01.12.2007

Europaweiter Aktionstag für Menschenrechte bei Discountern

Ein Bündnis aus gewerkschaftlichen und kirchlichen Gruppen sowie Entwicklungsorganisationen ruft am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, zu Aktionen gegen die Menschenrechtsverletzungen der Discounter auf.

WEED weist auf eine gemeinsame Aktion mit ver.di, Oxfam und dem INKOTA Netzwerk e.V. hin.

Discounter und Billig-Ketten überziehen in Europa immer mehr Länder mit einem dichten Filialnetz und zerstören traditionelle Einzelhandelsstrukturen und Arbeitsplätze. Die Arbeitsbedingungen der Be-schäftigten verschlechtern sich zunehmend. Prekäre Niedriglohn- und Minijobs verdrängen Normalarbeitsverhältnisse. "Arm trotz Arbeit" wird in Europa zur Normalität. Insbesondere Frauen, Migranten und Menschen in strukturschwachen Gebieten, die überwiegend unter prekären Bedingungen bei Lidl, Aldi, Schlecker, KiK, Norma, Netto und anderen Billig-Ketten arbeiten, sind betroffen. Extremer Leistungs-druck und Überwachung sind an der Tagesordnung. Grundrechte von Beschäftigten werden unterdrückt und die Wahl von Arbeitnehmervertreter/innen verhindert.

Der ruinöse Wettbewerb im Handel in allen Ländern Europas hat weitreichende Folgen für Beschäftigte, Kunden und die gesamte Gesellschaft.
(...)
Grundrechte von Beschäftigten werden jedoch nicht nur im europäischen Handel mißachtet, sondern auch bei den Zulieferern der Discounter, insbesondere in den Entwicklungsländern. Mit der Konzentrati-on im Einzelhandel steigt die Verhandlungsmacht der Discounter. So können diese ihren Zulieferern die Produktions-, Preis- und Lieferbedingungen diktieren. Durch die rigorose Preispolitik der Discounter geraten Löhne und Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern in den Entwicklungsländern immer mehr unter Druck.

Da ist es schon grotesk, dass Lidl gleichzeitig Produkte aus fairen Handel anbietet und einen nicht unerheblichen Marktanteil in diesem Bereich hält.

27.11.2007

MakeITfair

Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen in der IT-Branche

Germanwatch weist in einer Pressemitteilung auf zwei heute veröffentlichte Studien des europäischen Netzwerkes makeITfair zu Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen in der IT-Branche hin. Logo Make IT fair

Die Elektronikindustrie verbraucht einen immer größeren Anteil der wertvollen Metalle der Welt, aber die Markenfirmen übernehmen bisher kaum Verantwortung für die Sozial- und Umweltbedingungen bei der Förderung der Rohstoffe für ihre Produkte der Informationstechnik (IT). Das neue europäische Netzwerk makeITfair hat in zwei heute veröffentlichten Studien aufgedeckt, dass bei der Rohstoffförderung häufig Menschenrechte verletzt werden und Umweltprobleme entstehen. So wird das Kobalt für Batterien in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) häufig von Kindern abgebaut, in Südafrika sind ganze Dörfer zwangsumgesiedelt worden, um Platin für die Computerindustrie zu fördern. makeITfair fordert Unternehmen wie Hewlett-Packard, Nokia, Philips und Sony auf, sich um die sozialen und ökologischen Risiken zu kümmern, die mit der Förderung von Metallen verbunden sind.

Die englischsprachigen Studien stehen auf der Internetseite von Germanwatch zum Download bereit, ebenso deutschsprachige Zusammenfassungen.

