Web 2.0 für sozialpolitische Gruppen
Auf der Rückfahrt vom zweiten Tag der re:publica in Berlin (ich übernachte in Brandenburg, habe also etwa 50 Minuten Zugfahrt) hatte ich Zeit, ein paar Gedanken zu verfassen - zumindest so lange, bis mein Notebook-Akku ganz leer war.Heute stand ein wesentlicher Teil der re:publica für mich unter dem Motto: Web 2.0 für Projekte und NGOs.
Zwei Veranstaltungen befassten sich mit dem Thema, ein Panel in sehr allgemeiner Form und ein Workshop speziell mit dem Internetkonzept von Greenpeace.
Für NGOs und politische Organisationen bietet das Web 2.0 eine Menge Chancen. Große Bedeutung hat die Möglichkeit, Zielgruppen zu erreichen, die man über die klassichen Wege nicht erreicht. Das hat zwei Aspekte. Internet-affine Gruppen nutzen zunehmend die digitalen Medien zur Kommunikation, statt sich über die klassischen Formen zu organisieren. Die Möglichkeit, zeitversetzt und ortsunabhängig zu kommunizieren, bietet einen breiten Raum für Beteiligung. Daneben bietet vor allem die Interaktion - also der 2.0-Faktor - entscheide Vorteile. User-generated Content bringt echten Mehrwehrt gegenüber den klassischen Internetauftritten dieser Organisationen.
Für große Organisationen also eingentlich ein "must". Was aber bringt Web 2.0 für die kleinen. Kann die kleine lokale Eine-Welt-Gruppe tatsächlich von Web 2.0 profitieren? Wenn es sich nicht um eine Gruppe handelt, in der die Nutzung des Internets, aber auch des Mitmachwebs weit verbreitet ist, wird es schwierig. Mein Traum ist ja schon länger, Web 2.0 als Erweiterung für die traditionenllen Gruppenarbeit zu nutzen. Erste Ansprachen der Akteure führten dabei vor Ort in Dorsten allerdings nicht zu viel Begeisterung. Das Medium Blog z.B. ist weitgehend unbekannt und wird mit unüberwindlichen Hürden assoziiert.
Helfen Projekt-Portale wie mixxt? Ich kann nur spekulieren. Zunächst einmal werden solche Portale die Barrierern nicht auflösen, die mit der Nutzung von Web 2.0-Services verbunden sind. Vorurteile werden hier vermutlich noch mehr zum tragen kommen, allein schon dadurch, dass eine Anmeldung zu diesem Portal erforderlich ist.
Hinzu kommt, dass die Fülle der Angeboten unüberschaubar ist. Allein an den ersten beiden Tagen der Re:publica 2008 bin ich mit drei Leuten ins Gespräch gekommen, die Geschäftsideen vertraten, die irgendwie damit zu tun hatten, soziale oder politische Projekte zu vernetzen und Plattform für solche Projekte zu sein.
Ein Projekt auf einer solchen Plattform zu betreiben ist sicher ganz nett, wie aber erfolgt die Vernetzung, wenn sich später herausstellt, dass das eigene Projekt bei mixxt, ein anderes, vergeichbares vielleicht im Rahmen von Facebook und ein drittes auf einem selbst gehosteten Forum oder Portal läuft - jeweils mit eigene Profilen und als closed-shop?
Würde mich mal interessieren, was es dazu für Ideen gibt. Zur Zeit tendiere ich stark in die Richtung, Inhalte so weit wie möglich selbst zu hosten und nur dann - wenn nötig - in anderen Communities einzustellen. Aber wo und wie läuft die Kommunikation. Betreibt eine Gruppe ein eigenes Blog und stellt Content aus diesem Blog in sozialen Netzen oder anderen Communities ein, so werden ja Antworten nicht im Blog sonderen dort landen - ein unlösbares Problem?
Mein vorläufiges Fazit: Für kleinere, lokale Gruppe ist eine breite Nutzung kaum denkbar, wenn diese nicht über einzelne, sehr Internet-affine Menschen geschieht. Wichtig ist, dass Web 2.0-Aktivitäten nicht im closed-shop erfolgen. Alleine auf einem sozialen Netzwerk zu agieren, versperrt mit Sicherheit Chancen für eine spätere Vernetzung.
Meine alte Idee, die Vernetzung über ein Gruppen-Blog zu organisieren, erscheint mir hingegen nach wie vor recht vielversprechend.
Tags: re-publica08, rep08, Web 2.0, Vernetzung, mixxt