13.09.2008

Lidl und der faire Handel - Die Fortsetzung

Unternehmen hat scheinbar auf Kritik reagiert

am 20.01.2008 berichtete ich hier über einen geplatzten Deal zwischen Lidl und einer gemeinnützigen Kooperative in Paraguay, die Tierspielzeuge aus Loofah (das sind diese Schwammmkürbisse auch bekannt als Luffa) mit Bio-Siegel produziert. Meine Quelle war ein Artikel der Aktuellen Rundschau, einer deutschsprachigen Zeitung in Paraguay.

Heute erhielt ich eine Mail vom Chefredakteur der Aktuellen Rundschau, Herrn Thomas Freiherr von Schilling, mit einer Presseinformation mit dem Titel "LIDL rettet still und leise ein soziales Entwicklungsprojekt in Südamerika" (auch hier veröffentlicht, auf der Homepage der Aktuellen Rundschau konnte ich sie nicht finden!)

LIDL reagiert auf unsere Pressemeldung und zeigt soziale Verantwortung

Die für die LIDL-Geschäftsleitung völlig unbekannte Loofah S.A. stand plötzlich im Mittelpunkt des Interesses. Der Geschäftsführer der LIDL-Stiftung, Herr Kortum, nahm sich persönlich der Angelegenheit an und versicherte seinerzeit Frau Brigitte Fuzellier, Geschäftsführerin der Loofah S.A., dass die LIDL-Geschäftsleitung ein derartiges Geschäftsgebaren nicht duldet und für alle getroffenen Zusagen einstehen wird. Eine Aussage, die in den darauf folgenden Monaten um einiges übertroffen werden sollte!

Auf Rückfrage bei der Geschäftsführerin der Loofah-Kooperative, Frau Fuzellier erfuhr die Aktuelle Rundschau, dass jede der seinerzeit getroffenen Zusagen von LIDL eingehalten wurde.

Mehr noch, LIDL erhöhte das ursprüngliche Auftragsvolumen der BIO-Loofahprodukte und erteilte bereits den ersten Folgeauftrag für eine Werbeaktion im November 2008.
So erzählte uns Frau Fuzellier, dass sie im Juni diesen Jahres nach Deutschland reiste, um beim Lebensmittelkonzern LIDL ihr Entwicklungsprojekt zur ländlichen Armutsbekämpfung persönlich zu präsentieren. Sie muss mit überzeugenden Agumenten aufgewartet haben, denn Herr Kortum offerierte ihr eine weitere gute Zusammenarbeit mit LIDL, auch über die deutschen Landesgrenzen hinaus. So soll die BIO-Produktlinie Loofah in den Bereichen: Wellness, Tierspielzeug und Küchenbereich erweitert werden.

Ich freue mich über die positive Entwicklung, die sicher auch als Erfolg der kritischen Berichterstattung zu werten ist, zeigt es doch mal wieder, dass Öffentlichkeit und mögliche Imagesschäden Konzerne zum Einlenken bringt können.

Aber ich würde nicht sagen, dass jetzt alles gut ist. Ein Konzern wie Lidl ist kein Wohlfahrtsunternehmen. Nach wie vor kritisieren NGOs und Gewerkschaften immer wieder den Umgang mit Mitarbeitern (wir erinnern uns noch gut an den Bespitzelungsskandal) und das Dumping-Gebaren im Lebensmittelbereich.

Ich neige zu der Ansicht, dass die Teilnahme von Lidl am Fairen Handel diesem eher schadet als nutzt. Ich sehe zwar auch den Vorteil, dass hier ein riesiges Handelsvolumen für den Fairen Handel entsteht, aber es besteht auch die Gefahr einer Abhängigkeit, wenn Lidl einen so erheblichen Anteil hält. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, dass Transfair den Verlust dieses Lizenznehmers so einfach wegstecken könnte.

Was meint Ihr?

