternveranstaltung mit, man werden - wenn es bei drei Klassen bleibt - die Kinder mit Förderbedarf zunächst mal "zur Probe" aufnehmen um zu sehen, ob sie mit der großen Klasse überhaupt zurecht kommen.

Kann eigentlich im Zusammenhang mit Schule mal irgendwas normal und unproblematisch laufen? Warum muss man für alles kämpfen. Wann hören die Sorgen auf, die mit dem unberechenbaren System Schule zu tun haben.

Inklusive Bildung im Primar- und Sekundarbereich ist nach der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein Grundrecht.

Warum müssen Eltern eigentlich immer wieder voller Sorge darum bangen und kämpfen, dass ihren Kindern die Wahrnehmung dieses Grundrechts ermöglicht wird.

Ich will einfach nicht, dass mein Kind in eine Sonderschule muss.

Aber Entscheidungsträger halten noch immer viel zu häufig Sonderschulen für eine geeignete Option für Kinder mit Behinderungen. Und bei der Bewertung des "optimalen Förderortes" wird diesen Schulen immer noch sehr selbstverständlich ein hoher Rang eingeräumt, auch wenn sich Eltern und Experten heute eigentlich einig sind, dass eine inklusive Schule für fast alle Kinder der beste Förderort wäre.

Ich gebe gern zu, ich habe selbst ein Schultrauma. Meine eigene Schulzeit verlief alles andere als glücklich, bis ich irgendwann auf einer Schule gelandet bin, die zu mir passte (eine Gesamtschule, wen wundert es?)

Ich will für mein Kind eine unproblematischere Schulkarriere, in der er nicht in Sondereinrichtungen ausgegrenzt wird. Aber die ist für Kinder mit Behinderung in Deutschland scheinbar alles andere als selbstverständlich.

Ach übrigens: mir ist schon klar, dass man Sonderschulen heute Förderschulen nennt.

09.04.2008

»Ungehindert Kind« - Fachtagung am 2. und 3. Mai 2008

Über das Menschenrecht, ein Kind unter Kindern zu sein

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen lädt Eltern von Kindern mit Behinderungen zu einer Fachtagung an der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt ein:

Immer wieder machen Eltern die Erfahrung, dass ihre Kinder mit Behinderungen an den normalen Orten einer Kindheit nicht selbstverständlich erwartet werden: nicht in der Kindertagesstätte oder in der Schule um die Ecke, nicht im Sportverein, der Musikschule, bei der Jugendgruppe, in einer Jugendfreizeit oder dem Jugendzentrum. Immer wieder wird Kindern und Eltern rückgemeldet, dass anders-sein gleich hier-nichtrichtig- sein ist. Immer wieder werden Kindern mit Behinderungen – oftmals gestützt auf pädagogische oder medizinische Gutachten – gesellschaftliche Orte zugewiesen, die sie sich nicht ausgesucht haben, die sie von Gleichaltrigen absondern. So entsteht immer wieder neu Entfremdung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Das Kind als Subjekt – wie es die UN-Kinderrechtskonvention im grundlegenden Artikel 3 fordert - bleibt auf der Strecke.

Mal sehen, vermutlich wird meine Teilnahme an der Fahrtstrecke scheitern (289 km – ca. 2 Stunden, 34 Minuten), aber interessant finde ich das schon.

Überhaupt ist Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen eine Organisation, die ich sehr schätze, besonders was die persönlichen Unterstützung der Eltern betrifft. Ohne die Hilfe des NRW-Landesvorsitzenden beim "Kampf" um die Rückstellung unseres Sohnes von der Schulpflicht wäre die Sache vielleicht auch anders ausgegangen.

02.03.2008

Grenzen lassen sich nur mit einer inklusiven Bildungslandschaft überwinden

Durch eine fehlerhafte Übersetzung der UN-Konvention wird in Deutschland eine Chance vertan. Inklusion ist mehr als Integration.

In der vorletzten Woche traf sich die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Karin Evers-Meyer mit dem Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz. In dem Gespräch ging es um die Umsetzung aber auch um die richtige Übersetzung der UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen.

Die Konvention fordert in Artikel 24 eine "inclusive education". In der mit anderen deutschsprachigen Ländern abgestimmten Übersetzung wurde dies mit "integrativer Bildung" übersetzt (kobinet 11.1.08). Nach Auffassung vieler Verbände und Politiker wird damit eine Chance verpasst, in Deutschland einen wichtigen Impuls für mehr gemeinsamen Unterricht zu setzen.

Integration überwindet nach Ansicht von Vernor Muñoz nicht die Grenzen zwischen zwei Gruppen, sondern manifestiert sie. Grenzen lassen sich nur mit einer inklusiven Bildungslandschaft überwinden.

Muñoz hatte im vergangenen Jahr das deutsche Bildungssystem scharf kritisiert. Nach ihrem Treffen mit Vernor Muñoz betonte Karin Evers-Meyer, die Schule für alle müsse zum Standard werden.

Bereits im Januar hatten Behindertenverbände auf eklatante Fehler in der zwischen Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz abgestimmten Übersetzung UN-Konvention aufmerksam gemacht, die nur entstehen konnten, weil man Betroffene in den Übersetzungsprozess nicht kontinuierlich einbezogen habe. Der Kobinet-Artikel ist mir wohl durchgegangen, deshalb stelle ich ihn hier noch mal besonders heraus.

