29.09.2007

RE14

Ich bin das Zugfahren ziemlich leid

Irgendwie bin ich es leid, mit dem Zug zu fahren. Seit wir vor 2 1/2 Jahren von Essen nach Dorsten gezogen sind, fahre ich regelmäßig morgens mit dem Fahrrad und dann mit dem Zug nach Essen. Ein Weg dauert ca. 1 1/2 Stunden von Tür zu Tür, davon sind etwa 30 Minuten Zugfahrt. Zu Anfang hatte ich die Hoffnung, diese Zeit sinnvoll nutzen zu können.

Aber Regionalzüge sind nicht bequem und in keiner Weise für etwas anderes geeignet, als sich gequetscht hin zu setzen und Bücher bzw. Hörbücher zu konsumieren. An schreiben ist überhaupt nicht zu denken. Ich habe das mal versucht, aber wenn ich auf dem Schoß in mein Notizbuch schreibe, kann ich hinterher nichts mehr davon lesen, weil der Zug zu sehr wackelt. Zwar sehe ich immer mal wieder Leute mit Notebooks auf dem Schoß, die eifrig damit werkeln, ich habe aber keine Vorstellung, wie die das machen. Ich vermute, die sind entweder gelenkig wie Akrobaten im Zirkus Krone, oder sie haben ein Jahresabonnement beim Orthopäden.

Der RE14 (Der Borkener), der seit Ende 2006 von der NordWestBahn betrieben wird, macht zunächst mal einen recht modernen Eindruck, ist klimatisiert und hat vergleichsweise moderne Sitze. Aber die Sitze in Regionalzügen sind eng und wenn man Pech hat (was eher die Regel als die Ausnahme ist) sitzt man anderen langbeinigen Menschen gegenüber und hat nicht einmal die Möglichkeit, die Füße auszustrecken (gut, wollte ich mit dem Notebook arbeiten, würde es auch keine Sinn machen, sie auszustrecken - aber das will ich ja wie gesagt nicht) geschweige denn, vor dem Sitz-Nachbarn zu verbergen, was man gerade liest oder schreibt (hier ist allerdings von Vorteil, dass Handgeschriebenes kaum noch zu lesen ist). So bleibt mir das unangenehme Gefühl, ich vertue meine Zeit.

Hinzu kommt, dass der Zug immer sehr voll ist. Und seit einigen Wochen häufen sich jetzt auch noch die Situationen, in denen nur ein halber Zug eingesetzt wird. Anfangs gab es dann immerhin noch mal eine Durchsage mit einer Entschuldigung, aber inzwischen spart man sich das auch. Ist ja mittlerweile auch fast normal. Folge: Man kann von Glück sagen, wenn man noch einen Sitzplatz ergattert. Die anderen Fahrgäste quetschen sich wie die Sardinen in der Dose. Die Luft ist verbraucht und häufig von Gerüchen durchsetzt, von denen aufdringliche Parfüms noch zu den angenehmeren zählen.

Ich bin seit Anfang des Jahres dazu über gegangen, mindestens an zwei Tagen in der Woche das Auto zu nehmen. Eigentlich finde ich es nicht gut, einer der vielen CO2-ausstoßenden Individualpendler zu sein, aber ich stelle fest, dass mir die tägliche Bahnfahrt doch sehr an die Substanz geht. So habe ich mit mir selbst einen Kompromiss geschlossen.

Ich vermute, so wie mir geht es vielen anderen auch. Regionalzüge sind unkomfortabel und wer es sich leisten kann, fährt lieber mit dem Auto.

07.05.2007

Germanwatch legt Beschwerde gegen Volkswagen ein

Klimaschädliche Konzernstrategie verletzt OECD-Leitsätze für Multinationale Unternehmen

Die umwelt- und entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation Germanwatch reichte heute bei der Nationalen OECD-Kontaktstelle im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eine Beschwerde gegen die Volkswagen AG ein. VW verletze die OECD-Leitsätze für Multinationale Unternehmen.

Germanwatch wirft VW, u.a. aufgrund der klimaschädlichen Produktpalette und Konzernstrategie, die Verletzung der Leitsätze in 15 konkret benannten Fällen vor. So hat der Konzern in den letzten Jahren die besonders klimaschädlichen Modelle im Luxussegment und in der oberen Mittelklasse massiv ausgebaut und seine Marketingstrategie überwiegend auf diese Modelle konzentriert. Zudem hat VW aggressive Lobbyarbeit gegen Rahmensetzungen für Klimaschutz-Regelungen betrieben und dabei teilweise Fehlinformationen verbreitet. Auch ist der Konzern - laut einer Studie von Transport and Environment - von den großen deutschen Automobilkonzernen am weitesten davon entfernt, die 1998 mit der EU-Kommission vereinbarte Selbstverpflichtung (ACEA Agreement) einzuhalten. Insbesondere die Marken VW und Audi machen wenig Fortschritte bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes pro gefahrenem Kilometer.
(...)
Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, fügte hinzu: "Wir haben VW seit vielen Jahren gedrängt, ein Ein-Liter-Auto zu entwickeln. Auf tragikomische Weise hat der Konzern dies umgesetzt. Der Bugatti Veyron verbraucht tatsächlich einen Liter bei voller Fahrt, aber nicht pro hundert Kilometer, sondern pro Kilometer." Bals machte deutlich: "Bei den heute beginnenden UN-Klimaverhandlungen ringen die Regierungen um ein Konzept zur Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels. Es ist nicht akzeptabel, dass Unternehmen dieses erklärte Ziel der Weltgemeinschaft durch ihre Unternehmensstrategie und Produktpalette unterlaufen."

02.05.2007

Tempolimit selbst gemacht

Greenpeace führt auf deutschen Autobahnen ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern für den Klimaschutz ein

In einer Mitteilung vom 30.04.2007 kündigt Greenpeace an, in den nächsten Wochen auf den bisher unlimitierten Strecken - immerhin über 6.000 Kilometer Autobahn in Deutschland - Schilder mit der Geschwindigkeitsbeschränkung aufzustellen.

Von den 12.000 Kilometern Autobahn in Deutschland gibt es nur auf knapp der Hälfte eine Geschwindigkeitsbeschränkung. Ein Tempolimit ist die schnellste und günstigste Maßnahme zur Reduzierung von Treibhausgasen im Verkehrsbereich, denn auf deutschen Autobahnen werden rund ein Drittel aller PKW-Kilometer gefahren.
(...)
"Während sich in Bangkok die Experten des Weltklimarates den Kopf über Maßnahmen gegen den Klimawandel zerbrechen, leistet sich Deutschland als einziges Industrieland der Welt weiterhin unbeschränkte und CO2-treibende Raserei", sagt Wolfgang Lohbeck, Verkehrsexperte von Greenpeace. Es ist ein ungeheurer Zynismus, dass Minister Tiefensee ein Tempolimit blockiert. "Er verantwortet damit Jahr für Jahr hunderte von zusätzlichen Verkehrstoten, tausende von Verletzten und mehrere Millionen Tonnen Treibhausgase. Da die zuständigen Politiker bisher immer nur reden, wird Greenpeace jetzt handeln!"


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