15.04.2008

»Endstation Ladentheke« - Neuer Oxfam-Bericht

Die krumme Tour der Supermärkte

"Marktkonzentration führt zu Arbeitsrechtsverletzungen in Entwicklungsländern", das ist das Fazit des gestern vorgstellten neuen Berichtes von Oxfam

Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro sind mit verantwortlich dafür, dass Tausende von Arbeiter/innen in Entwicklungsländern zu Hungerlöhnen und unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten müssen. Die genannten fünf größten deutschen Supermarktketten bedienen 70 Prozent des Marktes und nutzen diese Macht schamlos aus. Am Beispiel des Bananen- und Ananasmarktes belegt die neue Oxfam-Studie "Endstation Ladentheke" die katastrophalen Arbeitsbedingungen der Arbeiter/innen in Costa Rica und Ecuador. Oxfam Deutschland fordert die Supermarktkonzerne auf, ihre Einkaufspolitik drastisch zu ändern. Ferner ruft Oxfam das Bundeskartellamt zur umfassenden Prüfung der Einkaufsmacht der Supermarktketten auf.

20.01.2008

Lidl und der faire Handel

Ein Deal mit Lidl bringt ein nationales Entwicklungsprojekt in Paraquay an die Existenzgrenze

Ende Dezember berichtet die Aktuelle Rundschau, eine deutschsprachige Zeitung aus Paraquay, über ein geplatztes Geschäft zwischen dem gemeinnützigen Unternehmen Loofah-Art in Paraquay, und dem Konzern Lidl. Es geht um einen Auftrag für 240.000 Tierspielzeuge mit Bio-Siegel und um ein Auftragsvolumen von 194.400 Euro. Offenbar hat sich die Geschäftsführerin des Unternehmens mit einem mündlichen Auftrag zunächst zufrieden gegeben, die schriftliche Auftragserteilung rückte dann schnell aufgrund anderer Verhandlungen in den Hintergrund - ein großes Geschäft für das kleine Unternehmen mit 144 Mitarbeitern. Die Produktion lief an.

Wenige Monate später will man bei Lidl von diesem Auftrag aber nichts mehr wissen.

Nachdem Herr Michael C. (von Lidl, W.) nicht erreichbar war, führt Frau Fuzellier (Geschäftsführerin Loofah, W.) mit dem Einkaufsleiter der LIDL-Importabteilung Herrn B. ein Telefongespräch, in dem er ihr erklärt, dass LIDL dieselben Loofah-Produkte in China viel billiger bekommt. Daraufhin erwidert Frau Fuzellier: „Unsere Loofah-Produkte sind ja ganz anders, wir haben ein anderes Design, mit Bio-Zertifikat." Herr B. antwortet: „Nein, es sind genau dieselben, und solche Zertifikate kauft man einfach." Als Frau Fuzellier die für sie brennende Frage stellt, was nun mit den 240.000 Tierspielzeugen wird, antwortet Herr B.: „Machen Sie mir einen besseren Preis, und alles weitere klären Sie bitte über unseren Importeur." Nach diesem Gespräch ist keiner der Ansprechpartner mehr für Frau Fuzellier erreichbar.

Eine solche Situation bringt das kleine Unternehmen an die Grenze seiner Existenz.

Vielleicht war ja alles ein Missverständniss. Vielleicht gehört Lidl ja zu den Guten und die Geschäftsführerin der gemeinnützigen Loofah-Art AG hat sich einfach geirrt. Bedauerlich, aber so läuft das Geschäft. Vermutlich wird man das bei Lidl so sehen. Glauben mag ich es nicht.

"Lidl unterstützt den fairen Handel mit Entwicklungsländern", so lautet die Schlagzeile auf der Internetseite http://www.lidl-fairglobe.de/. Das Beispiel macht deutlich, wohin es führt, wenn sich Großkonzerne wie Lidl auf den Markt des fairen Handels begeben. Für solche Konzerne zählt der Profit. Für soziale Verantwortung ist da wohl kein Platz.