Zur Abgrenzung von Integration und Inklusion s. den Wikipedia-Artikel zur Inklusiven Pädagogik

10.02.2008

Hubert Hüppe fordert Sendungen in leichter Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten

Fernsehen und Radio ist für Menschen mit Behinderungen häufig noch nicht barrierefrei

Kobinet berichtet:

Der behindertenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hubert Hüppe, fordert Sendungen in leichter Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Er hat dieses Anliegen in einem Schreiben an die Intendanten der öffentlich-rechtlichen Sender dargestellt. Hüppe hält "ein entsprechendes tägliches Sendeformat in leichter Sprache für geboten".
Er erklärt, dass das deutschsprachige Fernsehen und Radio für Menschen mit Behinderungen häufig immer noch nicht barrierefrei seien, wenngleich er Bemühungen der öffentlich-rechtlichen Sender mehr Barrierefreiheit zu schaffen, erkennen könne. Die Bedürfnisse von Menschen mit Lernschwierigkeiten würden jedoch viel zu selten berücksichtigt.
Hüppe: "Viele aus diesem Personenkreis können zum Beispiel den Nachrichten inhaltlich nicht folgen, da häufig eine Sprache mit vielen Fremdwörtern benutzt wird und Sachverhalte zu schwierig dargestellt werden. Es sollte jedoch auch für Menschen mit Lernschwierigkeiten die Möglichkeit geben, sich ihre Meinung zu politischen und wirtschaftlichen Themen durch Fernseh- und Radiosendungen zu bilden. Das ermöglicht echte Teilhabe.

Hubert Hüppe vertritt häufiger sehr vernünftige Positionen. Auch auf dem Kongress Eine Schule für Alle im November 2007, wo er auf dem Abschlußpodium saß, hat er mir gut gefallen. Aber leider hört man zu wenig auf ihn. Jedenfalls gilt das - trotz gleicher Pateizugehörigkeit der Ministerin - für die nordrhein-westfälische Schulpolitik.

Bleibt zu hoffen, dass die Intendanten der Rundfunkanstalten da aufmerksamer sind.

S. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Leichte_Sprache und http://www.people1.de/was_halt.html

28.01.2008

Eine Kerze für Gott

Im katholischen Kindergarten St. Ida in Holsterhausen spielt der Glaube eine große Rolle...

Netter Bericht der WAZ über den Kindergarten, den unsere Kinder besuchen.

27.01.2008

Sie haben doch keine spezielle Ausbildung für den Umgang mit Behinderten

Ein Teenager darf nicht mehr im örtlichen Sportverein mitmachen - weil er das Down-Syndrom hat

Die Taz berichtet über den Ausschluß eines 12-jährigen Jungen mit Down-Syndrom aus einem Ringerverein im bayerischen Aichach.

Aus Sicht der Mutter war dies (die Teilhabe am Alltagsleben) auch in der Ringertruppe möglich: Ferdinand habe freundschaftliche Beziehungen zu den anderen Sportlern aufgebaut. Nur zwei Wochen zuvor habe man gemeinsam Ferdinands Geburtstag gefeiert. Der Junge habe große motorische Fortschritte gemacht. Und beim Training habe er niemand gestört.
Die Gegenseite sieht das naturgemäß anders. "Wir haben es doch versucht mit dem Jungen", sagt Klaus Laske, Vorsitzender des TSV Aichach. "Aber der Versuch ist gescheitert." Ein paar Wochen lang hätten die Übungsleiter den Jungen mitringen lassen. Auf Dauer aber hätten sie es als zu schwierig empfunden, einen Jungen mit Downsyndrom in eine ganz normale Sportgruppe zu integrieren. "Die Übungsleiter fühlten sich überfordert. Sie haben doch keine spezielle Ausbildung für den Umgang mit Behinderten."

Wir haben doch keine spezielle Ausbildung. Ein beliebtes Argument, Integrationsbemühungen zu vermeiden.

Nicht nur in der Freizeit, auch in der Schule ist es das Killerargument um alle Ansätze von Integration und Inklusion scheitern zu lassen.

Wollen und können unsere Kinder wirklich warten, bis alle Beteiligten eine spezielle Ausbildung haben? Bis diese spezielle Ausbildung bei den Übungsleitern angekommen und in den Ausbildungsordnungen der Lehrer verankert ist? Bis die jetzige Generation von Übungsleitern und Lehrern durch eine neue Generation ersetzt ist, die diese spezielle Ausbildung hat?

Braucht es wirklich ein spezielle Ausbildung, ein Kind mit einer Behinderung in einem Sportverein mitmachen zu lassen? Braucht es eine spezielle Ausbildung, ein Kind mit Down-Syndrom zu unterrichten?

In Deutschland ist die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung die Normalität. Und niemand findet das merkwürdig. Denn unserer Gesellschaft fehlt die spezielle Ausbildung . Wir haben nie den normalen Umgang mit Menschen mit Behinderungen gelernt, weil diese nicht in unseren Kindergärten, Schulen und Vereinen vorkommen. Weil sie im Arbeitsleben nicht vorkommen. Und die Menschen mit Behinderung hatten oft keine Chance zu lernen, Teil der Geselleschaft zu sein. Sie wurden in Sondereinrichtungen, Behindertensportgruppen und beschützende Werkstätten ausgegrenzt.

Aber genau dieses Vorkommen in der Gesellschaft bedeutet Integration. Es geht nicht darum, immer und überall perfekte sonderpädagogische Konzepte umzusetzen. Es ist nicht entscheidend, ob ein Kind in einer Sondereinrichtung vielleicht doch noch ein wenig besser gefördert werden könnte (Noch so ein beliebtes Killerargument). Es geht um das normale gemeinsame Leben, in Schulen, Vereinen und am Arbeitsplatz.

Bei der Integration haben wir alle noch erheblichen Lernbedarf. Genau daran darf sie nicht scheitern.