"makeITfair" ist ein europäisches Projekt zur Unternehmensverantwortung in der Informationstechnologie (IT). Nichtregierungsorganisationen aus Deutschland, den Niederlanden, Finnland, Schweden, Polen sowie aus dem Kongo, Indien und China arbeiten darin zusammen. Ziel ist es vor allem, Jugendliche und junge Erwachsene auf Probleme der IT-Industrie aufmerksam zu machen. Dabei stehen Produkte wie Handys, Laptops, Computer, iPods und MP3 Player im Zentrum des Projektes. Schwerpunkt des ersten Jahres sind die in der IT-Industrie verarbeiteten Rohstoffe sowie menschenrechtliche, soziale und ökologische Probleme im Zusammenhang mit ihrer Förderung.

In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal auf das Projekt PC global vonWEED hingewiesen, das sich ebenfalls mit der Nachhaltigkeit und dem Fairen Handel mit Computern befasst.

10.10.2007

Internationaler Tag gegen die Todesstrafe am 10. Oktober

Gerade bei amnesty international Deutschland gefunden:

Ende des Jahres stimmt die Generalversammlung der Vereinten Nationen über einen weltweiten Hinrichtungsstopp ab. Machen Sie der Welt Druck - jetzt. Unterschreiben Sie die ai-Petition, damit die Welt dem staatlichen Töten ein Ende setzt. http://www.amnesty.de/todesstrafe

05.06.2007

Schulische Integration behinderter Kinder muss Standard werden

Deutscher Behindertenrat fordert ein konsequentes Umsteuern in der Schulpolitik

Beim Arbeitskreis Down-Syndrom gefunden:

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Sprecherrates des Deutschen Behindertenrates, Horst Frehe, trifft die Kritik des UN-Sonderberichterstatters für das Recht auf Bildung, Vernor Munoz, im Hinblick auf die Benachteiligungen behinderter Kinder und Jugendlicher im deutschen Schulsystem genau den Nagel auf den Kopf. Das deutsche Schulsystem sondert nach Ansicht von Horst Frehe behinderte Kinder in hohem Maße und ohne Not aus dem allgemeinen Schulsystem aus. Damit werde ihnen in der Regel die Chancen auf eine echte Integration und Teilhabe verbaut. Die Länder praktizierten mit der Sonderbeschulung eine Ausgrenzungspolitik auf Kosten behinderter Kinder.

"Im Gegensatz zu anderen Ländern Europas erleben wir in Deutschland in den letzten Jahren eher sogar ein roll-back bei der schulischen Integration behinderter Kinder obwohl es mittlerweile auf so vielen Ebenen erwiesen ist, dass nicht nur die behinderten Kinder, sondern alle Schüler von der schulischen Integration profitieren. Es fehlt schlichtweg der politische Wille die schulische Integration umzusetzen und hierfür die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Wenn nur ca. 12 Prozent der behinderten Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Deutschland in der Regelschule unterrichtet werden, ist dies mehr als beschämend für unser Land und bietet keinen Grund, die Kritik von Vernor Munoz zurückzuweisen", kritisierte Horst Frehe. Die Kleinstaaterei und die Egoismen der einzelnen Länder auf Kosten behinderter Kinder zu sparen, verhindere eine längst überfällige Strategie für eine konsequente Integration behinderter Kinder in die Regelschule.

"Wir fordern ein konsequentes Umsteuern in der Schulpolitik und die Sicherstellung der Menschenrechte behinderter Menschen im Bildungswesen, so dass die schulische Integration zum Standard wird", erklärte Horst Frehe. Die Tatsache, dass eine Reihe von Eltern für eine Sonderbeschulung ihrer behinderten Kinder plädiere, sei letztendlich ein Hilferuf, der die eklatanten Mängel an vielen Regelschulen deutlich mache. "Wer dies als Rechtfertigung für die Sonderbeschulung nimmt, agiert in hohem Maße zynisch und drückt sich um die Schaffung der nötigen und eigentlich selbstverständlichen Rahmenbedingungen im Schulsystem, um allen Kindern gerecht zu werden", so Horst Frehe.

