Lidl und der faire Handel - Die Fortsetzung
Unternehmen hat scheinbar auf Kritik reagiertam 20.01.2008 berichtete ich hier über einen geplatzten Deal zwischen Lidl und einer gemeinnützigen Kooperative in Paraguay, die Tierspielzeuge aus Loofah (das sind diese Schwammmkürbisse auch bekannt als Luffa) mit Bio-Siegel produziert. Meine Quelle war ein Artikel der Aktuellen Rundschau, einer deutschsprachigen Zeitung in Paraguay.
Heute erhielt ich eine Mail vom Chefredakteur der Aktuellen Rundschau, Herrn Thomas Freiherr von Schilling, mit einer Presseinformation mit dem Titel "LIDL rettet still und leise ein soziales Entwicklungsprojekt in Südamerika" (auch hier veröffentlicht, auf der Homepage der Aktuellen Rundschau konnte ich sie nicht finden!)
LIDL reagiert auf unsere Pressemeldung und zeigt soziale Verantwortung
Die für die LIDL-Geschäftsleitung völlig unbekannte Loofah S.A. stand plötzlich im Mittelpunkt des Interesses. Der Geschäftsführer der LIDL-Stiftung, Herr Kortum, nahm sich persönlich der Angelegenheit an und versicherte seinerzeit Frau Brigitte Fuzellier, Geschäftsführerin der Loofah S.A., dass die LIDL-Geschäftsleitung ein derartiges Geschäftsgebaren nicht duldet und für alle getroffenen Zusagen einstehen wird. Eine Aussage, die in den darauf folgenden Monaten um einiges übertroffen werden sollte!
Auf Rückfrage bei der Geschäftsführerin der Loofah-Kooperative, Frau Fuzellier erfuhr die Aktuelle Rundschau, dass jede der seinerzeit getroffenen Zusagen von LIDL eingehalten wurde.
Mehr noch, LIDL erhöhte das ursprüngliche Auftragsvolumen der BIO-Loofahprodukte und erteilte bereits den ersten Folgeauftrag für eine Werbeaktion im November 2008.
So erzählte uns Frau Fuzellier, dass sie im Juni diesen Jahres nach Deutschland reiste, um beim Lebensmittelkonzern LIDL ihr Entwicklungsprojekt zur ländlichen Armutsbekämpfung persönlich zu präsentieren. Sie muss mit überzeugenden Agumenten aufgewartet haben, denn Herr Kortum offerierte ihr eine weitere gute Zusammenarbeit mit LIDL, auch über die deutschen Landesgrenzen hinaus. So soll die BIO-Produktlinie Loofah in den Bereichen: Wellness, Tierspielzeug und Küchenbereich erweitert werden.
Ich freue mich über die positive Entwicklung, die sicher auch als Erfolg der kritischen Berichterstattung zu werten ist, zeigt es doch mal wieder, dass Öffentlichkeit und mögliche Imagesschäden Konzerne zum Einlenken bringt können.
Aber ich würde nicht sagen, dass jetzt alles gut ist. Ein Konzern wie Lidl ist kein Wohlfahrtsunternehmen. Nach wie vor kritisieren NGOs und Gewerkschaften immer wieder den Umgang mit Mitarbeitern (wir erinnern uns noch gut an den Bespitzelungsskandal) und das Dumping-Gebaren im Lebensmittelbereich.
Ich neige zu der Ansicht, dass die Teilnahme von Lidl am Fairen Handel diesem eher schadet als nutzt. Ich sehe zwar auch den Vorteil, dass hier ein riesiges Handelsvolumen für den Fairen Handel entsteht, aber es besteht auch die Gefahr einer Abhängigkeit, wenn Lidl einen so erheblichen Anteil hält. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, dass Transfair den Verlust dieses Lizenznehmers so einfach wegstecken könnte.
Was meint Ihr?