25.11.2007

Klassenleben

Ein Film von Hubertus Siegert

Schulklasse mit unterschiedlichen Kindern. Titelbild Film Klassenleben

Februar 2004. Luca, Marwin, Dennis, Johanna, Christian und 15 andere Kinder treffen sich zum Halbjahresbeginn in der Berliner Fläming-Schule. Sie gehören zur Klasse 5d, der Förderklasse der Schule, in der Schüler extrem unterschiedlicher Fähigkeiten zusammen lernen. Vier der Kinder sind als behindert eingestuft, von lernschwach bis Klassenlebenschwerbehindert, und werden nicht benotet. Die Klasse hat zwei Betreuerinnen, einige Fachlehrer und die Klassenlehrerin, Frau Haase. Sie gilt als streng, aber fair. Ihre große Liebe gilt dem Theater.

Auf Augenhöhe mit den Kindern nimmt der Regisseur Hubertus Siegert teil am Abenteuer eines Schulhalbjahrs. Erfolge und Konflikte, Spaß und Tränen, Witz und Mühsal, Rivalitäten und Freundschaften blitzen in den verschiedenen Geschichten auf, die zusammen das bewegende Bild eines vielschichtigen und spannenden, ganz eigenen Universums zeichnen: ein Klassenleben.

Beim Kongress Eine Schule für alle, der am letzten Wochenende in Köln stattfand, bin ich auf diesen Film aufmerksame geworden, hatte dort allerdings keinen Gelegenheit, ihn zu sehen. Ich habe ihn deshalb bestellt und gestern abend konnten wir sehen, wie Schule sein kann.

Mit Schule hat ja wohl jeder seine ganz eigene Erfahrung und ein Film über eine Schulklasse, der aus der Perspektive der Schülerinnen und Schüler erzählt wird, weckt schon so manche Erinnerung und Emotion. Mein Fazit: hätte ich so lernen können, wie diese Berliner Schülerinnen und Schüler, dann wäre Schule für mich heute sicher mit weniger unangenehmen Gefühlen verbunden.

Das wichtigste Fazit lautet: Es geht doch! Schule für alle ist möglich. Das behaupten VertreterInnen der Integration zwar schon seit langem und berufen sich dabei auf Erfahrungen, die in Deutschland und in anderen Ländern längst täglich gemacht werden; hier ist es dem Betrachter aber möglich, es selbst mit zu erleben und dadurch erhält diese Erkenntniss Glaubwürdigkeit auf einer sehr persönlichen Ebene.

Der Film führt weg von den theoretischen Diskussionen, die Schüler selbst zeigen uns, dass gemeinsames Lernen für alle ein Weg ist, der sich lohnt.

22.11.2007

Integration in Dorsten

Wow, eben habe ich festgestellt, dass mein Blog bei Google auf Platz zwei und drei landet, wenn man nach Integration in Dorsten sucht. Direkt nach der CDU.

Google-Platzierung


Upate

Oh, bei schulische Integration Dorsten und gemeinsamer Unterricht Dorsten lande ich sogar auf Platz eins.

Update 01.12.2007

Heute lande ich sogar auf Platz 1 vor der CDU. Liegt vermutlich daran, dass Google jetzt diesen Artikel auch im Index hat.

14.11.2007

Firmung von Kindern mit Behinderung

Am Wochenende wurden in der Dorstener Förderschule für geistige Entwicklung vier Schülerinnen gefirmt

In der Dorstenen Zeitung (Papierfassung) fand ich heute einen Bericht darüber, dass am Wochenende vier Schülerinnen der Dorstener Haldenwangschule, einer Förderschule für geistige Entwicklung, von Weihbischof Ostermann gefirmt worden sind - in der Schule. Auf dem Foto zum Artikel sieht man eine kleine Gruppe, darunter drei Kinder in Rollstühlen.

Da ich über die Hindergründe und über die Traditionen dieser Schule und auch über die Kinder und ihre Eltern nicht viel weiss, halte ich mich mit einem Urteil darüber zurück. Merkwürdig erschien es mir aber doch. Findet die Firmung sonst nicht in der Kirche statt? Als ich gefirmt wurde, war das noch so. Warum nehmen denn diese Kinder mit Behinderung nicht mit anderen Kindern an der Firmung in der Gemeinde teil? Geht die Ausgrenzung behinderter Kinder jetzt schon so weit, dass selbst die Sakramente separat gespendet werden?

Über Kommentare würde ich mich freuen.

12.11.2007

Schulen wollen keine behinderten Schüler

Die Schulgesetze schreiben längst vor, dass Behinderte in normale Schulen sollen. Doch die Realität sieht gerade bei schwer beeinträchtigten Kindern anders aus.

Die TAZ bringt heute einen lesenswerten Artikel über die Realität des gemeinsamen Unterrichtes.

Ich frage mich schon lange, wie es sein kann, dass Schulen selbst entscheiden dürfen, welche Kinder mit Behinderung sie aufnehmen.

Dass dieses Thema zur Zeit verstärkt in den Medien vorkommt, liegt sicher auch daran, dass am Wochenende der Kongress Eine Schule für alle in Köln stattfindet. (Zumindest an einem Tag werde ich auch hinfahren.)

Kobinet berichtet:

Der Deutsche Kinderschutzbund und der Verein mittendrin forderten heute im Rahmen der Landespressekonferenz ein integratives Bildungssystem und einen sofortigen Stopp der Ausgrenzung von Kindern

Die Landesregierung wurde von den Organisationen zum Handeln und damit zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen aufgefordert, die ein inklusives Bildungssystem verlangt. Es müsse endlich Schluss sein mit dem Aussortieren von Kindern in Sonderschulen, Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien: es müsse eine Chancengleichheit in der Bildung für alle Kinder in NRW geben.