Was ist denn eigentlich von der oben zitierten Aussage zu halten, man könne Bio-Zertifikate einfach so kaufen? Ist das vorstellbar? Nein! Nicht Lidl ...! Da könnte man ja auf die Idee kommen, dass auch die TransFair-Siegel für die FairGlobe-Produkte ... Nein! Bestimmt nicht!

Noch ein Lesetip, passend zum Thema Lidl: Die TAZ vom 28.12.2007 "Fairer Handel bei Lidl - das geht nicht"

Update 15.08.2008

Zur Fortsetzung s. http://www.mbauweb.de/blog/story/00408

01.12.2007

Europaweiter Aktionstag für Menschenrechte bei Discountern

Ein Bündnis aus gewerkschaftlichen und kirchlichen Gruppen sowie Entwicklungsorganisationen ruft am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, zu Aktionen gegen die Menschenrechtsverletzungen der Discounter auf.

WEED weist auf eine gemeinsame Aktion mit ver.di, Oxfam und dem INKOTA Netzwerk e.V. hin.

Discounter und Billig-Ketten überziehen in Europa immer mehr Länder mit einem dichten Filialnetz und zerstören traditionelle Einzelhandelsstrukturen und Arbeitsplätze. Die Arbeitsbedingungen der Be-schäftigten verschlechtern sich zunehmend. Prekäre Niedriglohn- und Minijobs verdrängen Normalarbeitsverhältnisse. "Arm trotz Arbeit" wird in Europa zur Normalität. Insbesondere Frauen, Migranten und Menschen in strukturschwachen Gebieten, die überwiegend unter prekären Bedingungen bei Lidl, Aldi, Schlecker, KiK, Norma, Netto und anderen Billig-Ketten arbeiten, sind betroffen. Extremer Leistungs-druck und Überwachung sind an der Tagesordnung. Grundrechte von Beschäftigten werden unterdrückt und die Wahl von Arbeitnehmervertreter/innen verhindert.

Der ruinöse Wettbewerb im Handel in allen Ländern Europas hat weitreichende Folgen für Beschäftigte, Kunden und die gesamte Gesellschaft.
(...)
Grundrechte von Beschäftigten werden jedoch nicht nur im europäischen Handel mißachtet, sondern auch bei den Zulieferern der Discounter, insbesondere in den Entwicklungsländern. Mit der Konzentrati-on im Einzelhandel steigt die Verhandlungsmacht der Discounter. So können diese ihren Zulieferern die Produktions-, Preis- und Lieferbedingungen diktieren. Durch die rigorose Preispolitik der Discounter geraten Löhne und Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern in den Entwicklungsländern immer mehr unter Druck.

Da ist es schon grotesk, dass Lidl gleichzeitig Produkte aus fairen Handel anbietet und einen nicht unerheblichen Marktanteil in diesem Bereich hält.

02.04.2007

Fairtrade verdoppelt Absatz

TransFair stellt Jahresberichtes 2006 vor

Wie die Informationskampagne zum fairen Handel "fair feels good" berichtet, hat sich der Absatz an fair gehandelten Produkten im Jahr 2006 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.

Fair feels good weist auf den Jahresbericht der Siegelorganisation TransFair hin.

18.000 Tonnen Rohwaren wurden unter fairen Bedingungen bei den Produzentengruppen in Lateinamerika, Asien und Afrika eingekauft, das ist doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Umsatz mit Fairtrade-gesiegelten Produkten in Deutschland kletterte um 50 Prozent auf 110 Millionen Euro.
(...)
Dank der Anstrengung vieler Menschen boomt der Markt mit dem ethischen Konsum. Neue attraktive Produkte, besseres Marketing und zunehmendes Engagement der Verbraucher und des Handels haben zu diesem Erfolg geführt.

Ein weiterer Grund für die Steigerungen ist der zunehmende Ausbau der FairTrade-Produktlinien im Einzelhandel. So geht etwa ein Drittel der Absatzsteigerung auf die seit Sommer 2006 beim Discounter Lidl aufgenommenen fair gehandelten Produkte zurück.


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