Quelle: http://www.deutscher-behindertenrat.de/ID57217

07.05.2007

Behinderte Kinder im Nachteil

Die Jura-Professorin Theresia Degener beklagt eine Benachteiligung Behinderter in deutschen Schulen

Wie berichet startete am 30. März 2007 bei der UN der Ratifizierungsprozess für die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen. Deutschland hat an diesem Tag die Konvention im Rahmen einer Zeremonie in New York unterzeichnet.

Zu diesem Thema brachte der Deutschlandfunk am 30.03.2007 ein Interview mit der Jura-Professorin Theresia Degener

Ihrer Ansicht nach kann die Konvention Eltern helfen, in Zukunft ein bundesweites Schulwahlrecht für ihre behinderten Kinder zu bekommen. Weil wir uns seit einiger Zeit genau mit diesm Thema befassen, erscheint mir dieser Beitrag so wichtig, dass ich ihn hier noch erwähnen möchte.

In Deutschland gehen 87 Prozent aller behinderten Kinder in Sonderschulen und nur 13 Prozent in Regelschulen. International gesehen sind wir da ein Entwicklungsland

Den Hinweis zu diesem Radiobeitrag fand ich heute im Gesellschafter-Tagebuch in einem ebenfalls lesenswerten Artikel der Theologin und Bioethikerin Dr. Heike Knops, mit dem Titel "Heime stehen dem Interesse an Integration entgegen".

22.04.2007

Imperialistischer Kaffee

Warum ich nicht gern zu Starbucks gehe - aber gehe

Im Lummaland, dem Blog von Nico Lumma findet sich heute eine Lobrede für die Cafés der amerikanischen Kette Starbucks. "Starbucks hat das geniesserische Kaffetrinken durchoptimiert, das muß man ihnen lassen. Dennoch muss er sich ständig anhören: "Starbucks? ich lehne diese amerikanischen Ketten ab." Und dann fragt er sich: "häh? wieso?".

Eigentlich wollte ich einen Kommentar mit einem Link auf die Oxfam-Aktion zur Unterstützung der äthiopischen Handelsmarkeninitiative hinterlassen.

Die Existenz von 15 Millionen Menschen in Äthiopien, einem der 10 ärmsten Länder der Welt, hängt vom Kaffeehandel ab. Die äthiopische Regierung versucht seit 2005, sich die Markenrechte für verschiedene hochklassige Kaffee-Sorten schützen zu lassen. Dadurch wären äthiopische Kaffeebauern in der Lage, deutlich höhere Preise für ihren Kaffee zu erzielen. Starbucks hat bisher in den USA die Einträge der Markenanträge blockiert. Nachdem 90.000 Menschen den Oxfams Aufruf gefolgt sind und Starbucks aufgefordert haben, sich für die äthiopischen Kaffeebäuerinnen und -bauern einzusetzen, zeichnet sich aber inzwischen ein Einlenken von Starbucks ab.

Aber irgendwie wäre mir das doch überheblich vorgekommen. Ich gehe schließlich selbst auch immer mal wieder zu Starbucks. Und ich muß zustimmen: Der Kaffee und das Ambiente sind äußerst angenehm.

Besonderer Bonuspunkt aus meiner Sicht: Starbucks-Cafés sind rauchfrei. Und weil ich darauf Wert lege, habe ich - zumindest in der Mittagspause in Essen - kaum eine Alternative.

Ich kann vermutlich nicht alle Firmen, Handelsketten und Marken boykottieren, mit deren Geschäftspolitik ich nicht einverstanden bin.

Im Rahmen der Oxfam-Kampagne gibt es eine Foto-Petition an Starbucks. Die Bilder der Foto-Petition werden auf einer Flickr-Seite gesammelt.

Flickr wiederum gehört Yahoo. Und Yahoo trägt bekanntlich durch Mitteilungen an die chinesischen Behörden zur Verfolgung chinesischer Internet-Dissidenten bei.

Political correctness ist nicht so einfach.


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