Erschreckend: In NRW wird bei der Zahl der Kinder mit Behinderung, die Förderschulen besuchen, der Bundesdurchschnitt noch übertroffen. 91 Prozent aller behinderten Kinder werden in Sonderschulen unterrichtet - bundesweit sind es 87 Prozent.

08.11.2007

Deutscher Behindertenrat lädt zu Veranstaltung zu den Themen Bildung und Arbeit ein

Gleichstellung? Teilhabe? Inklusion? Berufliche Bildung?

Der Arbeitskreis Down-Syndrom weist auf eine Veranstaltung des deutschen Behindertenrates hin.

Ich kann am 03.12. leider nicht nach Berlin fahren. Aber vielleicht ist das ja für jemanden von Interesse, der hinfahren kann.

Gleichstellung? Teilhabe? Inklusion? Berufliche Bildung?, so lautet der Titel einer Veranstaltung des Deutschen Behindertenrates (DBR), die am 3. Dezember 2007 von 11.00-16.00 Uhr im Bärensaal im Alten Stadthaus, Klosterstraße 47, in Berlin anlässlich des UN-Tages behinderter Menschen stattfindet. Einmal jährlich, immer am 3. Dezember, lädt der DBR, das Aktionsbündnis der deutschen Behindertenverbände, zu einer zentralen behindertenpolitischen Veranstaltung nach Berlin ein. In diesem Jahr wird sich der DBR vorrangig den Themen Bildung und Arbeit zuwenden.

Näheres unter http://www.isl-ev.de/

06.11.2007

Unterschriften für die UN-Konvention

»Die Gesellschafter« fordern die sofortige Ratifizierung der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen

Kobinet weist auf eine Unterschriftensammlung der von der Aktion Mensch gestarteten Initiative "die Gesellschafter" hin, die die sofortige Ratifizierung der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen fordert. Auf die Bedeutung dieser Konvention für die schulische Integration habe ich ja auch schon ein paar mal hingewiesen.

Ab 30. März 2007 sind alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen aufgerufen, das internationale Übereinkommen zu unterzeichnen. Deutschland hat dies am 30. März 2007 getan. Insgesamt haben an diesem Tag 80 Staaten das Übereinkommen gezeichnet. Die Staaten verpflichten sich damit, das Ratifizierungsverfahren einzuleiten, im Falle Deutschlands heißt dies, die Zustimmung des deutschen Gesetzgebers einzuholen. Die Bundesregierung wird von den Verbänden der Behindertenhilfe und –selbsthilfe dazu aufgefordert, sich für eine zügige Ratifizierung noch in 2007 einzusetzen.

Im Rahmen des Gesellschafter-Projekts startete dazu am 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, eine Unterschriftensammlung, mit der die Bundesregierung gedrängt werden soll, die UN-Konvention möglichst schnell zu ratifizieren. Die Unterschriftensammlung wird bis Ende 2007 fortgesetzt.

Unterschriftenlisten konnen direkt von der Aktionsseite herunter geladen werden (PDF)

Eine Möglichkeit zur Online-Teilnahme konnte ich nicht finden.

01.11.2007

Bundesverwaltungsgericht bestätigt Recht auf gemeinsamen Unterricht

Zum Zweck der Integration müssen die Kosten für einen Integrationshelfer übernommen werden, auch wenn diese beim Besuch einer Förderschule gespart werden könnten

Den Hinweis auf dieses Urteil habe ich im Blog des Arbeitskreis Down-Syndrom gefunden.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat gestern in zwei Verfahren darüber entschieden, dass die Stadt Chemnitz verpflichtet ist, die Kosten eines Integrationshelfers (Unterstützungsperson beim Schulbesuch) für ein schulpflichtiges behindertes Kind - hier: für die integrative Unterrichtung an einer Montessori-Grundschule bzw. an einer Montessori-Mittelschule - zu übernehmen. (BVerwG 5 C 34.06 und C 35.06 / Urteile vom 26. Oktober 2007 http://www.bundesverwaltungsgericht.de/)

Das scheint mir ein wichtiges Urteil zu sein, weil es die Entscheidungsfreiheit der Eltern stärkt. Das Schulamt hatte den Eltern die Entscheidung überlassen, das Kind entweder in eine Montessori-Schule oder in eine Förderschule zu geben. Hätte der Sozialhilfeträger die Möglichkeit, durch die Verweigerung der Mittel für einen Integrationshelfer Kosten zu sparen, wäre die Entscheidungsfreiheit der Eltern zur Farce geworden.

Begrüßt wurde das Urteil auch von der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karin Evers-Meyer (SPD) und von dem Beauftragten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Belange der Menschen mit Behinderungen, Hubert Hüppe MdB

Tja, da fragt man sich: Wenn sich alle so schön einig sind, dass Integration in Deutschland nicht hinreichend umgesetzt wird, warum passiert dann nicht mehr.

11.10.2007

Gehörloses Mädchen soll Regelschule verlassen

Der Sozialhilfeträger verweigert einem gehörlosen Mädchen die Weiterfinanzierung des Gebärdendolmetschers, ohne die nur der Wechsel in eine Förderschule bleibt. Xenja kommuniziert Behinderte Kinder in Deutschland besuchen in der Regel Förderschulen. Integration ist nach wie vor die Ausnahme, trotz kompetenter Warnungen, trotz Anerkennung der UN-Konvention über die Rechte Behinderter durch die Bundesrepublik und häufig gegen den Willen der Eltern.

Nur 13 Prozent aller behinderten Kinder in Deutschland werden in Regelschulen integriert. Dass Deutschland damit zum Entwicklungsland bei der Integration wird, läßt sich kaum bestreiten.

Zu den wenigen Kindern, die trotz Behinderung die Regelschule besuchen, gehört Xenja.

Xenja ist Tochter gehörloser Eltern, überdurchschnittlich begabt und von den Eltern bestens gefördert. Aufgrund von Gutachten und der Befürwortung des Schulamtes wurde Xenja in der Regelschule aufgenommen und meistert dort bestens mit Gebärdensprachdolmetscherinnen ihren Schulalltag. Xenja möchte auf der Regelschule in Kerpen, in der sie seit August 2007 beschult wird, bleiben. Doch das Sozialamt Bergheim lehnt jetzt, die Kostenübernahme für die Gebärdensprachdolmetscherinnen ab. Es sei zu teuer. Xenja könne ja auf die Sonderschule mit Schwerpunkt "Hören und Kommunikation" gehen.

Allerdings wird Xenias Sprache, die Deutsche Gebärdensprache, an der Förderschule überhaupt nicht eingesetzt.

Nach derzeit geltendem Recht kann diese Entscheidung vor Gericht eigentlich keinen Bestand haben. Aber was hilft das Xenia? Inzwischen läuft zwar ein Verfahren vor dem Sozialgericht, aber solche Verfahren können sich über Jahre hinziehen.

Die Kosten für die Gebärdensprachdolmetscherinnen übersteigen das Einkommen der Familie. Wenn nicht Spendengelder gesammelt werden können, bleibt der Familie nichts anderes übrig, als Xenja von der Regelschule zu nehmen

Unter http://www.kestner.de gibt es deshalb einen Spendenaufruf, um die Kosten für die Gebärdendolmetscherinnen zu finanzieren.

Es ist noch ein weiter Weg, bis schulische Integration in Deutschland in ausreichendem Maße erreicht sein wird. Dabei sieht Artikel 24 der UN-Konvention über die Rechte Behinderter die Integration im Grundschul- und Sekundarschulbreich eindeutig vor:

2. Bei der Verwirklichung dieses Rechts (auf Bildung, W.) stellen die Vertragsstaaten sicher,
a) dass Menschen mit Behinderungen nicht auf Grund ihrer Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden und dass Kinder mit Behinderungen nicht auf Grund ihrer Behinderung vom unentgeltlichen und obligatorischen Grundschul- unterricht oder von der Sekundarschulbildung ausgeschlossen werden;
b) dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben, Zugang zu einem integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Grundschulunterricht und einer entsprechenden Sekundarschulbildung haben (zitiert nach der Arbeitsübersetzung der Lebenshilfe)

Noch ist die Umsetzung in Deutschland nicht vollzogen. Dass dies geschieht und die Rechte behinderter Menschen in absehbarer Zeit auch Eingang in deutsche Gesetze finden, ist zu erwarten, nachdem Deutschland die Konvention unterzeichnet hat.

Kann es wirklich sein, dass Kinder bis dahin trotzdem in Kauf nehmen müssen, dass ihnen derart existentielle Rechte vorenthalten werden?

Foto: http://www.kestner.de

15.08.2007

Behindertes Mädchen muss nicht in Sonderschule

Kölner Verwaltungsgericht hält die Frage, ob es genügend Integrationsplätze gibt, für sachfremd bei der Entscheidung für den besten Förderort

Kobinet berichtet heute über eine Entscheidung des Kölner Verwaltungsgerichtes, das einem Mädchen mit Down-Syndrom die Teilnahme am gemeinsamene Unterricht ermöglicht, obwohl die Schulaufsichtsbehörde sie an eine "Förderschule für geistige Entwicklung" verwiesen hatte.

Die Eltern wollten die Schülerin integrativ beschulen lassen. Da an den wenigen gut ausgestatteten städtischen Integrationsschulen kein Platz mehr frei war, wurde sie an einer privaten integrativen Waldorfschule aufgenommen. Die Schulaufsichtsbehörde entschied jedoch dagegen, obwohl zwei Gutachten eine integrative Beschulung empfahlen.

"Die 10. Kammer des Verwaltungsgerichts stellte in dem inzwischen rechtskräftigen Urteil fest, dass der Schulaufsicht mehrere Verfahrensfehler unterlaufen waren. Sie hatte weder die Eltern zu einer Anhörung eingeladen, noch es für nötig befunden, die Entscheidung für die Sonderschule inhaltlich zu begründen", heißt es in einer Pressemitteilung des Kongresses "Eine Schule für Alle".

Das Gericht befand außerdem, dass in diesem Fall die Entscheidung, das Kind gegen den Willen der Eltern der Sonderschule zuzuweisen, auch inhaltlich rechtswidrig war, denn der Förderbedarf des Mädchens könne auch in Regelschulen mit gut ausgestattetem "Gemeinsamen Unterricht" gewährleistet werden.

Das Gericht habe dem Schulaufsichtsamt in diesem Zusammenhang "eine deutliche Rüge erteilt". Schulaufsichtsbehörden dürften ihre Entscheidungsgewalt über den geeigneten Förderort für ein Kind nicht dazu missbrauchen, knappe Ressourcen im Gemeinsamen Unterricht zu bewirtschaften. Die Frage, ob es genügend Integrationsplätze gebe, sei bei der Entscheidung, welcher Förderort für das einzelne Kind der beste sei, ein "sachfremdes Kriterium"

Besonders der letzte Punkt ist eine wichtige Klarstellung. Bisher ist es noch so, dass gemeinsamer Unterricht nur möglich ist, wenn Plätze dafür vorhanden sind. Faktisch ist die schulische Laufbahn eines behinderten Kindes also davon abhängig, wieviele Plätze für den gemeinsamen Unterricht die erreichbaren Schulen gerade anbieten.

Auch wenn Deutschland durch die Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen das Recht auf integrative Beschulung im Primar- und Sekundarschulbereich anerkennt, werden Eltern in der Praxis immer noch häufig darauf verwiesen, dass die Rahmenbedingungen nicht vorhanden sind oder nicht ausreichend Plätze zur Verfügung stehen.

Solange die Förderschulen die Regel und der gemeinsame Unterricht die Ausnahme beiben, wird sich daran wohl auch nichts ändern - Trotz dieses positiven Urteils.

09.07.2007

Gemeinsamer Unterricht - Deutschland hat Nachholbedarf

ZDF-Beitrag zum gemeinsamen Unterricht

Am 03.07 brachte die ZDF-Sendung "Frontal 21" einen Beitrag zum Thema "gemeinsamer Unterricht", den man auch jetzt noch im Internet ansehen kann. Über den Blog des Arbeitskreis Down-Syndrom bin ich darauf aufmerksam geworden, habe es aber erst heute geschafft, den Beitrag zu sehen.

Die Sendung stellt gut heraus, wie rückständig Deutschland beim gemeinsamen Unterricht im Vergleich zu anderen EU-Ländern ist. Das wusste ich zwar schon, trotzdem finde ich den Beitrag sehenswert.

Die Adresse des Streams für den Realplayer lautet http://rstreaming.zdf.de/zdf/300/070703_behinderte_f21.ram

21.06.2007

Artikel 24 der UN-Konvention über die Rechte behinderter Mensche umsetzen

Gemeinsamer Unterricht in der Sekundarstufe - man kann nicht früh genug anfangen, weiter zu denken

Unser Sohn hat das Down-Syndrom. Er wird ab Sommer 2008 in eine Grundschule gehen, die seit Jahren Erfahrung mit dem gemeinsamen Unterricht hat und außerdem nur 5 Minuten Fußweg von uns entfernt liegt. So weit, so gut.

Gemeinsamer Unterricht in der Grundschule ist in NRW verbreitet. Das größere Problem ist scheinbar die Integration in der Sekundarstufe. Artikel 24 der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen (Arbeitsübersetzung Lebenshilfe) sieht ausdrücklich die Integration im Grundschul- und Sekundarschulbreich vor. Faktisch sieht es jedoch so aus, dass nur wenige Schulen der Sekundarstufe gemeinsamen Unterricht anbieten. In unserem Umfeld gibt es - soweit wir das wissen - nur eine Schule und die ist recht weit weg von uns (10,7 km). Ich kann mir nicht vorstellen, das eine Schule ausreicht, um langfristig den Bedarf zu decken. Gemeinsamer Unterricht muss auch im Sekundarstufenbereich flächendeckend angeboten werden.

Hier muss sich etwas ändern und dafür müssen wir vermutlich etwas tun:

  • Druck auf Politiker ausüben, den Artikel 24 der UN-Konvention schnell in geltendes Recht umsetzen
  • Schulen überzeugen, ebenfalls gemeinsamen Unterricht anzubieten
  • Andere Menschen davon überzeugen, dass Kinder mit Behinderungen nicht am Besten in der Sonderschule aufgehoben sind
  • Andere Eltern mobilisieren

Wir möchten in der nächsten Zeit beginnen, uns diesem Thema zu widmen - mit einer lokalen Orientierung in Dorsten und Umgebung. Wir wollen erreichen, dass sich die Situation in den nächsten 4 Jahren deutlich ändert.

Die Organisation Gemeinsam Leben - Gemeinsam lernen e.V. ist dabei sicher ein kompetenter Partner. Einen spannenden thematischer Einstieg bildet auch der Kongress "Eine Schule für alle" vom 16. - 18.11.2007 in Köln.

Wir würden uns freuen, Kontakt zu weiteren Eltern zu bekommen, denen das Thema ebenso wichtig ist, wie uns. Schön (aber nicht Bedingung) wäre es, wenn diese Eltern aus unserer Region kämen. Gemeinsam können wir etwas erreichen. Kontakt ist über die Kommentarfunktion oder über die im Impressum angegebene Adresse möglich.

15.06.2007

Eine Schule für alle

Eltern-Schüler-Bündnis für Nordrhein-Westfalen fordert die Integration behinderter Kinder in die allgemeinen Schulen

Am 14.06.2007 berichtet Kobinet von einer Pressekonferenz im DGB-Haus in Köln.

"Jedes Jahr werden überall in Deutschland Eltern von den Schulämtern gezwungen, ihre behinderten Kinder gegen ihren Willen in Sonderschulen einzuschulen - auch in Nordrhein-Westfalen. Die gesellschaftliche Integration behinderter Menschen ist ein beliebtes Thema politischer Sonntagsreden. In der Schule findet sie nicht statt. 87 Prozent aller behinderten Kinder werden von den anderen Kindern getrennt in speziellen Förderschulen unterrichtet. Damit leistet sich Deutschland eine der niedrigsten Integrationsquoten Europas. Doch wann soll Integration gelernt werden - wenn nicht in der Schule?", heißt es in der Einladung zur heutigen Pressekonferenz.
Die internationale Rechtslage sei eindeutig: In Artikel 24 der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen verpflichte sich als Unterzeichner auch Deutschland, auf allen Ebene ein inklusives (alle Menschen einbeziehendes) Bildungssystem bereit zu stellen. omp

Das passt ja genau zu unserer Situation. Unser Sohn soll nach einem Gutachten, das im Rahmen der AO SF (PDF) erstellt wurde, auch in eine Sonderschule, weil die - eigentlich integrativ arbeitende - wohnortnahe Grundschule für Ihn nicht die Rahmenbedingungen schaffen kann. Wir versuchen noch, eine Alternative zu finden, aber das ist schwierig. Das eigentliche Problem ist, dass er mit gerade 5 Tagen noch unter die NRW-Schulpflicht 2007 fällt. Eigentlich sollte er nach Ansicht fast aller, die mit ihm zu tun haben, noch ein Jahr im Kindergarten bleiben. Das ist in NRW aber inzwischen fast völlig ausgeschlossen.

Hat vielleicht jemand eine Kontaktadresse zu dieser Initiative und kann sie mir als Kommentar hinterlassen?

Mir ist übrigens bekannt, dass Sonderschulen in NRW inzwischen Förderschulen heißen.

Update

Gerade als ich den Artikel fertig geschrieben habe, finde ich diesen Bericht bei Kobinet. Die Frage nach der Kontaktadresse hat sich damit erledigt.

http://www.eine-schule-fuer-alle.info/

14.06.2007

Sonderschule muß weg

Behindertenbeauftragte Karin Evers-Meyer setzt sich für mehr schulische Integration ein

Die Frankfurter Rundschau berichtet am 14.06.2007 unter dem Titel "Sonderschule muss weg"

Behindertenbeauftragte verlangt bessere Integration
Die Abschaffung der Sonderschule hat die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung am Montag gefordert. Das "selektive deutsche Schulsystem" sei überholt, sagte Karin Evers-Meyer der Frankfurter Rundschau anlässlich einer europäischen Konferenz zur Behinderten-Integration in Berlin. Blinde, Gehörlose, geistig oder Lernbehinderte müssten gemeinsam mit nicht behinderten Kindern unterrichtet werden.
"Andere Länder machen das längst vor", so Evers-Meyer. Während in Deutschland nur zwölf Prozent der behinderten Kinder integrative Schulen besuchten, seien es im Ausland 60 bis 80 Prozent, etwa in Italien oder Schweden. "Viele meiner Kollegen im Ausland sagen mir, dass wir in Deutschland immer noch besser aussortieren als integrieren. Das hat mich entsetzt", sagt Evers-Meyer. Mit Assistenten, die den Kindern im Schulalltag zur Seite stehen, sei Integration kein Problem. "Das funktioniert nicht in einer Klasse mit 28 Kindern und einem Lehrer. Ich plädiere nicht für die Abschaffung des sonderpädagogischen Förderbedarfs", betont Evers-Meyer.
"Individuelle Förderung ist alles, nur muss sie zusammen mit Nichtbehinderten stattfinden. Schließlich lernen wir alle vom Austausch." Auch die Hauptschule habe ausgedient: "Wir müssen endlich weg vom Aussortieren." Integration am Arbeitsmarkt könne nur gelingen, wenn Arbeitgeber die Erfahrung machten, "dass Behinderte Leistung bringen."

05.06.2007

Schulische Integration behinderter Kinder muss Standard werden

Deutscher Behindertenrat fordert ein konsequentes Umsteuern in der Schulpolitik

Beim Arbeitskreis Down-Syndrom gefunden:

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Sprecherrates des Deutschen Behindertenrates, Horst Frehe, trifft die Kritik des UN-Sonderberichterstatters für das Recht auf Bildung, Vernor Munoz, im Hinblick auf die Benachteiligungen behinderter Kinder und Jugendlicher im deutschen Schulsystem genau den Nagel auf den Kopf. Das deutsche Schulsystem sondert nach Ansicht von Horst Frehe behinderte Kinder in hohem Maße und ohne Not aus dem allgemeinen Schulsystem aus. Damit werde ihnen in der Regel die Chancen auf eine echte Integration und Teilhabe verbaut. Die Länder praktizierten mit der Sonderbeschulung eine Ausgrenzungspolitik auf Kosten behinderter Kinder.

"Im Gegensatz zu anderen Ländern Europas erleben wir in Deutschland in den letzten Jahren eher sogar ein roll-back bei der schulischen Integration behinderter Kinder obwohl es mittlerweile auf so vielen Ebenen erwiesen ist, dass nicht nur die behinderten Kinder, sondern alle Schüler von der schulischen Integration profitieren. Es fehlt schlichtweg der politische Wille die schulische Integration umzusetzen und hierfür die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Wenn nur ca. 12 Prozent der behinderten Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Deutschland in der Regelschule unterrichtet werden, ist dies mehr als beschämend für unser Land und bietet keinen Grund, die Kritik von Vernor Munoz zurückzuweisen", kritisierte Horst Frehe. Die Kleinstaaterei und die Egoismen der einzelnen Länder auf Kosten behinderter Kinder zu sparen, verhindere eine längst überfällige Strategie für eine konsequente Integration behinderter Kinder in die Regelschule.

"Wir fordern ein konsequentes Umsteuern in der Schulpolitik und die Sicherstellung der Menschenrechte behinderter Menschen im Bildungswesen, so dass die schulische Integration zum Standard wird", erklärte Horst Frehe. Die Tatsache, dass eine Reihe von Eltern für eine Sonderbeschulung ihrer behinderten Kinder plädiere, sei letztendlich ein Hilferuf, der die eklatanten Mängel an vielen Regelschulen deutlich mache. "Wer dies als Rechtfertigung für die Sonderbeschulung nimmt, agiert in hohem Maße zynisch und drückt sich um die Schaffung der nötigen und eigentlich selbstverständlichen Rahmenbedingungen im Schulsystem, um allen Kindern gerecht zu werden", so Horst Frehe.

Quelle: http://www.deutscher-behindertenrat.de/ID57217

07.05.2007

Behinderte Kinder im Nachteil

Die Jura-Professorin Theresia Degener beklagt eine Benachteiligung Behinderter in deutschen Schulen

Wie berichet startete am 30. März 2007 bei der UN der Ratifizierungsprozess für die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen. Deutschland hat an diesem Tag die Konvention im Rahmen einer Zeremonie in New York unterzeichnet.

Zu diesem Thema brachte der Deutschlandfunk am 30.03.2007 ein Interview mit der Jura-Professorin Theresia Degener

Ihrer Ansicht nach kann die Konvention Eltern helfen, in Zukunft ein bundesweites Schulwahlrecht für ihre behinderten Kinder zu bekommen. Weil wir uns seit einiger Zeit genau mit diesm Thema befassen, erscheint mir dieser Beitrag so wichtig, dass ich ihn hier noch erwähnen möchte.

In Deutschland gehen 87 Prozent aller behinderten Kinder in Sonderschulen und nur 13 Prozent in Regelschulen. International gesehen sind wir da ein Entwicklungsland

Den Hinweis zu diesem Radiobeitrag fand ich heute im Gesellschafter-Tagebuch in einem ebenfalls lesenswerten Artikel der Theologin und Bioethikerin Dr. Heike Knops, mit dem Titel "Heime stehen dem Interesse an Integration entgegen".

01.04.2007

Schulische Integration ist das Stiefkind deutscher Bildungspolitik

UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen ratifiziet. Lebenshilfe fordert ein klares Signal.

Die gerade von UN-Berichterstatter Vernor Muñoz Villalobos in seinem Bericht festgestellte Ausgrenzung und die Abschottung behinderter Kinder von den Regelschulen zeigt, dass es in Sachen schulischer Integration in Deutschland erheblichen Nachholbedarf gibt.

Am 30. März 2007 startete bei der UN der Ratifizierungsprozess für die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen. Deutschland hat an diesem Tag die Konvention im Rahmen Zeremonie in New York unterzeichnet.

Die Bundesvereinigung der Lebenshilfe begrüßt den Schritt, betont aber in einer Pressemitteilung auch, dass nun in Deutschland dringend Taten folgen müssen. Schulische Integration bezeichnet die Lebenshilfe als das Stiefkind deutscher Bildungspolitik.

Dabei sieht Artikel 24 der UN-Knvention die Integration im Grundschul- und Sekundarschulbreich eindeutig vor:

2. Bei der Verwirklichung dieses Rechts (auf Bildung, W.) stellen die Vertragsstaaten sicher,
a) dass Menschen mit Behinderungen nicht auf Grund ihrer Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden und dass Kinder mit Behinderungen nicht auf Grund ihrer Behinderung vom unentgeltlichen und obligatorischen Grundschul- unterricht oder von der Sekundarschulbildung ausgeschlossen werden;
b) dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben, Zugang zu einem integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Grundschulunterricht und einer entsprechenden Sekundarschulbildung haben;
(zitiert nach der Arbeitsübersetzung der Lebenshilfe)

Die Lebenshilfe weist darauf hin, dass im Jahr 2003 über 97 Prozent der geistig behinderten Kinder eine Sonderschule besuchten und fordert ein Wahlrecht für Eltern behinderter Kinder:

"Wir Eltern wollen selbst entscheiden, ob unser Kind in die Sonderschule oder eine wohnortnahe allgemein bildende Schule gehen soll", sagt Tina Winter (Wetzlar), Mutter einer Tochter mit Down-Syndrom und Mitglied im Bundesvorstand der Lebenshilfe. Die Schulgesetze aller Bundesländer sollten dahingehend geändert werden, aber ohne den gern verwendeten Zusatz "unter Haushaltsvorbehalt". Der sonderpädagogische Förderbedarf, auf den ein Kind mit Behinderung einen Anspruch hat, müsste dann in der Schule umgesetzt werden, in die das Kind auf Elternwunsch hin aufgenommen wird. Im Kindergarten werde dies heute schon vielerorts mit Erfolg praktiziert.

22.03.2007

Nachteile für Behinderte

UN-Sonderberichterstatter legt Bericht vor

Wie die Frankfurter Rundschau heute berichtet, legte Vernor Muñoz, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, seinen Bericht über das deutsche Bildungssystem vor.

Darin stellt er die Ausgrenzung und die Abschottung behinderter Kinder von den Regelschulen fest.

Es sei die Ausnahme, dass Behinderte mit Nicht-Behinderten gemeinsam unterrichtet würden. Zwar wolle der Staat die Integration, doch de facto herrsche eine Politik der Absonderung. Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen den von Muñoz kritisierten Trend. So ist die Zahl der Förderschüler in den vergangenen Jahren gestiegen. Gleichzeitig stagniert die Zahl der Kinder mit Behinderungen, die in "normalen" Schulen unterrichtet werden bei unter vier Prozent.

Diese Beobachtung kann ich nur bestätigen. Zwar ist die Möglichkeit der Integration im Grumndschulbereich häufig noch gegeben, spätestens wenn es um den Wechsel auf weiterführende Schulen geht, ist es ein großer Glücksfall, wenn wohnortnah eine Möglichkeit zum gemeinsamen Unterricht vorhanden ist. Für unseren Sohn Noah gibt es die Möglichkeit der Integration in einer nahe gelegenen Grundschule. Von der 5. Klasse an gibt es hier in Dorsten kam Möglichkeiten.

Allerdings eröffnet in absehbarer Zeit in Dorsten eine Montessori-Schule Vielleicht ergeben sich da neue Möglichkeiten.


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